Bild: Manish Swarup/AP/dpa

Seit mehr als sieben Wochen kämpft die türkische Armee in Syrien. Unter dem Kommando des türkischen Präsidenten Erdogan geht das Militär im umkämpften Nachbarland brutal gegen Kurden vor. Erst vor wenigen Tagen nahmen die Türken die Stadt Afrin ein, Hochburg der Kurden in Syrien. (bento

Nun hat Frankreichs Präsident Macron sich mit den kurdischen Kämpfern der Syrischen Demokratischen Kräfte, SDF, getroffen und ihnen seine Unterstützung zugesagt. Bei seinem Empfang in Paris nannte der die Rolle der SDF "entscheidend" im Kampf gegen den IS. Zuvor hatte Frankreich kurdische Kämpfer in der Region mit Waffen ausgestattet und eigene Spezialkräfte stationiert. (Tagesschau)

Der türkische Vizeministerpräsident nannte die französische Hilfszusage "irrational" und drohte, dass Verbündete der Kurden ebenfalls "zum Ziel der Türkei werden könnten". Der türkische Präsident Erdogan sprach davon, dass Frankreich sich "mit Terroristen ins Bett" lege. (SPIEGEL ONLINE)

Worum geht es beim Konflikt zwischen der Türkei und syrischen Kurden?

Die Stadt Afrin ist die letzte Hochburg kurdischer Verbände im Nordwesten von Syrien. Kurden haben schon immer in Syrien gelebt, viele Jahrzehnte wurden sie dort unterdrückt. Seit mehreren Monaten nutzen sie das Chaos im Syrienkrieg, um sich im Norden eigene Landstriche zu erobern – ihr Ziel ist ein Staat im Staat, ähnlich der Autonomieregion im Nordirak.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sieht in den Kurden eine Bedrohung. Die kurdische Arbeiterpartei PKK ist in der Türkei verboten und wird international als Terrorgruppe betrachtet. Da die PKK Milizen in Syrien unterstützen soll, hat Erdogan die Armee losgeschickt, um selbst in Syrien einzugreifen. Die "Operation Olivenzweig" genannte Mission dient jedoch weniger dem Schutz und mehr nationalistischen Zwecken. 

Die Offensive ist umstritten: Die Kurden sind offiziell mit den USA verbündet und bekämpfen in Syrien islamistische Milizen. Gleichzeitig sind die USA aber auch mit der Türkei verbündet.

Wer alles am Syrienkrieg beteiligt ist:

ASSAD-REGIME. Baschar al-Assad lässt Oppositionelle verfolgen und foltern, seine Armee setzt Fassbomben und Giftgas gegen Rebellen und Zivilisten ein. Eigene Soldaten hat er kaum noch, es kämpfen Milizen aus Iran und Libanon. Gegner: Rebellen, Türkei
REBELLEN. Früher vor allem moderate Freiheitskämpfer, zum Beispiel die "Freie Syrische Armee". Heute vor allem radikale Gruppen wie Ahrar asch-Scham. Fast besiegt, es gibt noch Stellungen in Idlib und nahe der Hauptstadt Damaskus. Gegner: Assad-Regime, Russland, Iran
ISLAMISTEN. Sie hatten sich früh im Chaos breit gemacht und viele Rebellengruppen übernommen. Al-Qaida und der IS hatten zum Teil große Gebiete erobert und dort die Zivilbevölkerung unterdrückt. Gegner: alle
RUSSLAND. Besitzt einen Militärhafen in Tartus und damit den einzigen russischen Zugang zum Mittelmeer. Präsident Wladimir Putin will Assad um jeden Preis unterstützen, um seine eigene Macht im Nahen Osten auszubauen. Gegner: Islamisten, Rebellen
IRAN. Wichtigster Unterstützer Assads, will so den schiitischen Einfluss in der Region stärken. In Syrien mit Elitesoldaten aus Iran und Afghanistan aktiv, vor allem für den Bodenkampf verantwortlich. Gegner: Rebellen, Islamisten, Israel, USA
TÜRKEI. Wollte früher Assads Macht eindämmen und hat Islamisten beim Grenzschmuggel geholfen. Heute selbst militärisch im Land aktiv, um den Erfolg der Kurden einzudämmen. Gegner: Assad-Regime, Kurden
USA. Führt die internationale Koalition gegen den IS und andere Islamisten an, fliegt ohne Erlaubnis Assads Luftangriffe in Syrien. Gerät immer wieder in Konflikt mit Russland und Iran. Gegner: Islamisten, zum Teil Iran und Russland
KURDEN. Lange unterdrückt, haben sich in Nordsyrien ein autonomes Gebiet erobert. Stärkster Verbündeter des Westens gegen den IS, mittlerweile aber mit dem Nato-Land Türkei verfeindet. Gegner: Islamisten, Türkei
ISRAEL. Fliegt immer wieder Luftangriffe gegen Assad-Stellungen, will den Einfluss von Iran und der Hisbollah aus dem Libanon verhindern. Gegner: Assad-Regime, Iran, Hisbollah, Türkei
HISBOLLAH. Schiitische Miliz aus dem Libanon, von Assad zu Hilfe gerufen. Hisbollah-Soldaten haben in Syrien Rebellen zurückgedrängt und eigene Gebiete erobert. Gegner: Rebellen, Islamisten, Israel
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Wie steht Deutschland zu dem Konflikt? 

  • Vor Macron hatte bereits die deutsche Kanzlerin Angela Merkel im Rahmen ihrer Regierungserklärung die Türkei kritisiert: "Bei allen berechtigten Sicherheitsinteressen der Türkei ist es inakzeptabel, was in Afrin passiert, wo Tausende und Abertausende von Zivilisten verfolgt sind, zu Tode kommen oder flüchten müssen." Das Statement steht in Konflikt mit der Tatsache, dass die türkische Armee bei ihrem Vormarsch nach Afrin unter anderem von Deutschland gelieferte Panzer einsetzte. (bento)
  • Der Konflikt zwischen Kurden und Türken schwappt immer mehr nach Europa: In Deutschland gab es beispielsweise in den vergangenen Wochen mehrere Brandanschläge auf türkische Gemeinden und Moscheen, die die Polizei kurdischen oder mit Kurden sympathisierenden Linksextremen zuschreibt. (bento
  • Die der kurdischen Arbeiterpartei PKK nahestehende Seite "Nûçe Ciwan" ("Radikaler junger Blick") hat zu Angriffen auf türkische Einrichtungen sowie auf Büros von SPD und CDU aufgerufen. Die Parteien der Großen Koalition sehen sie als mitverantwortlich im Konflikt um Afrin – weil sich Deutschland ebenfalls im Syrienkrieg beteiligt.

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