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"There’s a new can-do nation. It’s called Germany."

Amerika? Abgemeldet! Deutschland ist das neue leuchtende Vorbild in der Welt, was Mut und Menschlichkeit angeht. So überschwänglich schreibt es zumindest der Auslandsberichterstatter der "New York Times", Roger Cohen, in einem Meinungsbeitrag.


Cohen erklärt, warum Angela Merkels "Wir schaffen das" in der Flüchtlingskrise richtig war, vernünftig und gleichzeitig mutig. Er schreibt außerdem, dass Deutschland im Großen und Ganzen hinter dem Entschluss steht, eine Million Flüchtlinge willkommen zu heißen. Denn diese fliehen nicht aus Verzweiflung, schreibt Cohen, sondern aus der rationalen Entscheidung: Will ich mein Kind leben sehen? "Postwar Germans are reasonable people."

Der Kraftakt werde dazu führen, dass Deutschland mit der kommenden Generation ein stärkeres, lebendigeres, dynamischeres und offeneres Land werde. Im Vergleich dazu würden die europäischen Nachbarn, allen voran Großbritannien, und die USA alt aussehen. "Germany can do this."

In den USA blickt man seit der Flüchtlingskrise geradezu mit Bewunderung auf Angela Merkel. "Time" kürte sie jüngst zur Person des Jahres. Solche Außenbetrachtungen können hilfreich sein, denn in der täglichen Auseinandersetzung mit "besorgten Bürgern" und anderen Fremdenfeinden gerät diese Perspektive leicht aus dem Blick.

Die täglichen Meldungen von im Mittelmeer ertrinkenden Menschen und von brennenden Unterkünften für Asylbewerber überschatten das deutsche Weihnachtsmärchen. Die unhaltbaren Zustände um das Landesamt für Gesundheit und Soziales in Berlin, die doch schon Monate andauern. Der Ruf von Politikern christlicher Parteien, bitte abschreckende Bilder von Abschiebungen zu verbreiten.

Nein, es gibt wirklich nichts zu jubeln. Umso erfreulicher ist die Anerkennung von außen. Dieses Bild, das die Welt gerade von Deutschland hat, das Roger Cohen so euphorisch beschreibt: Das war nicht allein Merkel mit einer rationalen Entscheidung.

Die "can-do nation" besteht aus unzähligen Menschen, die sich Tag für Tag für Flüchtlinge einsetzen.