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Das Wichtigste in vier Punkten

Es klingt gruselig in so vielerlei Hinsicht: Spotify ist eine Kooperation mit einer DNA-Analyse-Agentur eingegangen und bietet jetzt Playlists auf Basis deiner Gene an (ancestry.com). Was dahinter steckt. 

Wie will Spotify eine Playlist auf DNA-Basis erstellen?

  • Der Kooperationspartner von Spotify ist Ancestry. Das ist einer dieser Anbieter von DNA-Analysen, wie auch MyHeritage oder 23andMe, die ihren Kunden mithilfe einer eingesendeten Speichelprobe aufzeigen wollen, was ihre wahre Herkunft ist: zu wie viel Prozent ist jemand mitteleuropäisch, nordafrikanisch, skandinavisch und so weiter (SPIEGEL ONLINE).
  • Das Geschäft an sich ist schon ziemlich zweifelhaft, jetzt ist auch noch Spotify eingestiegen. Wer eine DNA-Analyse bei Ancestry macht, bekommt dann auch eine Playlist bei Spotify zusammengestellt mit Musik aus seinen Herkunftsländern (ancestry.com).
  • Kommt bei der DNA-Analyse also zum Beispiel raus, dass du zu 13 Prozent chinesisch und 34 Prozent schwedisch bist, bekommst du eine Playlist mit 13 Prozent chinesischer und 34 Prozent schwedischer Musik.
  • Welche Art Musik ist dabei vollkommen frei, die Playlist kann also alles enthalten von Schlager bis Heavy Metal. Die deutsche Beispiel-Playlist enthält zum Beispiel Tokio Hotel, Wolfgang Lippert, Madsen und Normahl. Die Playlist aus Schweden enthält unter anderem Icona Pop, ABBA und Avicii.

Wie zuverlässig ist diese DNA-Analyse?

Es gibt Wissenschaftler, die nennen diese Art der Ahnenforschung "genetische Astrologie" (Guardian). 

Weder die Abgrenzungen der Nationalstaaten noch die Prozentzahlen lassen seriöse Schlüsse von der DNA auf die Geschichte oder Identität der untersuchten Person zu (Stern).

Und erst Recht nicht auf ihren Musikgeschmack.


Today

Sechs mutmaßliche Rechtsterroristen im Raum Chemnitz festgenommen
Vier Fragen, vier Antworten

Rechtsextreme im Raum Chemnitz sollen eine terroristische Vereinigung gebildet haben. Jetzt hat der Generalbundesanwalt Ermittlungen gegen sieben Männer eingeleitet, wie der SPIEGEL berichtet. 

Was ist passiert?

Der Generalbundesanwalt Peter Frank hat ein Verfahren gegen sieben Männer zwischen 20 und 30 Jahren eingeleitet. Grund dafür ist der Vorwurf, eine rechtsterroristische Vereinigung gebildet zu haben. Sechs der Männer wurden am Montagmorgen festgenommen, ein weiterer ist bereits inhaftiert. Sie alle seien Teil der Skinhead- oder Neonazi-Szene im Raum Chemnitz. (SPIEGEL ONLINE)

Was hatte die Gruppe vor?

Unter dem Decknamen "Revolution Chemnitz" sollen die sieben Männer eine Terrorvereinigung gebildet haben. Laut der Ermittler hatte die Gruppe bereits Angriffe und Anschläge auf Ausländer geplant. Ein weiteres Ziel sollen politisch anders Denkende gewesen sein. Die sieben Männer hätte sich bereits mit der Beschaffung von Schusswaffen befasst. (SPIEGEL ONLINE)

Hat die Gruppe bereits Menschen verletzt?

  • Ob die sieben Männer bei den Ausschreitungen in Chemnitz dabei waren ist unklar, gilt aber als wahrscheinlich, wie SPIEGEL ONLINE berichtet. Gegründet haben soll die Gruppe "Revolution Chemnitz" spätestens am 11. September 2018. An den Übergriffen auf der Chemnitzer Schlossteichinsel am 14. September sollen fünf der sieben Männer beteiligt gewesen sein. 
  • Eine 15-köpfige Gruppe, die sich selbst als "Bürgerwehr" bezeichnet hatte, hatte zwei Gruppen mit fremdenfeindlichen Äußerungen attackiert, Ausweise kontrolliert und einen anwesenden Iraner leicht verletzt. Die Polizei nahm die Gruppe in Gewahrsam. Neun der 15 Personen konnten die Dienststelle wieder verlassen, die anderen sechs wurden dem Amtsgericht vorgeführt.
  • Die Ermittler vermuten nun, dass diese Aktion eine Art Testlauf für eine noch schlimmere Aktion gewesen sein könne, die für den Tag der deutschen Einheit, am 3. Oktober, geplant gewesen sein könne. (SPIEGEL ONLINE)
  • Wie die Süddeutsche Zeitung später berichtete, strebte die mutmaßliche Terrorgruppe laut Ermittlungsbhörden den rechtsradikalen Umsturz der Bundesrepublik an. 
  • Informationen der Süddeutschen Zeitung nach, sollten militante Attacken auf Politiker und Politikerinnen, Journalisten und Journalistinnen sowie auf Menschen, die sich öffentlich zu einem freiheitlichen Rechtsstaat bekennen, folgen. (Süddeutsche Zeitung)

Was bedeutet das für die Ereignisse in Chemnitz und künftige Ermittlungen?

Nachdem sich Hans-Georg Maaßen als Verfassungsschutz-Chef zu den Ereignissen in Chemnitz verharmlosend geäußert hatte (bento), ist die Festnahme unter dem Tatvorwurf "Rechtsterrorismus" umso brisanter. Ende August war es zu zahlreichen Übergriffen in Chemnitz gekommen. Ausländer oder ausländisch aussehende Menschen wurden angegriffen, beschimpft und bedroht. (bento) Rechtsextreme Demonstranten zeigten den Hitlergruß, eine vermummte Gruppierung überfiel ein jüdisches Restaurant. (bento)

Der Generalbundesanwalt Peter Frank ist seit 2016 im Amt und gibt einen harten Kurs gegen Rechtsextreme vor. Die Bundesanwaltschaft setzt diesen nun fort. Die Karlsruher Ermittler hatten bereits kurz nach den Ereignissen in Chemnitz Vorermittlungen eingeleitet. (SPIEGEL ONLINE)