Bild: Getty Images/Sean Gallup
Forscher haben sich das Sondierungspapier noch mal genau angesehen.

Es sind Chaostage in der SPD: In Niedersachsen hat sich der SPD-Vorstand für Gespräche mit der Union ausgesprochen, in Berlin dagegen (bento). 

Auch in anderen Bundesländern sind die Genossen tief gespalten. Viele führende Mitglieder reden seit Tagen von "Nachbesserungen" bei den Sondierungsbeschlüssen und hoffen darauf, CDU und CSU doch noch Zugeständnisse abringen zu können. 

Der Grund: Die SPD hatte mit CDU/CSU ausgelotet, ob beide Seiten zu einer neuen Großen Koalition zusammenkommen können. Viele Sozialdemokraten wollen zwar keine GroKo, die Parteispitze hat nun doch ein gemeinsames Sondierungspapier mit CDU und CSU erarbeitet. Darin, so die Kritik, steckt aber nur noch wenig SPD drin.

Hat sich die SPD völlig verzockt?

Nein, meint der Mannheimer Politikwissenschaftler Prof. Marc Debus: "Der Einfluss der SPD ist deutlich messbar, insbesondere bei der Wirtschafts-, Arbeits- und Finanzpolitik." 

Er hat die Sondierungsergebnisse wissenschaftlich untersucht und dabei festgestellt, dass sich die SPD in vielen Positionen gegen CDU und CSU durchgesetzt habe: 

Die Sozialdemokraten scheinen also trotz der Niederlage bei der Bundestagswahl durchaus fähig zu sein, sich in einer möglichen Großen Koalition zu behaupten.
Prof. Marc Debus, Politologe

Für die Analyse hat der Wissenschaftler mit Hilfe einer quantitativen Textanalyse die Ergebnisse der Groko-Gespräche mit denen der Jamaika-Sondierungen verglichen. 

Die Ergebnisse wurden dann in ein Koordinatensystem übertragen. Als Vergleichsmaßstab hätten alle Koalitionsabkommen und Wahlprogramme auf Bundes- und Landesebene seit 1990 gedient, so Debus. 

So sehen GroKo- und Jamaika-Ergebnisse im Vergleich aus:
(Bild: Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung)

"Damit zumindest Teile des linken Flügels der SPD einer Koalition zustimmen, mussten CDU und CSU offenbar stärker auf die SPD zugehen, als es dem Kräfteverhältnis nach der Bundestagswahl eigentlich entsprochen hätte", sagt Debus und spricht von der "strength of weakness" – der Stärke der Schwäche. 

Das Phänomen ist nicht neu: Schon in anderen Konstellationen konnten der Mannheimer Politologe und sein Team feststellen, dass sich schwächere Partner besonders durchsetzen konnten, weil sie gebraucht wurden. 

Wie geht es weiter?

Für viele SPD-Mitglieder dürfte die Analyse durchaus eine Überraschung sein. Doch reicht das alleine aus, um vorhersagen zu können, wie es den Sozialdemokraten in einer neuen Großen Koalition unter Angela Merkel ergehen würde? 

Nein, sagt auch Marc Dabus und schiebt hinterher: "Abgestraft werden kann man aber auch als Oppositionspartei."

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