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Oft haben Menschen unter 35 in diesem Land ja nicht besonders viel zu sagen: Unsere Generation ist dank demographischen Wandels zahlenmäßig unterlegen und dann im Bundestag unterrepräsentiert. Doch jetzt, nach den Wahlen, scheinen sich die Parteien auf ihre junge Basis zurück zu besinnen. 

Da sprechen bei der SPD Andrea Nahles und Martin Schulz mit den Jusos (SPIEGEL), da setzt die Junge Union Fristen, die große Koalition müsse bis Weihnachten beschlossen sein, sonst sei das Projekt gescheitert, kurz, da wird lautstark protestiert, debattiert und gestritten.

Jetzt ist es natürlich normal, dass sich Parteivorsitzende auch bei ihrer jungen Basis blicken lassen. Es ist auch nicht außergewöhnlich, dass die Jungen ihrerseits große Pläne schmieden und Forderungen stellen. 

Bei SPD und Union ist das geradezu der Deal zwischen den Parteien und ihren Jugendorganisationen: Die "Alten" arbeiten sich an der Realpolitik ab, gehen Kompromisse ein und entfernen sich dabei manchmal von den Ursprungsideen der Partei. 

Die Jungen versuchen, die Ideale, für die sie in eine Partei eingetreten sind, zu modernisieren – auch hier teilen sich die Mitglieder schon oft in Untergruppen wie "wirtschaftsfreundlich", "linker Flügel" und "Pragmatiker", aber generell gelten sie als naiver und weniger kompromissbereit als die Älteren. Einmal, weil sich junge Politiker erst noch profilieren müssen und man mit lauten Meinungsäußerungen mehr Aufmerksamkeit bekommt. Aber natürlich auch, weil das genau ihre Aufgabe in der Partei ist: Die Vorstände an die Werte zu erinnern und sie in jüngere Konzepte und Ideen zu übersetzen.

Oft werden sie dafür ein bisschen belächelt, so nach dem Motto "Wenn die erst Mal Verantwortung tragen müssen, werden sie schon noch sehen, dass Politik nicht so leicht ist, wie sie sich das vorstellen." 

Und das mag richtig sein. Aber was spätestens seit der Wahl auch richtig ist: Sowohl CDU / CSU als auch SPD sind auf der Suche ihrer Identität, nach ihrem Kern, nach dem, was sie auszeichnet und von einander abgrenzt. Und wer könnte da hilfreicher sein als die Jusos und die Junge Union? 

Gerade der vielleicht etwas naive Glauben an Ideale, der sonst ab und an belächelt wird, könnte den Parteien helfen, wieder zu sich zu finden – wenn die Altvorderen denn bereit sind, zuzuhören. 


Fühlen

Frauen sitzen jetzt auch breitbeinig – was soll das?

Es ist vor allem nervig: Menschen, insbesondere Männer, die sich in der Bahn breitbeinig vor oder neben einen setzen. So als hätten sie das Recht auf mehr Platz als andere. Das Wort, was diese Sitzposition beschreibt nennt sich "Manspreading". 

"Manspreading" ist für Frauen (oder andere Männer) so unangenehm, weil Männer ihnen dabei ihre Geschlechtsteile entgegenstrecken. Das ist für andere Menschen einfach kein schöner Anblick und mitunter belästigend. Zudem nehmen Personen, die breitbeinig sitzen, sehr viel mehr Platz ein als andere Menschen. Sie nehmen also anderen Menschen den Platz weg. 

In den New Yorker U-Bahnen hängen deshalb Poster, die Männer daran erinnern sollen, sich weniger breitbeinig hinzusetzen. In Madrid wurde Manspreading letztes Jahr in öffentlichen Verkehrsmitteln sogar verboten. Der städtische Verkehrsbetrieb EMT ließ sogar Sticker drucken, die in Bussen und Bahnen aufgeklebt wurden. (bento)

Bei Instagram hat sich jetzt ein neuer Trend entwickelt, der sich gegen das Manspreading richten soll - Womanspreading.