Bild: Paula May via Unsplash
Klären wir das, ein für alle mal.

Ohne dicke Socken geht nichts. Die Zehen frieren trotzdem ständig, eigentlich sehnen wir uns den ganzen Winter nach Wolldecke und Wärmflasche. 

Ist das normal, wenn man immer kalte Füße hat oder kann das ein ernstes Problem sein? 

Und vor allem: Was hilft dagegen? 

Wir haben Prof. Dr. Sigrid Nikol gefragt. Sie ist Gefäßmedizinerin und Chefärztin an der Asklepios Klinik St. Georg in Hamburg.

Klären wir das – ein für alle Mal

In dieser Rubrik beantworten wir kleine Fragen des Alltags. Wenn du auch gerne eine beantwortet hättest, schreib uns an fuehlen@bento.de.

Wann sind kalte Füße normal?

"Wichtig ist die Unterscheidung, ob die Füße nur gelegentlich kalt sind oder ob dies dauerhaft der Fall ist“, sagt Nikol. Bei einem dauerhaften Problem sollte man zum Arzt gehen – das gilt übrigens auch bei ständig kalten Händen, die meist die gleichen Ursachen haben. "Wir führen verschiedene Tests mit Kälte und Wärme durch, nehmen Blut ab und messen Durchblutungsdruck“, erklärt Nikol.

"So stellt man relativ schnell und sicher fest, ob ein ernstzunehmendes Problem vorliegt, oder nur ein vorübergehend auftretendes, meist ausgelöst durch Kälte."

Was können wir gegen kalte Füße tun?

Ein paar Dinge haben wir selbst in der Hand, um unsere Füße aufzuwärmen: „Sehr wichtig ist es, Sport zu treiben und sich viel zu bewegen“, sagt Nikol. „Wenn man den ganzen Tag nur sitzt, sinkt der Blutdruck und reduziert sich der Blutfluss – und dies wirkt sich dann auf die Durchblutung der Füße aus.“ Also: zwischendurch immer mal vom Schreibtisch aufstehen und herumlaufen, vielleicht auch öfter mal ins Fitnessstudio oder joggen gehen. "Auch übereinandergeschlagene Beine können die Gefäße abklemmen und so zu Durchblutungsstörungen führen“, sagt die Ärztin.

Wer friert besonders oft an den Füßen?

Frauen haben viel öfter kalte Füße als Männer, das ist nicht nur ein Klischee. Grundsätzlich frieren Frauen mehr als Männer, das liegt unter anderem am unterschiedlichen Anteil von Muskelmasse, die für Wärme im Körper sorgt. Und: Der weibliche Organismus konzentriert sich bei der Verteilung der Wärme auf die Körpermitte – Füße, Hände und auch Ohren werden eher vernachlässigt (Planet Wissen). Frauen sind hier also grundsätzlich im Nachteil und müssen mehr darauf achten, die Füße im Winter gut einzupacken.

Außerdem sind Raucher eine Risikogruppe, im Alter steigt die Gefahr von Gefäßerkrankungen, die für schlechtere Durchblutung der Füße sorgen. "Und verschiedene Autoimmunerkrankungen können dazu führen, dass die Füße weniger durchblutet und dadurch kälter sind." Gleichzeitig sind kalte Füße oft eins der ersten Anzeichen für eine Autoimmunerkrankung. Wenn Sport, Zigarettenverzicht und dicke Socken nicht mehr helfen, könnte man also schon mal beim Arzt vorbeischauen. 

Sind dicke Socken gut oder kontraproduktiv?

Die spontane Reaktion bei kalten Füßen: dick einpacken und für Wärme von außen sorgen. Auch aus ärztlicher Sicht ist das hilfreich: "Es gehört immer zur Therapie der kalten Füße aufgrund von funktionellen oder dauerhaften Durchblutungsstörungen dazu, die Füße warmzuhalten.“ Also vor allem im Winter dicke Socken und gefütterte Schuhe anziehen. "Bei besonders schweren Fällen empfehlen wir sogar Wärmeelemente für Stiefel und Handschuhe.“ Außerdem sollten wir die frierenden Füße nicht hochlegen, denn so fließt noch weniger Blut in sie hinein. "Bei Gefäßverschlüssen mit schweren Durchblutungsstörungen ist es wichtig, die Füße nach unten hängen zu lassen“, sagt Nikol.

Wann riskieren wir Erfrierungen?

Vielleicht behaupten wir im Winter manchmal, dass uns gleich die Zehen abfrieren – aber meistens fühlt es sich nur so an und wir übertreiben etwas. Doch theoretisch kann das bei Durchblutungsproblemen wirklich passieren: "Wenn zu wenig Blut in die Füße fließt, kann es bei Kälte leichter zu Erfrierungen kommen“, erklärt die Professorin. Das Blut würde die Zehen von innen wärmen, die dicken Stiefel von außen.

Wenn beides fehlt, dann sieht es schlecht aus. "Das Gewebe beginnt, von außen abzusterben. Leichtgradige Erfrierungen können nach vorsichtiger Zuführung von Wärme abheilen, ohne dass ein Schaden zurückbleibt“, sagt Nikol. 

„Dauert die Kälte lange an, kann es aber sogar zum Zehenverlust kommen.“
Prof. Dr. Sigrid Nikol

Welche Ursachen können kalte Füße noch haben?

"Ich selbst behandle in diesem Zusammenhang vor allem Patienten mit Gefäßdurchblutungsstörungen – bei ihnen kommt zu wenig Blut in den Füßen an“, sagt Nikol. Das kann entweder durch sogenannte funktionelle Durchblutungsstörungen kommen, die vorübergehend sind und sich wieder legen. Aber es gibt auch fixierte Durchblutungsstörungen, die dauerhaft anhalten:

„Bei älteren Patienten kann es durch Verkalkung zu Gefäßverschlüssen kommen, bei jungen Menschen sind es eher entzündliche Reaktionen auf Nikotin.“
Prof. Dr. Sigrid Nikol

Auch Menschen mit Diabetes oder dialysepflichtige Patienten frieren besonders häufig an den Füßen. Dann gibt es noch Neuropathien, bei denen die Füße gar nicht wirklich kalt sind, sondern sich nur so anfühlen – das wäre ein Fall für den Neurologen.

Aber die meisten Fälle von "Eisfuß" lassen sich nach wie vor über Bewegung und dicke Socken in den Griff kriegen. 


Fühlen

Wenn Heterosexuelle behandelt würden wie Schwule und Lesben
"Ich wollte schon immer eine heterosexuelle Freundin!"

"Ich hab ja nichts gegen euch, aber müsst ihr das wirklich so zur Schau stellen?" – Sätze wie diesen hat fast jeder queere Mensch schon gehört. 

Aber neben offener Diskriminierung oder Beleidigungen sind es oft die kleinen, unüberlegten, klischeegeladenen Aussagen, die Schwulen und Lesben das Leben schwer machen – oder einfach nur nerven. 

Schon klar, die meisten heterosexuellen Menschen bezeichnen Schwule und Lesben nicht mit böser Absicht als "bunte Vögel" oder stellen Fragen wie: "Wer ist bei euch eigentlich die Frau und wer der Mann?" (Überraschung, dieses Geschlechterverhältnis gibt es in homosexuellen Beziehungen nicht). 

Trotzdem verstehen die wenigsten, dass queere Menschen solche Fragen stören – und dass sie auch oftmals ziemlich respektlos sind. 

Aber wie wäre es, wenn Heterosexuelle behandelt würden wie Schwule und Lesben? 

Das erfahrt ihr im Video oben.