Bild: Franziska Kraufmann/dpa

Jedes Jahr das Gleiche: Das Osterwochenende naht und schon entbrennt wieder die Diskussion um das Tanzverbot an den Kar-Feiertagen. Eine absolute Phantom-Diskussion. Fühlt sich ernsthaft irgendjemand durch das Tanzverbot an diesem Tag eingeschränkt? 

Wie jedes Jahr kommen auch dieses Jahr die klassischen Lager aus ihren Löchern: Auf der einen Seite die CDU/CSU zusammen mit Kirchenverbänden und Glaubensgemeinschaften, die uns erzählen, wie wichtig dieser Tag ist und dass man auf die christlichen Mitbürger Rücksicht nehmen muss. 

Auf der anderen Seite SPD, FDP, Grüne, Linke und alle anderen, die nicht zu 100 Prozent hinter den "christlich-abendländischen" Werten unseres Landes stehen und fordern, dass das Tanzverbot aufgehoben werden muss. Sofort. Auf der Stelle.

Etwa die Hälfte der deutschen Bürger sind nicht Mitglied in einer der beiden großen christlichen Konfessionen (statista). Eigentlich Grund genug das Tanzverbot an den Feiertagen aufzuheben oder? Was ist mit der Religionsfreiheit? 

Sorry, aber die ganze Diskussion kann ich nicht ernst nehmen! Das Tanzverbot an diesen paar Tagen im Jahr wird euch nicht umbringen! 

Und es ist weder ein "Aufzwingen eines Glaubens" noch eine "Scharia" (Welt.de). 

Ich bin weiß Gott kein gläubiger Christ, aber das Tanzverbot an Karfreitag stört mich überhaupt gar nicht. Weder die Punkte die dafür, noch die dagegen sprechen. Ich brauche keinen Tag, um an die Leiden und den Tod eines Charakters zu denken, an den ich selbst nicht glaube. Ich brauche aber auch keine Initiative, die es mir auf Biegen und Brechen ermöglicht, an Karfreitag in einen Club zu gehen, weil ansonsten meine Religionsfreiheit unterdrückt wird.

Es ist absolut unnötig, das Verbot aufzuheben. Warum müsst ihr denn ausgerechnet an diesem Tag feiern gehen? Warum nicht an den anderen Tagen im Jahr? 

Ihr wollt Musik hören, tanzen, saufen und Spaß haben? Gut, macht das zu Hause. Niemand verbietet es euch! Und seit wann ist eine gute Party abhängig von der Location?

Die Clubs haben an Karfreitag nicht geöffnet. Euch wird also an diesem einen Tag im Jahr eine einzige Möglichkeit der Abendplanung genommen. Dann macht was draus und habt trotzdem Spaß!

Niemand zwingt euch dazu, in einen Gottesdienst zu gehen, ein 24-Stunden-Schweigegelübte durchzuhalten oder verbietet euch Spaß zu haben. 

Wie oft seid ihr bei einer Vortrink-Session hängen geblieben und seid nicht in den Club gegangen, weil es mit euren Freunden viel lustiger war? Wie oft hattet ihr einfach keinen Bock oder habt euch mitschleppen lassen, obwohl ihr die Musik gar nicht gefeiert habt? Warum seid ihr so scharf drauf, ausgerechnet an diesem Tag in einen Club zu gehen?

Ja ich weiß, es geht nicht um diesen speziellen Tag, es geht um die allgemeine Einstellung, sich nichts von der Kirche vorschreiben zu lassen. Dann hört aber bitte auch auf, an Weihnachten ein einziges Mal im Jahr mit eurer Familie in die Kirche zu gehen und danach eine Geschenkeorgie zu feiern. 

Dann hört auch bitte auf, an Feiertagen frei zu machen. Oder wollt ihr euch von der Kirche vorschreiben lassen, wann ihr zu arbeiten habt?

Für mich sind Karfreitag und Ostern vollkommen unabhängig vom Glauben genau wie Weihnachten vor allem eine Möglichkeit meine Freunde wiederzusehen, die mittlerweile in ganz Deutschland versprengt leben und arbeiten. Die Feiertage machen es möglich, auch mal ein paar Tage am Stück miteinander zu verbringen. Und wenn der Preis dafür ist, dass ich einmal im Jahr nicht in einen Club kann, dann zahle ich den gerne.


Fühlen

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