Welche Informationen haben Auskunfteien über dich gespeichert? So kannst du kostenlos deine Schufa-Selbstauskunft bestellen und das bedeuten die Daten darin.

Was sind Auskunfteien wie die Schufa überhaupt?

Hast du je das Kleingedruckte in deinem Handyvertrag gelesen? Oder die AGB des Onlinehändlers, bei dem du zuletzt bestellt hast? Die Chance ist groß, dass du dort der Weitergabe deiner Daten zugestimmt hast - an eine Wirtschaftsauskunftei.

Auskunfteien sind Unternehmen, die die Kreditwürdigkeit von Verbrauchern bewerten. 

  • Banken entscheiden mit ihrer Hilfe, zu welchen Zinsen jemand einen Kredit bekommt. 
  • Telefonunternehmen verweigern potenziellen Risikokunden schon mal den Vertrag
  • Onlinehändler entscheiden danach, wer auf Rechnung zahlen darf. 
  • Und selbst Wohnungseigentümer lassen sich von Auskunfteien die Zahlungsfähigkeit möglicher Mieter bestätigen.

Die bekannteste deutsche Auskunftei ist die Schufa, andere sind beispielsweise Crif Bürgel, Creditreform Boniversum oder Arvato Infoscore

Zu ihrem Geschäftsmodell gehört es, Informationen über Verbraucher zu sammeln: wie viele Girokonten und Kreditkarten eine Person hat, wie lange diese Geschäftsbeziehungen bereits bestehen, ob schon mal ein Kredit nicht ordnungsgemäß zurückgezahlt wurde. Diese Daten nutzen die Unternehmen, um die Verbraucher zu "scoren", also die Wahrscheinlichkeit vorherzusagen, mit der eine Person zum Beispiel einen Kredit bedienen wird. (Hier kannst du nachlesen, wie genau der Schufa-Score funktioniert.)

Jeder Verbraucher hat das Recht, von den Auskunfteien zu erfahren, welche Informationen sie über ihn gespeichert haben. 

Das regelt Artikel 15 der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die im Mai 2018 in Kraft getreten ist. Von diesem Recht Gebrauch zu machen, ist aber gar nicht so leicht: Weil die Schufa lieber kostenpflichtige Auskünfte verkauft, ist das Bestellformular der kostenlosen DSGVO-Auskunft auf der Website ein wenig versteckt

So bekommst du deine kostenlose Selbstauskunft von der Schufa und anderen Auskunfteien.

Die Schufa hat mit mehr als 67 Millionen Verbraucherinnen und Verbrauchern den größten Datenbestand unter den deutschen Auskunfteien. Aber es gibt auch Mitbewerber. Zum Teil sind sie eher spezialisiert auf das Bewerten von Unternehmen, aber alle sammeln und speichern auch Daten zu Privatpersonen. Gegenüber all diesen Auskunfteien hast du das Recht auf eine Selbstauskunft. 

  • Schufa: Du findest das kostenlose Bestellformular für die Selbstauskunft, wenn du diese Seite besuchst und die "Datenkopie (nach Art. 15 DS-GVO)" auswählst.
  • Crif Bürgel: Besuche diese Seite und folge dem Link zum "Antrag zur Selbstauskunft".
  • Creditreform Boniversum: Besuche diese Seite und fülle das Formular zur Selbstauskunft aus.
  • Arvato Infoscore: Besuche diese Seite und folge dem Link zum "Online-Formular".

Was steht in der kostenlosen Selbstauskunft? Und was bedeutet es?

Die kostenlose Selbstauskunft listet alle Informationen auf, die die Schufa über den Verbraucher gespeichert hat. Dazu gehören das Geburtsdatum, aktuelle und frühere Adressen, die finanzielle Historie der Person (Girokonten, Kreditkarten, Handyverträge, laufende Kredite, aber auch Zahlungsstörungen oder Einträge im Insolvenzregister), sowie die Anfragen, die andere Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten zu der Person gestellt haben.

