Bild: Beth Dubber/Netflix

Die im Frühjahr gestartete Netflix-Serie "Tote Mädchen lügen nicht" polarisiert wie kaum eine andere: Ein Mädchen begeht Selbstmord und dokumentiert den Weg dorthin auf Audiokassetten. 

Fans feiern die Serie dafür, dass sie das tabuisierte Thema Suizid unter Jugendlichen behandelt – Kritiker befürchten, dass sie mehr junge Menschen in den Selbstmord treiben könnte. (bento)

Eine neue Studie will jetzt herausgefunden haben, dass die Serie tatsächlich das Interesse an Suiziden erhöht. 

Und zwar deutlich: Google-Suchanfragen zum Thema Suizid seien nach dem Start der Serie um 20 Prozent gestiegen, sagt ein Forschungsteam in den USA. Die Ergebnisse präsentierten sie in der Zeitschrift "JAMA Internal Medicine".

Das Team um den Epidemiologen John W. Ayers von der San Diego State University in Kalifornien untersuchte mit dem Google-Programm Google Trends die ersten 19 Tage nach Serienstart am 31. März

Da Suchanfragen bei Google stets Schwankungen unterliegen und es dadurch schwierig ist, eindeutige Trends abzulesen, haben die Forscher einen Vergleichszeitraum erstellt. Dafür analysierten sie mithilfe des  stochastischen ARMA-Modells die Zeit vom 15. Januar bis 30. März 2017 – also vor dem Start der Serie

Insgesamt soll es in dem Untersuchungszeitraum 900.000 bis 1,5 Millionen mehr Suchanfragen gegenüber dem Vergleichszeitraum gegeben haben. 17 der 20 verbreitetsten Suchwortkombinationen sollen vermehrt eingegeben worden sein:

  •  "how to commit suicide" (plus 26 Prozent)
  • "suicide prevention" (plus 23 Prozent)
  • "commit suicide hotline" (plus 18 Prozent)
  • "suicide hotline" (plus 12 Prozent)

Ayers interpretierte seine Ergebnisse als klaren Hinweis, dass die Serie zur Nachahmung motiviere:

Die Serie könnte viele dazu inspiriert haben, nach Suizidmethoden zu suchen, um ihre Gedanken in die Tat umzusetzen.
John W. Ayers

Zwar zeigt die Studie nicht einen tatsächlichen Anstieg an Selbstmorden. Dennoch ziehen die Forscher Bezüge zwischen dem Suchverhalten online und Taten in der Wirklichkeit.

"Unsere Studie zeigt uns, was Menschen denken und wann sie es denken. Der Akt des Suchens selbst bringt die Person einen Schritt näher zum Handeln. Onlinesuchen können Offlineverhalten oft vorhersagen", sagt Ayers gegenüber Global News

Die erhöhten Suchanfragen nach "Tote Mädchen lügen nicht" passen zum sogenannten Werther-Effekt. 

Der Name geht auf eine Reihe von Selbsttötungen nach Veröffentlichung von Goethes "Die Leiden des jungen Werthers" zurück. Studien wie diese von der University of Pennsylvania zeigen, dass sich suizidgefährdete Menschen durch Medienkonsum quasi mit den Gedanken anderer Betroffener "anstecken" können. 

Suizid - Hilfe in scheinbar ausweglosen Lebenslagen

Kreisen deine Gedanken darum, dir das Leben zu nehmen? Rede mit anderen Menschen darüber. Per Chat, Telefon, E-Mail oder im persönlichen Gespräch. Hier findest du - auch anonyme - Hilfsangebote in scheinbar ausweglosen Lebenslagen.

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt, dass Medienberichte über Suizide diese fördern können. Medien sind daher angehalten, nicht detailliert über den Hergang der Selbsttötung zu berichten. 

Die Macher der Serie haben sich daran nicht gehalten: Sie zeigen am Ende gar die drastische Selbsttötung der Protagonistin Hannah Baker. Wie die Bild berichtete, fordern deutsche Ärzte daher ein Verbot der Serie. Und auch das Fazit des Forschers Ayer geht in diese Richtung:

Die Serie sorgt zu hundert Prozent zu mehr Schaden als Nutzen. Sie sollte offline genommen werden.
John W. Ayers
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