Bild: Patrick Smith/Getty Images
Ein Footballspieler machte #takeAknee zur Bewegung – und verlor seinen Job.

Sie knien und das ausgerechnet während der Nationalhymne. In den patriotischen USA ist so ein Verhalten fast unvorstellbar. Es ist der stille Protest von Profi-Footballspielern, die genug haben von Rassismus, Polizeigewalt und Benachteiligung von Minderheiten. Und er wird immer größer – auch wegen Donald Trump.

Vergangenes Wochenende protestierten rund 150 Footballspieler, viele von ihnen Afroamerikaner, indem sie sich hinsetzten oder hinknieten, während die Nationalhymne lief. Das Motto: "Take-A-Knee". 

Auslöser dafür sind Aussagen des US-Präsidenten bei einer Wahlkundgebung in Alabama am Freitag. Trump hatte dort den Footballspieler Colin Kaepernick als "Hurensohn" beschimpft und gefordert, dass Clubbesitzer in der NFL Spieler "bei solchen Respektlosigkeiten" sofort feuern sollten (The Guardian).

Hier siehst du die Aussage im Video:
Worum geht es bei dem Protest – und wer ist Kaepernick?

Seit der Saison 2016 protestieren Spieler der National Football League (NFL) gegen Rassismus und die Unterdrückung von Schwarzen in den USA. Die Nationalhymne wird in den USA vor jedem Footballspiel gespielt, egal ob in der Profiliga oder beim Testspiel zweier Jugendmannschaften in Alaska.

Der damalige Quarterback der San Francisco 49ers, Colin Kaepernick, hatte bereits  im August 2016 damit begonnen (SPIEGEL ONLINE). Bei einem Testspiel seiner Mannschaft war er während der Hymne einfach sitzen geblieben. Es war Wahlkampf in den USA, Kaepernick hatte kurz zuvor den damaligen US-Präsidentschaftskandidaten Trump als "offenen Rassisten" bezeichnet.

(Bild: Drew Angerer/Getty Images)

Mit seinem Verhalten wollte Kaepernick gegen Ungleichheit, Rassismus und Polizeigewalt demonstrieren. Der damalige Präsident Obama zeigte Verständnis für die Aktion: "Er übt sein verfassungsmäßiges Recht aus, ein Statement abzugeben", sagte Obama

Aber: Donald Trump riet Kaepernik damals zur Ausreise aus den USA, viele Trump-Unterstützer stimmten ihm zu.

Die Debatte war entfacht, immer lauter wurden die Rufe nach Kaepernicks Entlassung. Nachdem der Druck zu groß wurde, entließen die 49ers Kaepernick schließlich. Seine Leistungen bis dahin waren gut – einen neuen Job hat er trotzdem noch nicht (The Guardian). Im Gegenteil: Die Auseinandersetzung zwischen Trump und Kaepernick gipfelte vergangenen Freitag in dieser krassen Beleidigung durch den US-Präsidenten. 

Die Aktion erinnert an die Olympischen Spiele 1968 in Mexiko-Stadt, als die schwarzen US-Amerikaner Tommie Smith und John Carlos bei der Siegerehrung ihre Fäuste in schwarzen Handschuhen zur Black-Power-Geste in die Luft reckten. Beide wurden danach von den Spielen ausgeschlossen.

Warum ist das so wichtig?

Der Protest wird stetig größer. Immer mehr Footballspieler verteidigen Kaepernick, längst demonstrieren nicht nur schwarze Spieler. Inzwischen knien auch andere Stars während der Hymne nieder. Pharell Williams, Diddy, Stevie Wonder und John Legend gehen auf der Bühne in die Knie. Aber nicht nur Afroamerikaner schlossen sich der Aktion an, auch Sänger wie Eddie Vedder machten mit.

Geoge Clooney schrieb sogar ein Gedicht: "Ich bete, dass junge Kinder wie Tamir Rice sich in ihrer Gegend sicher fühlen können / Und wenn ich bete, knie ich nieder", heißt es darin. Es spielt auf den jungen Schwarzen an, der 2014 im Alter von 12 Jahren von einem weißen Polizisten erschossen wurde und in den USA massive Proteste auslöste.

Spätestens seit auch so viele andere Stars mitmachen, diskutiert ganz Amerika über das Thema. Konservative, meist weiße Patrioten, stehen denjenigen gegenüber, die genug haben von Polizeigewalt und Rassismus, von einem Amerika, in dem Schwarze Angst um ihr Leben haben und im Alltag Nachteile in Kauf nehmen müssen.

Und Trump mischt munter mit. Mit seinen Tweets facht er die Debatte weiter an. Kurz zuvor hatte er sich schon mit dem Basketballspieler Stephen Curry angelegt. Grund: Curry hatte keinen Lust auf einen Besuch bei Trump im Weißen Haus. Der Präsident lud ihn daraufhin offiziell aus.

Basketball-Supersta LeBron James bezeichnete Trump daraufhin als "Penner".

Was lernen wir daraus?
  • Trump gelingt es immer wieder, von seinem politischen Versagen abzulenken. Er schafft es nicht einmal, die versprochene Gesundheitsreform durchzubringen, bestimmendes Thema ist das trotzdem nicht. Durch seine Beleidigungen signalisiert er zudem seiner zum Teil rassistischen Anhängerschaft, dass er sie nicht vergessen hat.
  • Was wäre, wenn deutsche Fußballer einfach kollektiv aufhören würden zu spielen, wenn Fans homophobe oder rassistische Gesänge anstimmen? Die Amerikaner zeigen uns, wie politisch Sport sein kann und, dass die Stimme der Sportler Gewicht hat. Der Protest einiger Spieler hat eine landesweite Debatte ausgelöst. Millionen Jugendliche wachsen nun in dem Bewusstsein auf, dass sich ihre Helden gegen Rassismus einsetzen – selbst wenn es dem Präsidenten nicht gefällt, oder es ihnen sogar den Job kostet.

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Emmanuel Macron will Europa verändern – was das für uns bedeutet
Was ist passiert?

Alles muss neu – das ist Devise von Emmanuel Macron. Der französische Präsident hat am Dienstag eine Grundsatzrede zu Europa gehalten. Und fordert darin im Grunde eine Revolution des Staatenbundes.

Einen Teil seiner Rede widmete er den jungen Europäern. Seine Idee: 

  • Es sollte das Ziel sein, dass jeder zweite Europäer während seiner Schul- oder Uni-Zeit sechs Monate im Ausland verbringt. 
  • Außerdem solle jeder EU-Bürger mindestens zwei Sprachen beherrschen. 
  • Ein weiterer Vorschlag ist die Schaffung von 20 ausdrücklich europäischen Universitäten sowie vergleichbare Schulabschlusszeugnisse in der Union (Euraktiv).