Bild: Jens-Ulrich Koch/dpa-Zentralbild/dpa
Da hatte sich wohl was aufgestaut.

Wenn es mal nicht so gut für die Kanzlerin läuft, hat Angela Merkel bislang vor allem eine Taktik verfolgt: Besser nichts sagen. Doch für Merkel-Verhältnisse hat sie am Samstag auf dem Landesparteitag der Thüringer CDU ungewohnt klare Ansagen gemacht und sich über die Kämpfe innerhalb der Partei aufgeregt.

Was hat Angela Merkel gesagt? Die wichtigsten Aussagen im Überblick:

Sie will die parteiinternen Streitereien über das schlechte Bundestagswahlergebnis von 2017 und vor allem über die Flüchtlingskrise von 2015 beenden.

"Wenn wir uns für den Rest des Jahrzehnts damit beschäftigen wollen, was 2015 vielleicht so oder so gelaufen ist und damit die ganze Zeit verplempern, dann werden wir den Rang als Volkspartei verlieren", warnte Merkel. "Deshalb fordere ich, dass wir uns jetzt um die Zukunft kümmern."

Am kommenden Sonntag wird in Hessen gewählt. Wie auch schon bei der Wahl in Bayern muss die Union starke Verluste befürchten. In einer ZDF-Umfrage lag die CDU mit 26 Prozent nur noch knapp vor den Grünen (22) und der SPD (20).

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Merkel machte klar, dass sie weiterhin das Sagen innerhalb der Partei haben will. Schon die Wahl von Ralph Brinkhaus als Unions-Fraktionschef im Bundestag im September war für sie ein Rückschlag, weil nicht ihr Vertrauter Volker Kauder die Abstimmung gewonnen hatte. (bento

So sehr wie im Moment stand die Kanzlerin noch nie innerhalb ihrer Partei in der Kritik. Nun machte Merkel am Samstag klar, dass Parteivorsitz und Kanzlerschaft für sie in eine Hand gehören, da sonst die Macht zunehmend zerbröseln könne.

"Seit einem Jahr beschäftigen wir uns viel zu sehr damit, ob wir beleidigt sein sollen oder nicht", sagte Merkel zu den Diskussionen zwischen CDU und CSU nach dem schlechten Bundestagswahlergebnis 2017 (32,9 Prozent).

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Merkel forderte auch, dass die Partei mehr Optimismus ausstrahlen müsse:

"Solche Menschen wählt man nicht. Wir sollten optimistisch in die Zukunft blicken." Sie forderte die rund 175 Delegierten dazu auf, ein Zeichen zu setzen, "für Zukunftsoffenheit, für Optimismus, für Mut". 

Mit Griesgram gewinnt man die Menschen nicht.

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Außerdem äußerte sich Merkel zur immer noch anhaltenden Flüchtlingsdebatte: Sicher gebe es in der Migrationspolitik noch Probleme, vor allem aber riesige Fortschritte seit 2015.

Wie hat sich Merkel sonst so gegeben?

Merkel schoss Selfies – unter anderem mit dem Fahrer eines Rettungswagen. Der hatte Bereitschaft in der Halle. In ihrer Rede hatte sie bereits Menschen gelobt, die für das Gemeinwohl arbeiteten. (Berliner Morgenpost)

Wie geht es jetzt weiter?

Wenn auch die Wahl in Hessen ein schlechtes Ergebnis für Union und SPD bringt, droht die Große Koalition endgültig zu zerbrechen. Das will Merkel auf jeden Fall vermeiden, wie sie mit ihrer Rede klar machte. 

Die Frage wird auch sein, ob Merkel Erfolg bei einer erneuten Wahl des CDU-Vorsitzes beim Parteitag im Dezember haben wird.

Mit Material von dpa


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