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Sechs Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Die 14-jährige Susanna ist tot, laut Polizei wurde sie vor ihrem Tod vergewaltigt. Es gibt einen Tatverdächtigen: Ali B.

Nach Angaben der irakischen Polizei soll er den Mord bereits gestanden haben. Das berichten die Bild-Zeitung und die kurdische Nachrichtenseite Rudaw.

Susannas Tod erregt weitaus mehr Aufsehen als andere Morde. Dafür gibt es genau einen Grund: Ali B. ist ein Asylbewerber. Sein Asylantrag war abgelehnt worden, allerdings war das Verfahren noch nicht abgeschlossen. Er durfte in Deutschland bleiben, weil sein Anwalt Einspruch eingelegt hatte.

Plötzlich soll es nicht mehr um den einen Fall gehen, sondern um die deutsche Flüchtlingspolitik.

Die Bild-Zeitung fordert, dass die Bundesregierung sich bei Susannas Eltern entschuldigen müsse. Ali B. sei schließlich ein abgelehnter Asylbewerber. "Wenn er abgeschoben worden wäre, würde sie noch leben", lautete die Überschrift auf der ersten Seite der Bild-Zeitung.

Politiker verschiedener Parteien drängen, dass die Umstände der Tat schnell aufgeklärt werden. AfD-Chefin Alice Weidel fordert gar den Rücktritt der Bundesregierung.

Die Wut über den Mord an Susanna, so scheint es, lässt es nicht mehr zu, den Fall halbwegs rational zu betrachten. Klar ist: Rückschlüsse auf ganze Menschengruppen lässt Susannas Tod nicht zu. Verantwortlich ist vor allem: der Mörder.

Trotzdem ist es wichtig, die Fakten genau zu betrachten. Denn der Fall könnte möglicherweise Ermittlungspannen aufzeigen oder verspätetes Handeln einzelner Behörden sichtbar machen – wenn es das alles denn gegeben hat. Hier ist das, was derzeit über den Fall wissen, im Überblick:

1

Was wissen wir über die Tat?

  • Die 14-jährige Susanna F. aus Mainz war vor zwei Wochen verschwunden.
  • Sie wurde laut Polizei vergewaltigt und getötet.
  • Die Ermittler fanden ihre Leiche neben Bahngleisen am Rande eines Gewerbegebietes im Südosten Wiesbadens.
  • Sie war vergraben und mit Zweigen bedeckt worden.
  • Susanna starb demnach an "Gewalteinwirkung auf den Hals".

2

Wie lief die Suche?

Susannas Mutter, Diana F., hatte wochenlang nach ihrer Tochter gesucht. Auf Facebook dokumentierte sie ihre Verzweiflung: "Ich bete und hoffe nur, dass ihr nichts Schlimmes zugestoßen ist."

Die Ereignisse im Verlauf:

  • Diana F. meldete ihre Tochter laut Polizei am 23. Mai in Mainz als vermisst.
  • Am 29. Mai bekam Susannas Mutter offenbar von einer Bekannten den Hinweis, dass ihre Tochter tot an einem Bahngleis liege. Die Polizei konnte aber die Hinweisgeberin zunächst nicht befragen, weil sie auf "Kurzurlaub mit ihrer Mutter" gewesen sei.
  • Am 30. Mai übernahm die Polizei in Wiesbaden den Fall, veranlasste eine Handyortung, ging an die Öffentlichkeit. Zuvor hätte es "zahlreiche Abklärungen" zwischen den Dienststellen gegeben, sagte der Polizeipräsident auf einer Pressekonferenz.
  • Am 1. Juni veröffentlichte ihre Mutter Diana F. einen zweiten "Hilferuf" bei Facebook, er richtete sich an Angela Merkel. Die Mutter übte schwere Kritik an der Polizei. Die Ermittler hätten fünf Tage nichts getan, nur dank ihrer Rechtsanwältin sei Susannas Handy geortet und eine öffentliche Fahndung eingeleitet worden. (SPIEGEL ONLINE)
  • Der entscheidende Hinweis kam dann von einem 13-jährigen Flüchtling. Er berichtete der Polizei, dass Ali B. und ein Komplize  Susanna vergewaltigt und getötet hätten. Das habe ihm B. gesagt. Auch den Ort der Vergewaltigung nannte er.

3

Was wissen wir über den oder die Täter?

  • Die deutsche Polizei hatte zunächst einen 35-Jährigen festgenommen. Er ist inzwischen wieder frei, weil nach Angaben der Staatsanwaltschaft Wiesbaden kein dringender Tatverdacht mehr gegen ihn besteht.
  • Der 20-jährige Ali B. hingegen hatte sich mit seiner Familie in den Irak abgesetzt.
  • Sie flogen mit Tickets unter falschem Namen.
  • In der Nacht zum Freitag wurde Ali B. im Nordirak von kurdischen Sicherheitsbehörden festgenommen.
  • Laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung hat der 20-Jährige die Tat nun gestanden. Diese Darstellung deckt sich mit einem Bericht der kurdischen Nachrichtenseite Rudaw. Demnach habe Susanna versucht, die Polizei anzurufen, was Ali B. dann zu der Tat veranlasst habe.

4

Wie lebte Ali B. in Wiesbaden?

  • Er handelte dort offenbar mit Drogen, trat großspurig auf. Das sagten Menschen, die mit B. in der Wiesbadener Flüchtlingsunterkunft wohnten, SPIEGEL ONLINE.
  • Ali B. lebte in der Unterkunft mit fünf Geschwistern und seinen Eltern.
  • Der Polizei war B. wegen vier Delikten aufgefallen: Er soll er an einer Schlägerei beteiligt gewesen sein und er soll eine Stadtpolizistin bespuckt und tätlich angegriffen haben. Einige Tage später soll er einen Mann mit einem Messer bedroht und beraubt haben. Außerdem berichtete ein 11-jähriges Mädchen, ein Mann namens Ali habe sie vergewaltigt. Die Ermittlungen verliefen im Sande, ob Ali B. der Täter war, ist nicht klar.

5

Durfte er überhaupt noch in Deutschland sein?

Ja.

  • Den Ermittlern zufolge kam er im Oktober 2015 nach Deutschland.
  • Sein Asylantrag sei am 30. Dezember 2016 abgelehnt worden.
  • Ali B.s Anwalt reichte Klage ein, wegen des laufenden Verfahrens durfte der 20-Jährige vorerst bleiben.

6

Wie geht es weiter?

  • Inzwischen ist Ali B. wieder in Deutschland.
  • Bundespolizisten hatten ihn am Samstag an Bord einer Lufthansa-Maschine aus der nordirakischen Stadt Erbil zurück nach Deutschland gebracht. 
  • In Wiesbaden war er die Nacht über in Gewahrsam, nachdem ihn ein Polizeihubschrauber am Frankfurter Flughafen abgeholt hatte.
  • Am Sonntag wird Ali B. einer Haftrichterin vorgeführt.

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