Was macht man eigentlich am Tag der deutschen Einheit? Jetzt mal ernsthaft: An diesem Tag, an dem dieses Land seine Wiedervereinigung, also im Grunde sein Entstehen im Jahr 1990 feiert, ist kaum jemand, den ich kenne, in irgendeiner Form mit Deutschland, seiner Identität, seiner Vergangenheit oder Zukunft beschäftigt. Eher mit auskatern und Kuchen essen.

Jetzt habe ich nichts gegen auskatern und Kuchen essen, aber besonders in diesem Jahr, nach dieser Wahl, die noch einmal so große Unterschiede zwischen Ost und West gezeigt hat, frage ich mich doch, ob wir uns nicht ab und an auf Dinge besinnen sollten, die uns zusammen halten. 

Ob wir nicht Rituale bräuchten, genau wie an Weihnachten oder Silvester, um inne zu halten, darüber nachzudenken, wer wir sind, wer wir waren, wer wir sein wollen, um "Goodbye Lenin" zu gucken (jaja, unbedarfter Wessi-Vorschlag) und Kartoffelsalat zu essen oder so was. 

Ähnliche Gedanken haben sich wahrscheinlich die Initiatoren des Wettbewerbes "Erfinde ein Ritual zur deutschen Einheit" gemacht. Den hat das Land Rheinland-Pfalz zusammen mit Medienpartnern und einer Agentur ausgeschrieben. Gewonnen hat ein Mexikaner mit dem Vorschlag, "an verschiedenen Orten zur gleiche Zeit dasselbe Lied zu singen." (Rheinland-Pfalz)

Auf gut Deutsch: heute um 16.30 soll "ganz Deutschland" singen. Leider nicht "Looking vor Freedom" von David Hasselhoff. Und nicht mal die Nationalhymne. 

Sondern, so wünscht es sich die Rheinland-Pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer, die "Ode an die Freude", also die Europahymne. 

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Die kann zu Tränen rühren. Mich zumindest.

Aber: Die "Ode an die Freude" ist kein Hit zum Mitschmettern für musikalisch mittelmäßig begabte Einheits-Enthusiasten. Vielleicht war der Mexikaner, der uns den siegreichen Vorschlag eingebrockt hat, ja noch nie zu Weihnachten in einer deutschen Dorfkirche und hat sich da das sanft verzitterte "Stille Nacht" angehört. Aber ich persönlich sehe das eine oder andere Problem auf uns zukommen. 

Und auch die Zahlen zum Facebook-Event der Aktion "Zusammen singen" machen wenig Hoffnung: Knapp vier Stunden, bevor es losgehen soll, haben 36 Menschen zugesagt und 70 ihr Interesse bekundet (Facebook). Jede vernünftige WG-Party hat mehr Gäste. 

Deshalb ein Vorschlag: Wie wäre es, wenn möglichst viele von uns um 16:30 die "Ode an die Freude" hören? Oder auch "Looking for Freedom"? Und dabei kurz einen Moment darüber nachdenken, was dieser Tag für Deutschland bedeutet, was wir gewonnen haben und was verloren und darüber, wer wir sind, wer wir waren, wer wir sein wollen. Das ist irgendwie deutscher. 

Und man kann es auch mit einem Kater machen. Und  mit Kuchen im Mund.

Today

Jimmy Kimmel attackiert in emotionaler Wutrede die Waffenlobby und feige Politiker
"Die Waffenlobby hat ihre Eier in einer Geldklammer"

US-Moderator Jimmy Kimmel ist eigentlich einer der Spaßvögel des Late-Night-Fernsehens. Doch immer öfter bricht er mit seiner Rolle und richtet sich emotional und aufgelöst an seine Zuschauer. Nachdem am späten Sonntagabend ein Schütze in Las Vegas, Kimmels Heimatstadt, das Feuer auf Konzertbesucher eröffnete und dabei mindestens 59 Menschen starben und Hunderte verletzt wurden, spricht der Moderator deutlich zur Politik und Waffenlobby.