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Die Konservativen bleiben stärkste Kraft, verlieren aber ihre Mehrheit. Überraschungserfolg für Podemos.

Spaniens konservative Regierungspartei Partido Popular (PP) hat bei den Wahlen ihre absolute Mehrheit verloren. Allerdings bleibt sie stärkste Kraft im Parlament.

Nach Auszählung der Stimmen kommt die PP auf 28,7 Prozent. 2011 hatte sie noch fast 45 Prozent der Stimmen geholt. Die neue linke Partei Podemos kommt demnach auf 20,7 Prozent der Stimmen. Knapp davor liegen die Sozialisten (PSOE) mit 22 Prozent. Ciudadanos liegt bei rund 14 Prozent der abgegebenen Stimmen. Die Wahlbeteiligung war mit 73,2 Prozent deutlich höher als 2011.

Durch das spanische Wahlrecht entspricht die Verteilung der Stimmen nicht unbedingt der Verteilung der Sitze im Parlament. Die Ergebnisse im Überblick:

  1. Partido Popular: 123 Sitze
  2. PSOE: 90 Sitze
  3. Podemos: 69 Sitze
  4. Ciudadanos: 40 Sitze

Damit würden weder die beiden linken Parteien Podemos und PSOE, noch die konservativen PP und Ciudadanos durch eine Koalition miteinander eine Mehrheit erreichen. Für die sind 176 Sitze notwendig.

Wer regieren wird, ist unklar

Die Regierungsbildung ist völlig offen. Eine klare Mehrheit hätten PSOE und PP, eine solche große Koalition aus Konservativen und Sozialdemokraten galt allerdings zumindest vor der Wahl als unwahrscheinlich. Im letzten TV-Duell hatten sich die beiden Spitzenkandidaten Pedro Sánchez und Mariano Rajoy noch wüst beschimpft.

In das spanische Parlament werden auch zahlreiche kleinere Parteien einziehen, darunter nationalistische Parteien aus verschiedenen spanischen Regionen. Sie könnten erstmals auch für die nationale Regierungsbildung relevant werden. Auch eine Minderheitenregierung mit punktueller Unterstützung durch kleinere Parteien scheint möglich.

Denkzettel für etablierte Parteien

Auch wenn die Konservativen klar vorne liegen, bedeuten die Wahlergebnisse wohl das Ende des Zweiparteiensystems in Spanien. Seit dem Ende der Franco-Diktatur hatten sich Sozialisten und Konservative an der Regierungsspitze abgewechselt. Einen festen Koalitionspartner brauchten sie bisher nicht.

Heute wurde ein neues Spanien geboren. Wir werden eine neue politische Ära beginnen.
Podemos-Chef Pablo Iglesias

Für die linksalternative Partei Podemos sind die Ergebnisse ein großer Erfolg. Podemos-Chef Pablo Iglesias sagte direkt nach der Wahl in einem sehr selbstbewussten Auftritt: "Heute wurde ein neues Spanien geboren. Spanien hat den Systemwechsel gewählt. Wir werden eine neue politische Ära beginnen." Ein Teil der englischen Ansprache von Iglesias:

Im Gegensatz zu Podemos hat Ciudadanos im Vergleich zu den letzten Umfragen vor der Wahl an Stimmen verloren. Ciudadanos-Chef Albert Rivera war trotzdem zufrieden: "Die Spanier haben heute entschieden, dass sich dieses Land verändern wird. Die Resignation ist vorbei."

Für die etablierten Parteien ist das Ergebnis ein Denkzettel. Der Erfolg der neuen Parteien spiegelt die Unzufriedenheit weiter Teile der Bevölkerung wider. Ciudadanos und Podemos waren mit dem Versprechen angetreten, die in der spanischen Politik weit verbreitete Korruption zu bekämpfen. Vor allem junge Spanier unterstützen sie.

Ministerpräsident Mariano Rajoy ließ sich trotz der großen Stimmenverluste für seinen Wahlsieg feiern und versprach: "Ich werde versuchen, eine Regierung zu bilden."

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