Die drei wichtigsten Fragen beantwortet

Eng anliegende Retroshorts, knappe Slips oder doch weite Boxershorts? Viele Männer haben sich bei der Wahl ihrer Unterhosen für eine Form entschieden – und bei der bleiben sie meist. US-Forscherinnen und Forscher haben sich nun einmal angeschaut, wie sich die Wäsche-Wahl auf die Spermien der Männer auswirkt.

Das Ergebnis: Männer, die häufig Boxershorts tragen, haben mehr Spermien als solche mit enger sitzenden Unterhosen. Das berichtet das Team um Lidia Mínguez-Alarcón von der Harvard T.H. Chan School of Public Health in der Fachzeitschrift "Human Reproduction". 

Was genau sind die Ergebnisse der Studie?

  • Bei Männern mit Boxershorts sei die Spermienkonzentration höher, ebenso wie der Anteil an schwimmenden Spermien, schreiben die Wissenschaftler. 
  • Die Träger enger Unterwäsche hingegen zeigten in ihrem Blut eine vergleichsweise hohe Konzentration des sogenannten follikelstimulierenden Hormons (FSH), das die Spermienproduktion anregt. Das könnte eine Reaktion des Körpers auf die verringerte Spermienproduktion bei den Freunden enger Unterwäsche sein, nehmen die Forscher an.
  • Im Vergleich zu Männern, die andere Unterhosen bevorzugten, hatten die Boxershort-Träger 17 Prozent mehr Spermien, 33 Prozent mehr schwimmende Spermien, eine höhere Spermienkonzentration und geringere Werte von FSH. 
  • Besonders groß sei der Konzentrationsunterschied zwischen Boxershort-Trägern und Männern mit sehr eng anliegenden Unterhosen gewesen. 

Wie lief die Studie ab?

Mínguez-Alarcón und ihre Kolleginnen und Kollegen untersuchten für die Studie mehr als 650 Männer aus Paaren, die wegen eines unerfüllten Kinderwunsches eine Klinik aufsuchten und deren Spermienkonzentration sich dennoch im Normalbereich bewegte. Sie befragten die Männer, welche Art von Unterhose sie üblicherweise trugen – etwa die Hälfte waren Boxershorts-Träger – und analysierten typische Werte männlicher Fruchtbarkeit. 

Was lässt sich aus der Studie schließen?

Mit der Studie ist es zwar nicht möglich, direkt zu beweisen, dass enge Unterhosen eine Ursache für eine geringere Spermienzahl sind. Die Autoren verweisen jedoch darauf, dass frühere Analysen zu ähnlichen Ergebnissen gekommen seien. Bei einer davon hätten zwei Probanden jeweils monatelang enge und ebenso lang weite Unterhosen getragen.

"Die Studie gibt einen Hinweis darauf, wie Männer mit Fertilitätseinschränkungen vielleicht günstigen Einfluss auf ihre Fruchtbarkeit nehmen können", meint Sabine Kliesch, Chefärztin der Abteilung für Klinische und Operative Andrologie am Universitätsklinikum Münster. "Allerdings bewegen sich alle gemessenen Veränderungen im Normbereich. Man sollte diese Befunde also nicht überbewerten." Vor allem weist Kliesch darauf hin: "Man darf ganz sicher nicht den Umkehrschluss machen, dass das Tragen von Nicht-Boxershorts zur Unfruchtbarkeit führt!"

Ähnlich äußert sich auch Florian Wagenlehner, Direktor der Klinik für Urologie, Kinderurologie und Andrologie am Universitätsklinikum Gießen und Marburg: 

"Untersuchungen zeigen eine Abnahme der Spermienqualität bei Männern in der westlichen Welt über die letzten Jahrzehnte. Mögliche Ursachen sind die Ernährung, ein erhöhter Body-Mass-Index, aber auch eine erhöhte Temperatur des Hodensacks." 

Die optimale Betriebstemperatur des Hodens liegt einige Grad unter der Körperkerntemperatur. 

Viele dieser Einflussfaktoren, wie das Gewicht und Alter der untersuchten Männer, ob sie jemals geraucht haben oder ihre Liebe zu heißen Bädern wurden in der Studie beachtet. Sie beeinflussen deren Aussage also nicht. Andere Faktoren wie etwa die Art der Überhosen, die die Männer am liebsten tragen, wurden aber nicht untersucht, etwa ob diese sehr eng sind. 

Die Autoren verweisen auch darauf, dass sie Probanden aus Fruchtbarkeitskliniken ausgewählt hatten. "Diese Studie kann einen Hinweis geben, dass es in der Beratung dieser Männer sinnvoll ist, auf die Möglichkeit einer negativen Beeinflussung der Fruchtbarkeit durch zu enge Unterhosen hinzuweisen und gegebenenfalls weite Unterhosen zu empfehlen", so Wagenlehner. 

Mit Material von dpa


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