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Solidarité: Je crois que c'est le mot du jour, comme pour Charlie. – Solidarität: Ich glaube, das ist das Wort des Tages, wie damals bei Charlie.

Mit diesen Worten beschreibt Camille, 23, die Stimmung in Frankreich kurz nach den Terroranschlägen in der Nacht des 13. November. Frankreich steht unter Schock, Frankreich trauert – und Frankreich zeigt Solidarität.

"Heute gibt es keine Fragen mehr nach links oder rechts, nach christlich oder muslimisch. Wir halten zusammen, wir sind ein Volk, eine Nation. Wir stellen uns dem gemeinsam." Camille, 23, aus Tours
"Es ist viel leiser draußen als üblich, aber es sind immer noch Menschen unterwegs. Ich werde heute Abend weggehen, wie viele andere auch. Wir können deswegen nicht aufhören, zu leben." Céline, 29, aus Paris
"Ich habe das Gefühl, dass wirklich alle zusammenhalten. Ich bin stolz darauf – und ich glaube, die anderen auch. Es ist irgendwie ein mächtiges Gefühl, gemeinsam stark zu sein. Schade, dass wir das nur in einer so schwierigen Situation so sehr spüren." Laurent, 31, aus Metz
Zeichen der Solidarität

Schon kurz nach Beginn der Anschläge in Paris verbreitete sich ein Hashtag auf Twitter: #PorteOuverte (offene Tür). Damit riefen Pariser andere Menschen auf, bei ihnen Schutz zu suchen. Damit sie die Straßen verlassen können, auf denen offenbar mehrere Attentäter unterwegs waren. (Wir haben mit dem Erfinder von #PorteOuverte gesprochen.)

(Für diejenigen, die kein Französisch können: "Wenn ihr jemanden aufnehmen könnt, geolokalisiert eure Tweets + #PorteOuverte, um sichere Orte anzuzeigen. #fusillade #paris")


Außerdem stellten einige Taxifahrer ihre Zähler aus, um Menschen kostenlos in Sicherheit zu bringen.


(Die Mobilisierung der Bürger setzt ein. Bestimmte Taxis bieten an, die Menschen in #Paris kostenlos nach Hause zu bringen!)

#VoyageAvecMoi

Freitagnacht tauchte auch ein bekannter Hashtag wieder auf, leicht abgewandelt und auf Französisch: #VoyageAvecMoi (Reise mit mir). Darunter twittern Menschen in Paris und in ganz Frankreich, wo sie gerade unterwegs sind – und bieten an, dass andere sich anschließen können. Solche, die Angst haben, alleine zu reisen, die fürchten, dass sie wegen ihrer Hautfarbe oder ihrer Religion angefeindet werden könnten.

Der Hashtag ist angelehnt an #illridewithyou: Nach einer islamistisch motivierten Geiselnahme in Sydney im Dezember 2014 hatten Menschen damit angeboten, Muslime zu begleiten, die Angst vor Beleidigungen oder Angriffen hatten.

(#VoyageAvecMoi: Paris, unter der Woche nehme ich regelmäßig die 14 und die J Richtung Les Mureaux. Klein, Jeans, kurze Haare, blauer Rucksack.)
(#VoyageAvecMoi Ich werde um 9.35 Uhr einen Zug von Lilles Flandres nach Valenciennes nehmen, ich trage einen schwarzen Mantel und rote Dr. Martens + Koffer)
Blut spenden für die Verletzten

Am Samstag kamen zwei weitere Hashtags hinzu, #JeDonnePourParis (Ich spende für Paris) und #dondusang (Blutspende). Damit einher ging eine neue Welle der Solidarität: Menschen stellten sich in langen Schlangen vor Krankenhäuser und andere Einrichtungen, um Blut zu spenden und so einem der mehr als 200 Verletzten zu helfen.


(Nach dem Attentat, die Solidarität #JeDonnePourParis)

Am Ende stand die Aufforderung: Wir brauchen euch auch in der kommenden Woche! Das "Etablissement Français du Sang" wies darauf hin, dass täglich 10.000 Spender notwendig seien, um den Bedarf dauerhaft zu decken.

(Blutspende, um den Opfern zu helfen, wir brauchen euch auch in der kommenden Woche! Die Infos gibt es hier #dondusang)

Das alles sind Zeichen der großen Solidarität, die Frankreich gerade eint – und der Entschlossenheit, dem Terror gemeinsam entgegenzutreten.