Bild: dpa/ Handout U.S. Navy/AP
6 Antworten auf die drängendsten Fragen.

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Was ist passiert?

Die USA, Frankreich und Großbritannien haben Ziele in Syrien bombardiert. US-Präsident Donald Trump hatte die Angriffe in der Nacht in einer Fernsehansprache angekündigt: Die Angriffe seien die Antwort auf den Einsatz chemischer Waffen durch die syrische Regierung unter Präsident Baschar al-Assad gegen das eigene Volk, sagte Trump.

Dies sind nicht die Taten eines Menschen. Es sind die Verbrechen eines Monsters.
Donald Trump

Am Samstagmorgen amerikanischer Zeit meldete Trump sich zudem auf Twitter zu Wort, bezeichnete die Raketenangriffe als "perfekt ausgeführt" und schrieb: "Mission erfüllt!"

2

Was für Ziele wurden bombardiert?

Bei den Luftschlägen der drei westlichen Staaten handelte es sich offenbar um einen begrenzten Angriff. Es sollen laut USA auch keine weiteren Angriffe folgen. (SPIEGEL ONLINE)

Nach US-Angaben wurden drei Ziele angegriffen, Berichte vor Ort sprachen von mehr als drei. An den Militärschlägen waren Schiffe und Flugzeuge beteiligt. Laut syrischen Beobachtern wurden folgende Ziele bombardiert:

  • Zwei wissenschaftliche Forschungseinrichtungen in Damaskus,
  • eine in Homs,
  • mehrere weitere Militärstützpunkte.
  • Das britische Verteidigungsministeriums bestätigte den Beschuss einer früheren Raketenbasis etwa 24 Kilometer westlich von Homs. Dort sollen Produkte für chemische Kampfstoffe hergestellt worden sein. Der Generalstabschef des US-Militärs, Joseph Dunford, sagte, nahe Homs sei der chemische Kampfstoff Sarin gelagert worden.

Der syrische Bürgerkrieg

Der Bürgerkrieg in Syrien begann im März 2011 mit friedlichen Protesten gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad. Dieser schlug die Aufstände brutal nieder, Tausende wurden in Foltergefängnisse gesperrt. 

Die "Freie Syrische Armee" (FSA) rief zum bewaffneten Kampf gegen Assad auf. Im Chaos etablierten sich bald islamistische Milizen, darunter der "Islamische Staat" (IS), der große Teile Syriens eroberte. Von der FSA blieb fast nichts übrig.

Daraufhin flog ein internationales Bündnis der USA Luftschläge gegen den IS; Russland, der Iran und die libanesische Hisbollah-Miliz unterstützen Assads Armee. Menschenrechtler schätzen, dass bislang Hunderttausende Menschen ums Leben kamen. Knapp die Hälfte der Bevölkerung ist auf der Flucht. Mehr zu Syrien auf bento.

3

Wie reagiert Russland?

Russlands Präsident Wladimir Putin forderte eine Sondersitzung des Uno-Sicherheitsrates.

  • Der Kreml verurteilte den Angriff auf das Schärfste. Der Luftangriff sei ein Akt der Aggression, der die humanitäre Katastrophe in dem Land verschlimmern werde, sagte Putin der Mitteilung zufolge.
  • Der Militärschlag habe einen destruktiven Einfluss auf das gesamte System internationaler Beziehungen. Er kritisierte, dass die USA, Frankreich und Großbritannien nicht abgewartet hätten, bis internationale Inspektoren sich vor Ort ein Bild von der Lage hätten machen können.
  • "Wir sind wieder bedroht worden", hieß es in einer Erklärung des russischen Botschafters in Washington, Anatoli Antonow, auf Twitter.
  • "Wir haben gewarnt, dass solche Aktionen nicht ohne Konsequenzen sein werden." Alle Verantwortung dafür hätten nun die Regierungen in Washington, London und Paris zu tragen.
  • Syrien kritisierte einen Verstoß gegen internationales Recht. "Einmal mehr bestätigen die USA und die Achse zur Unterstützung des Terrors, dass sie gegen internationales Recht verstoßen, über das sie bei den Vereinten Nationen prahlerisch reden", meldete die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana.
  • Auch Iran, weitere Schutzmacht Assads, verurteilte die Angriffe als klaren Verstoß gegen internationale Vorschriften.

