Unserem unmittelbaren Nachbarn Polen droht die Spaltung: Die nationalkonservative Regierung ist dabei, den Staat kräftig umzubauen, stößt dabei aber auf heftigen Widerstand. Die Krise in Polen erklärt:

Was ist passiert?

Tausende Menschen haben in mehr als 20 polnischen Städten für Demokratie und gegen die neue nationalkonservative Regierung demonstriert. Das staatliche Fernsehen schätzte die Zahl der Demonstranten auf je rund 4000 in Posen und Danzig sowie tausend in Lublin. Auch in Berlin, London und Brüssel kam es zu kleineren Kundgebungen.

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Warum wird demonstriert?

Das Komitee zur Verteidigung der Demokratie (KOD) hatte zum Widerstand gegen ein "rechtloses Polen" aufgerufen. Die Kritik richtet sich gegen die seit Kurzem mit absoluter Mehrheit regierende nationalkonservativen Partei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS). Die Kritiker werfen der PiS-Regierung von Premierministerin Beata Szydlo vor, Justiz und Verwaltung unter ihre Kontrolle bringen zu wollen.

Wie reagiert Europa?

Die Entwicklungen im EU-Land Polen werden in der Europäischen Union mit Sorge beobachtet: Die Bundesregierung ist über die Politik der konservativen Führung in Warschau empört. Zuletzt hatte zudem der frühere Präsident und Friedensnobelpreisträger Lech Walesa angesichts der Spaltung des Landes sogar vor einem "Bürgerkrieg" gewarnt. Reformen müssten offen und demokratisch erfolgen und nicht "auf brutale Weise", mahnte der einstige Solidarnosc-Anführer.

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Warum ist das wichtig?

Die PiS verfügt im Sejm seit den Parlamentswahlen Ende Oktober über eine absolute Mehrheit und stellt mit Szydlo die Premierministerin. Im Präsidentenpalast sitzt ebenfalls ein Gefolgsmann Kaczynskis, Duda hatte im Mai die Präsidentschaftswahl gewonnen. Die beiden Politiker gelten als Marionetten des Parteigründers, der mit uneingeschränkter Autorität ein strenges Regiment führt.

Die Nationalkonservativen von Parteigründer Jaroslaw Kaczynski haben in den vier Wochen seit ihrem Regierungsamtsantritt damit begonnen, Polen umzubauen - und dabei, so sehen es ihre Kritiker, die Verfassung mehrmals gebrochen.

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(Dieser Artikel ist in ähnlicher Form zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.)