"Wie mutig und ehrlich, so etwas zu schreiben."

Instagram ist voll von schönen Orten, leckerem Essen und lachenden Menschen. Manchmal ist Instagram aber auch ein Ort, an dem die nicht so fröhlichen Seiten des Lebens besprochen werden.

Auch Schauspielerin Selma Blair hat sich entschieden, auf Instagram über ein ernstes Thema zu sprechen: Dort eröffnete sie erstmals, dass sie an Multipler Sklerose erkrankt ist. Ein ehrlicher Post, der zeigt, wie die Schauspielerin mit der Diagnose kämpft. Und gleichzeitig auch ein Post, der vielen Menschen Mut macht.

Was ist Multiple Sklerose?

Multiple Sklerose ist eine entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Bei Erkrankten ist die Übertragung von Botschaften von Gehirn zu Nerven gestört. Dadurch können zum Beispiel Sehstörungen auftreten, auch vermehrtes Stolpern ist ein Symptom. Der Krankheitsverlauf kann jedoch höchst unterschiedlich sein, die Symptome sind nicht immer gleich stark ausgeprägt. Erkrankte erleben häufig sogenannte Schübe, in denen sie Störungen und Ausfälle erleben. (Deutsche Multiple Sklerose-Gesellschaft)

Was schreibt Selma Blair?

Blair, die Ende der Neunzigerjahre mit dem Film "Eiskalte Engel" bekannt wurde, postete am Sonntag ein schlichtes Spiegelselfie. "Ich habe Multiple Sklerose", schreibt sie darunter. Sie beschreibt auch, was das konkret bedeutet:

Ich bin behindert. Manchmal falle ich hin. Ich lasse Dinge fallen. Mein Gedächtnis ist verschwommen.

Das Foto selbst entstand bei einer Anprobe für ihre neue Serie. Kein leichter Termin für Blair, denn sie befindet sich in einer Krankheitsphase, in der sich die Symptome verschlimmern. Doch die Kostümdesignerin habe ihr geduldig geholfen, ihre Beine behutsam in die Hose gesteckt, ihren Mantel zugeknöpft, sie gestützt.

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I was in this wardrobe fitting two days ago. And I am in the deepest gratitude. So profound, it is, I have decided to share. The brilliant costumer #Allisaswanson not only designs the pieces #harperglass will wear on this new #Netflix show , but she carefully gets my legs in my pants, pulls my tops over my head, buttons my coats and offers her shoulder to steady myself. I have #multiplesclerosis . I am in an exacerbation. By the grace of the lord, and will power and the understanding producers at Netflix , I have a job. A wonderful job. I am disabled. I fall sometimes. I drop things. My memory is foggy. And my left side is asking for directions from a broken gps. But we are doing it . And I laugh and I don’t know exactly what I will do precisely but I will do my best. Since my diagnosis at ten thirty pm on The night of August 16, I have had love and support from my friends , especially @jaime_king @sarahmgellar @realfreddieprinze @tarasubkoff @noah.d.newman . My producers #noreenhalpern who assured me that everyone has something. #chrisregina #aaronmartin and every crew member... thank you. I am in the thick of it but I hope to give some hope to others. And even to myself. You can’t get help unless you ask. It can be overwhelming in the beginning. You want to sleep. You always want to sleep. So I don’t have answers. You see, I want to sleep. But I am a forthcoming person and I want my life to be full somehow. I want to play with my son again. I want to walk down the street and ride my horse. I have MS and I am ok. But if you see me , dropping crap all over the street, feel free to help me pick it up. It takes a whole day for me alone. Thank you and may we all know good days amongst the challenges. And the biggest thanks to @elizberkley who forced me to see her brother #drjasonberkley who gave me this diagnosis after finding lesions on that mri. I have had symptoms for years but was never taken seriously until I fell down in front of him trying to sort out what I thought was a pinched nerve. I have probably had this incurable disease for 15 years at least. And I am relieved to at least know. And share. 🖤 my instagram family... you know who you are.

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In solchen Momenten sei sie auch dankbar, schreibt Blair.

Die Diagnose Multiple Sklerose hat sie noch nicht lange – etwa 2 Monate, wie sie in dem Post schreibt. Noch stecke sie "mittendrin", habe oftmals keine Antworten auf all die Fragen, die sie sich jetzt stellt. Und eigentlich wolle sie ständig nur schlafen.

Doch gleichzeitig wolle sie weiterhin ein erfülltes Leben führen.

Ich will wieder mit meinem Sohn spielen. Ich will die Straße entlang gehen und mein Pferd reiten.

Aus ihrem Umfeld erfahre sie dabei viel Unterstützung. Und auch ihre "Instagram Family" helfe ihr durch diese schwierige Zeit.

Welche Botschaft hat Selma Blair an ihre Follower?

Einerseits bittet sie mit dem Post um Verständnis, und auch um Hilfe.

Wenn du mich siehst, wie ich mein Zeug auf der Straße fallen lassen, hilf mir ruhig, es aufzuheben. Wenn ich es allein mache, brauche ich dafür einen ganzen Tag.

Andererseits will sie sich selbst und anderen Menschen mit Multipler Sklerose Mut zusprechen.