Wurde Russland gewarnt?

Offenbar nicht - abgesehen natürlich von Trumps martialischen Tweets, in denen er die Russen vor Bombenangriffen auf Syrien gewarnt hatte.

Nach amerikanischen Angaben sei Russland nicht über die genauen Ziele informiert worden. Unmittelbar vor dem Angriff habe es lediglich Kommunikation über den regulären Kanal zwischen dem russischem und amerikanischem Militär zur Vermeidung von Zwischenfällen über Syrien gegeben. Russland unterstützt Assad im Bürgerkrieg gegen syrische Rebellengruppen – und fliegt beispielsweise ebenfalls Luftangriffe auf Ziele in Syrien.

4

Wie reagiert Merkel?

Die Bundesregierung befürwortet die westlichen Angriffe auf Syrien. (SPIEGEL ONLINE)

Der Militäreinsatz war erforderlich und angemessen, um die Wirksamkeit der internationalen Ächtung des Chemiewaffeneinsatzes zu wahren und das syrische Regime vor weiteren Verstößen zu warnen.
Angela Merkel

5

Was war der Grund für den Angriff?

Begonnen hatte die Eskalation mit einem mutmaßlichen Giftgasangriff auf die letzte damals noch von Rebellen kontrollierte Stadt Duma. Die liegt in der Region Ost-Ghuta. Dabei sollen der Hilfsorganisation Weißhelme zufolge mindestens 42 Menschen getötet worden sein.

Mehr als 500 Personen wurden demnach in Krankenhäusern behandelt. Die USA, Frankreich und Großbritannien machen Assad für den Angriff verantwortlich. Es gebe Beweise für den Einsatz von Chemiewaffen, sagten Macron und Trump.

6

Haben die USA erstmals so auf einen mutmaßlichen Angriff mit Chemiewaffen reagiert?

Nein, es ist das zweite Mal, dass die USA und Präsident Trump die Assad-Regierung direkt angreifen. Das US-Militär hatte vor einem Jahr die Luftwaffenbasis Schairat beschossen. Das war eine Reaktion auf den Giftgasangriff mit Dutzenden Toten auf die Stadt Chan Scheichun, für den UN-Experten die Regierung Assads verantwortlich machten. Das Eingreifen der USA galt aber weitgehend als symbolisch – so ist es auch dieses Mal.


Mit Material von dpa


Today

AfD beschäftigt Mitarbeiter mit Verbindungen nach ganz Rechts
Es gibt Kontakte zu "Identitären" und Burschenschaften.

Die Abgeordneten der AfD und die AfD-Fraktion im Bundestag beschäftigen aktuell rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wer da genau arbeitet, ist meist nicht öffentlich. Denn während viele Abgeordnete anderer Parteien ihre Mitarbeiter auf Homepages vorstellen, oft mit Fotos, schweigen viele AfD-Abgeordnete dazu lieber.

Offenbar aus gutem Grund: Eine Recherche zeigt nun, dass die AfD Personal mit Verbindungen zu Rechtsradikalen beschäftigt. Darunter sind junge Mitarbeiterinnen mit Kontakten zu "Identitären" und Burschenschaften.

"Netzwerk AfD" heißt die Recherche der "taz", der Zeitschrift "Der rechte Rand" und des antifaschistischen Archivs apabiz. Gefördert wurde das Projekt von der Otto-Brenner-Stiftung. Genannt werden die Namen der Abgeordneten, die Mitarbeiter bleiben anonym. (taz)