Wissenschaftler glauben, wir geben uns je nach Sprache ganz anders.

Wer schon einmal für ein paar Monate im Ausland war, kennt es: Wir kommen als andere Menschen zurück. Egal, ob wir nur froh sind, zurückzukehren oder danach alles langweilig wirkt – die Zeit in der Ferne verändert uns.

Das liegt keineswegs nur an den günstigen Cocktails, der warmen Abendsonne oder den Knutschereien auf der Erasmus-Party – sondern oft auch direkt an der Sprache. Das vermuten zumindest Wissenschaftler aus den USA. Denn wenn es stimmt, was sie sagen, verändern wir mit jeder neuen Sprache auch unsere Persönlichkeit. (QZ)

Wie haben die Wissenschaftler das herausgefunden?

"Wir können die Sprache nicht von den kulturellen Werten trennen, die sie mit sich bringt", sagt die Psychologin Nairan Ramírez-Esparza, die sich an der Universität von Connecticut mit dem Thema beschäftigt und mit dem Magazin "Quartz" darüber gesprochen hat. "Wir definieren uns selbst über die kulturellen Vorstellungen der Sprache, die wir gerade sprechen", sagt sie.

Um diese These zu bestätigen, hat sie US-Amerikaner mit mexikanischen Wurzeln einen Persönlichkeitstest machen lassen. Und zwar zwei Mal: Einmal auf Englisch und einmal auf Spanisch. Die Fragen orientierten sich dabei am Big-Five-Modell aus der Persönlichkeitspsychologie. In einer weiteren, noch nicht veröffentlichten Untersuchung ließ sie ihre Probanden dann sich selbst für fünfzehn Minuten beschreiben.

Dabei zeigten sich erneut große Unterschiede: Während die Teilnehmer auf Englisch vor allem über ihre persönlichen Erfolge sprachen, konzentrierten sie sich in den spanischsprachigen Gesprächen viel stärker auf ihre familiären Wurzeln und Werten.

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Warum verändern uns neue Sprachen so?

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich das Verhalten und die Themen verändern, weil wir mit jeden jeweiligen Sprachen andere Vorstellungen und Erwartungen verbinden. "Unsere Identität beruht nicht nur darauf, wie wir uns selbst einschätzen, sondern auch darauf, wie wir denken, dass andere uns wahrnehmen", sagt Carolyn McKinney, die als Professorin für Sprachwissenschaften und Literatur an der Universität Kapstadt forscht und ebenfalls mit Quartz über das Thema gesprochen hat.

Konkret heißt das: Auch wenn wir in unserer Muttersprache selbstbewusst und mutig sind, kann es uns völlig verunsichern, wenn wir in eine neue Sprache wechseln müssen und in dieser neue, möglicherweise negative Erlebnisse haben. Dabei geht es nicht nur um die sprachlichen Fähigkeiten (die mit der Zeit meist besser werden), sondern auch um die sozialen und gesellschaftlichen Erfahrungen, die wir in einer neuen Sprache machen.

Unsere Identität beruht nicht nur darauf, wie wir uns selbst einschätzen, sondern auch darauf, wie wir denken, dass andere uns wahrnehmen.
Carolyn McKinney, Professorin an der Universität Kapstadt
Was bedeutet das?

Ramírez-Esparza und ihre Kollegen meinen, wie wir eine neue Sprache nutzen und wie sie uns prägt, hängt stark davon ab, wie und wo wir sie lernen.

  • Tun wir uns lange schwer, auf Italienisch ein ernsthaftes Gespräch zu führen, werden wir uns in dieser Sprache vielleicht immer schüchterner und beobachtender verhalten, als wir das in einer Unterhaltung auf deutsch tun würden.
  • Und nach einem Spanisch-Kurs in Sevilla werden wir vermutlich ganz andere Erfahrungen haben, als nach einem Semester mit ähnlich ahnungslosen an unserer Uni zuhause.

Um die Welt und unsere eigene Persönlichkeit zu entdecken, müssen wir uns also noch immer selbst auf den Weg machen.

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