"Eine Schande für unser Land"
Was ist passiert?
(Bild: dpa/Roland Scheidemann)

Genau vor 25 Jahren, am 29. Mai 1993, ereignete sich im nordrhein-westfälischen Solingen eine Tat, die die Stadt für immer verändern sollte. Vier rechtsextreme Jugendliche zwischen 16 und 23 Jahren verübten einen Brandanschlag auf das Wohnhaus der türkischstämmigen Familie Genç. Sie töteten drei Mädchen und zwei junge Frauen, 17 weitere verletzten sie schwer. Der Brandanschlag von Solingen gilt als eine der folgenschwersten rassistischen Taten Deutschland.

Was geschah nach dem Anschlag?
(Bild: dpa/Franz-Peter Tschauner)

Über Nacht wurde Solingen zum Symbol rechtsextremer Gewalt in Deutschland. Nur wenige Tage später fand in der Stadt ein Trauermarsch mit Kundgebungen statt, zu dem Menschen aus der ganzen Republik anreisten. Auch außerhalb von Solingen gingen viele Menschen auf die Straße, um gegen rechtsextreme Gewalt zu demonstrieren. Doch nicht alle reagierten mit Trauer und Entsetzen auf die Morde. Zum Teil kam es auch zu gewalttätigen Ausschreitungen.

Was machen die Überlebenden des Anschlags heute?
(Bild: dpa/Oliver Berg)

Mevlüde Genç verlor bei dem Anschlag zwei Töchter, zwei Enkelinnen und eine Nichte. Die heute 75-Jährige entschied sich nach dem Anschlag, Deutschland nicht zu verlassen. Später nahm sie die Deutsche Staatsbürgerschaft an. Seit der Schreckensnacht vor 25 Jahren engagiert sich Mevlüde Genç öffentlich gegen Rassismus und für Versöhnung. Für ihre Arbeit bekam sie das Bundesverdienstkreuz. Viele Mitglieder der Familie leiden nach wie vor körperlich und psychisch unter den Folgen der Tat. Das neue Haus der Gençs liegt nur wenige Kilometer vom alten entfernt und wird durch eine Mauer und Kameras geschützt.

Wie gedenkt Solingen der Opfer?
(Bild: dpa/Oliver Berg)

Auf dem Grundstück, auf dem das alte Haus der Familie Gençs stand, erinnern heute fünf Kastanienbäume an die Getöteten. In der Stadt steht außerdem ein Mahnmal, das an die Opfer der Tat erinnert. Zum 25. Jahrestag des Brandanschlags fand eine zentrale Trauerfeier in Solingen statt.

Was lernen wir aus der Tat?

(Bild: dpa/Rolf Vennenbernd)

Einst löste der Mord weltweites Entsetzen aus. Aber rechtsextremistische Anschläge gibt es auch heute noch in Deutschland. Allein 2017 registrierten die Behörden 2219 Angriffe auf Flüchtlinge und Flüchtlingsunterkünfte. Das sind im Schnitt mehr als sechs pro Tag. (bento)

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat heute deshalb zum Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit aufgerufen. "Rechtsextremismus gehört keineswegs der Vergangenheit an", sagte Merkel bei einer Gedenkfeier in der Staatskanzlei in Düsseldorf (SPIEGEL ONLINE). Die AfD kritisierte sie ohne den Namen der Partei zu erwähnen:

"Wer mit Worten Gewalt sät, nimmt zumindest billigend in Kauf, dass auch Gewalt geerntet wird. Auch heute werden Menschen in unserem Land angefeindet und angegriffen, weil sie Asylbewerber oder Flüchtlinge sind oder weil sie wegen ihres Aussehens, ihrer Hautfarbe dafür gehalten werden – egal wie lange sie schon bei uns leben. Solche Gewalttaten sind beschämend. Sie sind eine Schande für unser Land. Und damit dürfen und werden wir uns nicht abfinden."

Gerechtigkeit

Warum ausgerechnet die Techno-Szene gegen die AfD auf die Straße geht
Nachgefragt bei den vielen Anti-AfD-Demonstranten in Berlin.

Was passiert, wenn die Berliner Techno-Szene zum Rave gegen die AfD aufruft? 25.000 Menschen kommen und tanzen unter dem Motto "Hauptsache es knallt – AfD wegbassen" durch die Stadt. 

Aber wie politisch sind Raver?

Berlin, das ist die Stadt des Technos. Touristinnen und Touristen reisen um die halbe Welt, um hier feiern zu gehen. Die Szene ist aber auch politisch. Musik-Labels wie rsnzrflxn organisieren Soli-Veranstaltungen für die Flüchtlingshelfer von Sea Watch – andere Kollektive schmeißen Inklusionspartys. Und jetzt gehen die Techno-Jünger eben auch gegen die AfD auf die Straße. 

Rund 70 Clubs und mehrere Festivals riefen zur Anti-AfD-Demo in Berlin auf. Auffallend viele junge Menschen waren mit Transparenten und Plakaten gekommen. Ihre Forderung: eine offene Gesellschaft, in der alle Menschen gleichberechtigt leben können, egal welche Hautfarbe oder welches Geschlecht sie haben.

Mit viel Glitzer, Konfetti und Bass steuerte der Umzug auf die AfD-Kundgebung zu. Das Ziel: So laut zu sein, dass AfD-Sympathisanten ihr eigenes Wort nicht mehr verstehen. Im Video siehst du, wie das aussah. Und die Demonstrantinnen und Demonstranten erklären, warum es logisch ist, dass sich gerade die Techno-Szene gegen die AfD engagiert.