Im Detail:

Nach dem Anschreiben, das auch die allgemeinen, persönlichen Daten enthält, folgt ein Blatt mit mehreren Textabsätzen - die Kredithistorie. Dort kannst du nachvollziehen, wann welches Unternehmen welche Information an die Schufa übermittelt hat.

anonymisierter Ausschnitt einer Schufa-Selbstauskunft

(Bild: SPIEGEL ONLINE)

Die Kredithistorie muss nicht vollständig sein. Wenn deine Bank beispielsweise kein Vertragspartner der Schufa ist, erfährt die Auskunftei auch nichts von deinem Girokonto. Solltest du eine veraltete oder gar falsche Information entdecken, solltest du das der Schufa aber unbedingt melden.

Es folgt ein Blatt mit Scores, die die Schufa im vergangenen Jahr an anfragende Unternehmen übermittelt hat. Die Tabelle wirkt auf den ersten Blick etwas unübersichtlich: Vom "Scorewert" ist die Rede, von der "Ratingstufe", der "Erfüllungswahrscheinlichkeit" und den "Datenarten".

anonymisierter Ausschnitt einer Schufa-Selbstauskunft

(Bild: SPIEGEL ONLINE)
  • Beginnen wir mit den sechs Datenarten: Hier ordnet dich die Schufa in Risikokategorien ein. Ein "++" unter "Länge Kredithistorie" bedeutet zum Beispiel, dass Verbraucher mit vergleichbar langen Geschäftsbeziehungen zu ihren Banken im Allgemeinen ein sehr unterdurchschnittliches Risiko darstellen. Und ein "o" unter "Allgemeine Daten" bedeutet, dass Menschen mit ähnlichen persönlichen Informationen (Alter, Geschlecht, Zahl der Adressen) ein durchschnittliches Risiko darstellen. Je nach Branche und Version können sich die Risikokategorien unterscheiden. In welcher Gewichtung die dahinterliegenden Merkmale in die Scoreberechnung einfließen, ist ein Geschäftsgeheimnis.
  • Nun zum Scorewert: Auf diesen Zahlenwert kommt die Schufa, wenn sie deine Merkmale in die geheime Schufa-Formel eingesetzt hat. In den Scores der Version 2.0 (Berechnungsmethode, die 2008 eingeführt wurde) und 3.0 (2017 eingeführt) liegen die Scorewerte zwischen 0 und 10.000 Punkten. Je höher desto besser.
  • Aus dem Scorewert leitet sich die Ratingstufe ab. Je nachdem für welche Wirtschaftsbranche der Score bestimmt ist, unterscheidet die Schufa bis zu 15 Ratingstufen, die mit Buchstaben von A (sehr kreditwürdig) bis P (kreditunwürdig) gekennzeichnet sind.
  • Diesen Buchstaben wiederum entspricht eine sogenannte Erfüllungswahrscheinlichkeit. Das ist die Prozentzahl, die man gemeinhin als "Schufa-Score" bezeichnet. Es ist die Wahrscheinlichkeit, zu der ein Verbraucher laut Schufa einen Kredit ordnungsgemäß zurückzahlen würde.
  • Und wem das jetzt zu viele Zahlen und Kürzel sind, dem übersetzt die Schufa das auch noch mal in der letzten Spalte in Worte: "geringes bis überschaubares Risiko" steht da zum Beispiel.

Auf einem eigenen Blatt steht schließlich der sogenannte Basisscore. Er ist ähnlich zu den Erfüllungswahrscheinlichkeiten in der Tabelle, aber nicht branchenspezifisch und wird auch dann mitgeschickt, wenn die Schufa im vergangenen Jahr keinen Score an ein Unternehmen übermittelt hat.

Wie kann ich meinen Schufa-Score verbessern?

