Bild: dpa/Lisa Hoffmann/Sea-Watch.org
Jetzt dürfen schon zwei deutsche Rettungsschiffe keinen sicheren Hafen anlaufen.

Was ist passiert?

Zwei Schiffe von deutschen privaten Seenotrettern haben im Mittelmeer Geflüchtete gerettet und dürfen derzeit keinen sicheren Hafen anlaufen. Die EU-Staaten blockieren einen Zugang zu ihren Häfen, weil sie die Menschen nicht aufnehmen wollen. (bento)

Um welche Schiffe handelt es sich?

Es geht um die Sea-Watch 3 und das Schiff Professor Albrecht Penck der Organisation Sea-Eye.

Die Retter der Sea-Eye haben am frühen Samstagmorgen 17 Menschen von einem Holzboot vor der libyschen Küste gerettet. Das berichtet Zeit Online. Demnach habe die Rettung in internationalen Gewässern stattgefunden. Die libysche Küstenwache habe die Crew laut Sea-Eye aufgefordert, die geretteten Menschen an sie zu übergeben. Das hat die Crew verweigert. In Libyen werden Flüchtende oft in staatliche Gefängnisse gesteckt, es drohen Folter und Vergewaltigungen, die Seenotretter betrachten Tripolis deshalb nicht als sicheren Hafen. Laut Zeit Online hat die Crew das Auswärtige Amt um Hilfe gebeten.

Die Sea-Watch 3 hatte bereits am 22. Dezember 32 Menschen aus dem Wasser gerettet. Das Weihnachtsfest hatten sich auch die Helfer an Bord anders vorgestellt. "Jetzt war es ein Weihnachten mit Menschen aus 17 Ländern", sagte Einsatzleiter Philip Hahn im Interview mit SPIEGEL ONLINE. "Es wurde auf vielen verschiedenen Sprachen gesungen. Ich würde sagen: Es war ein Highlight."

Wie geht es weiter?

Zumindest im Fall der Sea-Watch scheint eine Lösung greifbar. Die Stadt Berlin ist bereit, einige Geflüchtete aufzunehmen.

Auch das Innenministerium von Horst Seehofer sei grundsätzlich zu einer Aufnahme von einigen Geflüchteten bereit. Das sagte ein Sprecher Focus Online. Die Aufnahme müsse aber im europäischen Rahmen geschehen. Heißt im Klartext: Offenbar setzt Seehofer darauf, dass auch andere EU-Länder einige der Menschen aufnehmen. Neben Deutschland hatten nach Angaben von Sea-Watch auch Italien, Malta, Spanien und die Niederlande die Anfrage der Retter zunächst abgelehnt.

An Bord der Sea-Watch 3

(Bild: Sea-Watch/ Chris Grodotzki)

Wir haben mit Ruben Neugebauer von Sea-Watch gesprochen: 

Wie laufen die Verhandlungen? 

"Es gibt Zusagen von 30 deutschen Städten und Bundesländern, den Menschen auf der Flucht zu helfen. Innenminister Seehofer beruft sich darauf, dass Deutschland in diesem Jahr bereits 115 aus dem Mittelmeer gerettete Menschen aufgenommen habe. Und er fordert eine ausgewogene Verteilung innerhalb der EU. Das ist Quatsch, weil andere Länder wie Spanien schon viel mehr Geflohene aufgenommen haben.

Was wünscht sich die Crew?

"Seehofer darf sich nicht länger winden, sondern muss endlich Verantwortung übernehmen. Wir wünschen uns freie Wege zu sicheren Häfen auf dem Mittelmeer. In Malta ist man diesmal skeptisch, Menschen aufzunehmen, weil Deutschlands Hilfe beim letzten Mal schleppend ablief."

 Warum beugt sich Seehofer nicht einfach dem Willen der Städte, die Menschen aufnehmen wollen?

"Seehofer verfolgt eine eigene Agenda und ignoriert damit oft den Willen der Bevölkerung. Die 115 aufgenommenen Flüchtlinge sind im internationalen Vergleich noch wenig. 32 Menschen: das ist ungefähr eine gerettete Person pro Stadt. Viele Städte wollen den Menschen auf dem Mittelmeer helfen – so gesehen könnten wir noch mehr Leben retten!

Wie geht es weiter? 

"Uns wurde vorgeschlagen, in unseren Heimathafen in Amsterdam zu fahren. Dort anzulegen ist technisch möglich, birgt aber ein enormes Sicherheitsrisiko. In dem Seegebiet Biskaya vor Frankreich gibt es heftige Stürme, die für alle Personen an Deck problematisch sein könnten."

Wie gefährlich ist die Flucht übers Mittelmeer?

Das Mittelmeer gilt als gefährlichste Route nach Europa. In diesem Jahr kamen nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) bereits mehr als 100.000 Menschen über das Mittelmeer nach Europa. Etwa 2100 Menschen kamen dabei ums Leben. Schiffe, die Flüchtlinge im Mittelmeer vor dem Ertrinken retten, werden immer häufiger abgewiesen seit Malta und Italien ihre Häfen für die Retter geschlossen haben.


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