Sie rufen "Volksverräter" und bepöbeln SPD-Parteichef Sigmar Gabriel – der winkt erst ab, dann zeigt er den rechtsextremen Demonstranten den Mittelfinger. Die Szene hat sich bereits am Freitag in Salzgitter in Niedersachsen abgespielt.

Ein Video ihrer Störaktion und der Reaktion von Sigmar Gabriel veröffentlichten die Jungen Nationaldemokraten Braunschweig am Dienstag auf Facebook, auch eine Antifa-Seite zeigt den Clip. Die Jungen Nationaldemokraten sind die Jugendorganisation der NPD.

Hier ist das Video:

Gabriel vs JN

Die Jungen Nationalen Braunschweig haben Sigmar Gabriel bei einem Termin gestört. Sie plärren dabei irgendwas von Volksverräter und klauen (mal wieder) einen Slogan der Linken ("Wer hat uns verraten?"). Gabriel ist für eine ganze Menge zu kritisieren, wirklich. Waffenexporte, unsoziale Politik und so weiter. Aber: Hier ist er stabil und antwortet auf die einzig richtige Art und Weise. Mal sehen, ob er dafür nen Bonus der Antifa UG - haftungsbeschränkt bekommt.

Posted by Antifa Kampfausbildung e.V. on Dienstag, 16. August 2016

Die Demonstranten rufen in dem Video Sigmar Gabriel entgegen: "Mensch, dein Vater hat sein Land geliebt. Und was machst du? Du zerstörst es."

Der Vater des SPD-Chefs war Zeit seines Lebens bekennender Nazi. Sigmar Gabriel hatte das kurz nach dem Tod seines Vaters im Jahre 2012 öffentlich gemacht und erzählt, wie er als Kind von ihm verprügelt worden war. (SPIEGEL ONLINE)

Die rund 20 vermummten Demonstranten wollten einen Wahlkampfauftritt des Vizekanzlers in Salzgitter stören. Gabriel hatte sich gerade im Rosengarten mit einem syrischen Flüchtling unterhalten und war auf dem Weg in den Ratskeller. Die Polizei konnte elf Personen aufgreifen und deren Identität feststellen. Sie sollen allesamt nicht aus Salzgitter stammen. (news38.de)

Unklar ist, ob Sigmar Gabriel die Geste kalkuliert eingesetzt hat – oder angesichts von "Volksverräter"- und "Vater"-Sprüchen einfach nur genug hatte. Das Video zeigen nun sowohl die Rechtsextremen auf ihrer Facebook-Seite als auch die Antifa-Aktivisten.

Der Mittelfinger ist bald schon SPD-Tradition: Vor drei Jahren hatte der damalige SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück mit einem Mittelfinger Wahlkampf gemacht: Er ließ sich für das "SZ-Magazin" mit ausgestrecktem Stinkefinger fotografieren.

Steinbrück sah sich allerdings nicht einer Horde halbstarker Pöbler ausgesetzt. Er sollte für das Magazin mit einer Geste auf eine Frage antworten: "Pannen-Peer, Problem-Peer, Peerlusconi – um nette Spitznamen müssen Sie sich keine Sorgen machen, oder?" Der Wahlkampf lief schlecht, Steinbrück und die SPD verloren deutlich gegen Angela Merkel und die Union.

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Waffenhändler des Amokläufers von München gefasst

Die Polizei hat einen mutmaßlichen Waffenhändler festgenommen. Er soll dem Amokläufer von München eine Schusswaffe und Munition über das Darknet verkauft haben. Zollfahnder und die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main nahmen den 31-Jährigen am Dienstag in Marburg fest.

Die Fahnder hatten bei ihm zum Schein eine Bestellung aufgegeben: eine Maschinenpistole, vier Magazine mit 700 Patronen sowie eine Pistole mit 2 Magazinen und 100 Patronen. 8000 Euro sollte die illegale Lieferung kosten.