Auch wenn die Schufa-Formel geheim ist, gibt es doch ein paar Verhaltensregeln, um einen guten Score zu erzielen:

  • Rechnungen pünktlich bezahlen: Wirst du mindestens zwei Mal schriftlich gemahnt, kann der Gläubiger den Zahlungsverzug an die Schufa melden. Achte deshalb stets darauf, deine Rechnungen pünktlich zu bezahlen. Nutze das Lastschriftverfahren oder Daueraufträge, um regelmäßig fällige Beträge zu bezahlen.
  • Zahl der Konten und Verträge: Der Abschluss von Girokonten, Kreditkarten- und Mobilfunkverträge wird in der Regel vom Anbieter an die Schufa gemeldet. Eine übermäßig hohe Zahl an Konten bzw. Verträgen kann dabei negative Auswirkungen auf den Score haben, selbst wenn keinerlei Zahlungsstörungen vorliegen. Vermeide es also Konten weiterzuführen, die du nicht mehr aktiv nutzt und wäge ab, ob günstige Tarife, die mehrere Handy-Verträge kombinieren, dir das Risiko wert sind.
  • Dispo nicht unnötig überziehen: Die Einrichtung eines Dispokredits sowie dessen Höhe kann von Banken an die Schufa gemeldet werden. Mit in die Scoreberechnung einbezogen wird sie laut Schufa-Angaben nicht. Vermeide es aber, deinen Dispokredit unnötig zu überziehen. Bestehen offene Forderungen nach der Kündigung des Dispokredits, kann das zu einem Schufa-Eintrag führen.
  • Kreditraten regelmäßig begleichen: Wenn du Schwierigkeiten hast, deine Kreditraten zu begleichen, dann rede unbedingt frühzeitig mit deiner Bank. Kommt es zu einer Kündigung des Kredits durch die Bank, kann das deinen Schufa-Score nach unten ziehen.
  • Schufa-Daten im Blick behalten: Nutze die kostenlose Selbstauskunft, um die von dir gespeicherten Daten im Blick zu behalten. Wenn in deiner Auskunft falsche Negativeinträge auftauchen, solltest du unverzüglich Kontakt zur Schufa aufnehmen und die Löschung des Eintrags einfordern. Wenn in deiner Auskunft Girokonten oder Kreditkarten fehlen, dann lass diese gegebenenfalls von deiner Bank nachtragen. Insbesondere, wenn die Schufa noch gar keine Informationen zu dir gespeichert hat.

Schufa-Auskunft für Vermieter: Welche ist die richtige?

Neben aktuellen Gehaltsnachweisen verlangen Vermieter häufig auch eine Bonitätsauskunft, um sich gegen Mietausfälle abzusichern. Hierfür bietet die Schufa eine kostenpflichtige Auskunft an, die kurz und knapp bescheinigt, ob ihr ausschließlich positive Vertragsinformationen zu dir vorliegen oder ob auch negative Einträge gespeichert sind.

Wer dafür nicht zahlen möchte, kann auch die kostenlose Selbstauskunft verwenden. Sei dir aber bewusst, dass diese sehr viel mehr Informationen enthält, als der potenzielle Vermieter über dich benötigt. Es empfiehlt sich, vertrauliche Angaben wie Kontonummern oder die Höhe von Krediten zu schwärzen. Auch dann erfährt der Vermieter aber beispielsweise, wie viele Konten und Kreditkarten du hast.

Dieser Artikel ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.

Offenlegung: Der Schufa-Mitbewerber Arvato gehört zum Bertelsmann-Konzern. Dessen Tochter, der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr ist mit 25,5 Prozent am SPIEGEL-Verlag beteiligt. Der SPIEGEL berichtet ungeachtet dessen selbstverständlich redaktionell unabhängig.



Future

Hier erzählen Pathologinnen und Pathologen, was in ihrem Job abgeht
Sind das wirklich alles Einsiedler im Klinikkeller?

Leichen obduzieren, Würgemale analysieren, Morde aufklären – beim Beruf des Pathologen denken viele an das, was sie aus dem Tatort oder CSI: Miami kennen. Die Menschen, die sich dort der Verstorbenen und Ermordeten annehmen, sind aber keine Pathologen – sondern Gerichtsmediziner

Aber was genau machen Pathologinnen und Pathologen? Wie sieht ihr Alltag aus? 

Haben sie Kontakt mit Leichen – oder vielleicht doch mehr mit lebenden Personen zu tun? Und wie kommt man auf die Idee, Pathologe zu werden? 

Hier geben drei junge Menschen Einblick in ihren Beruf.