Ich hoffe, dass ich anderen Hoffnung geben kann. Und mir selbst.

Die Reaktionen zeigen:  Das scheint ihr jetzt schon gelungen zu sein.

Unter ihrem Post finden sich Tausende Kommentare von anderen Betroffenen, die sich für ihre Offenheit bedanken. Die ihre eigene Geschichte erzählen, und noch einmal verdeutlichen, wie unterschiedlich Multiple Sklerose sein kann. Die betonen, dass die Diagnose keineswegs automatisch ein Leben im Rollstuhl bedeutet. Und die sich freuen, dass sie in Blair ein starkes Vorbild gefunden haben.

Auch ihre Kolleginnen und Kollegen loben Selma Blairs öffentliches Bekenntnis: "Eiskalte Engel"-Kollegin Sarah Michelle Gellar beispielsweise kommentierte unter dem Post:

Ich liebe dich, ich bin stolz auf dich, und es gibt nichts, das ich nicht für dich tun würde.
Sarah Michelle Gellar

Auch "How I Met Your Mother"-Schauspieler Neil Patrick Harris schrieb, ihr Post sei "mutig und ehrlich“. (SPIEGEL ONLINE)

Ein weiterer Fall also, in dem es sich gelohnt hat, die schöne heile Instagram-Welt mal für ein paar Minuten zu unterbrechen.


Fühlen

Warum die Suche nach dem G-Punkt sinnlos ist

Der weibliche G-Punkt ist ein Mysterium. Wenig dazu ist faktisch erwiesen, fangen wir also am besten damit an, was unzweifelhaft feststeht. Der Mann, der diesen Hotspot gefunden - oder erfunden? - hat, ist der deutsche Gynäkologe Ernst Gräfenberg. Daher auch der Name, G wie Gräfenberg. Er interessierte sich sehr für den weiblichen Orgasmus, und das wollen wir ihm erstmal hoch anrechnen.

In seinem 1950 erschienen Aufsatz im "International Journal of Sexology" erklärt Gräfenberg, "dass die vordere Vaginalwand unterhalb der Urethra der Sitz einer ausgeprägten erogenen Zone ist und dass diese bei der Behandlung weiblicher sexueller Mangelzustände eine größere Bedeutung erhalten sollte". Mit anderen Worten: Es gibt einen Bereich innerhalb der Vagina, der durch Stimulation zu einem Orgasmus führt. Führt man zwei Finger etwa fünf Zentimeter tief in die Vagina ein und drückt sie in Richtung Bauch, fühlt sich das Gewebe dort rauer an.

Aber ist dieser G-Punkt wirklich der Schlüssel zum weiblichen Orgasmus?

Ja und nein – und um diese Antwort zu verstehen, müssen wir den weiblichen Orgasmus näher betrachten. Da gibt es den klitoralen Orgasmus, ausgelöst durch die Stimulation der Klitoriseichel, eine vergleichsweise unkomplizierte Angelegenheit.

Mysteriöser ist der vaginale Orgasmus. Kann eine Frau kommen, wenn "einfach nur" ein Penis in ihre Vagina eindringt? "Nein", sagen viele Frauen leise – leider oft nur zu ihren Freundinnen. Falls sie doch mit ihren Partnern darüber sprechen, stehen diese oft vor einem Rätsel – und machen sich nicht selten verzweifelt auf die Suche nach dem G-Punkt, oft angespornt von Gebrauchsanleitungen aus sogenannten Männermagazinen.

Wir sind Opfer einer Orgasmus-Hierarchie, die die schönste Sache der Welt unnötig kompliziert macht: Der klitorale Orgasmus gilt als schnödes Handwerk, der vaginale Orgasmus als hohe Kunst im Liebesspiel. Schuld daran ist kein Geringerer als Sigmund Freud, der 1905 den klitoralen Orgasmus für unreif und behandlungsbedürftig erklärte, während der Vaginalorgasmus der einzig wahre für die erwachsene Frau sei: "Ist die Übertragung der erogenen Reizbarkeit von der Klitoris auf den Scheideneingang gelungen, so hat damit das Weib seine für die spätere Sexualbetätigung leitende Zone gewechselt".

Besonders perfide: Kommt die Frau beim "normalen" Geschlechtsverkehr nicht zum Höhepunkt, liegt das Problem bei ihr, so die Einschätzung Freuds. Eine unbelegte Theorie, die erstaunlicherweise bis heute in vielen Köpfen herumspukt.

Die französische Prinzessin und Urgroßnichte Napoleons, Marie Bonaparte, veranlasste sie im Jahr 1927 zu einer riskanten Operation - die in Liv Strömquists Comic "Der Ursprung der Welt" herrlich bebildert wird. In der Hoffnung, endlich einen vaginalen Orgasmus erleben zu können, ließ sich die Freud-Anhängerin ihre Klitoris operativ in Richtung Vagina verlegen – doch der Erfolg blieb aus. Wie viel angenehmer und erfolgsversprechender wäre es doch gewesen, stattdessen die Hand ihres Mannes, Prinz Georg von Griechenland und Dänemark, auf ihre Klitoris zu legen.