Bild: Carsten Rehder / dpa
Am 7. Mai finden die Landtagswahlen statt.

Das Superwahljahr geht in Schleswig-Holstein in die nächste Runde. Nach dem Saarland und vor Nordrhein-Westfahlen wählt am Sonntag Deutschlands nördlichstes Bundesland ein neues Parlament.  

Besonders ist die Wahl, weil Schleswig-Holstein nicht nur ein spezielles Wahlgesetz hat – sondern auch, weil der Ausgang der Wahl vollkommen ungewiss ist. bento beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wie eng ist das Rennen? 

Sehr eng. Zwischen der SPD mit 29 und der CDU mit 32 liegen laut Umfragen momentan nur 3 Prozentpunkte. Ihre möglichen Koalitionspartner, FDP und Grüne, liegen bei jeweils um die 11 bis 12 Prozent. Ob die Linke in diesem Jahr wieder in den Landtag gewählt wird, ist ungewiss. (Zahlen vom ZDF-Politbarometer)

Das Zünglein an der Waage könnte damit wieder der SSW werden. Das ist die Partei der dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein, die von der Fünf-Prozent-Hürde ausgenommen ist. Momentan liegt der eher linke SSW bei 3 Prozent, und könnte damit der SPD eine knappe Mehrheit bescheren. 

Auch bisher ist das so: Aktuell regiert die SPD zusammen mit den Grünen und dem SSW in einer 1-Stimmen-Mehrheit. Das ist die Übersicht:

Wer hat sich geändert, was wird sich ändern?
  • Wenn die aktuellen Umfragen sich bewahrheiten, sieht es düster aus für die Piratenpartei. In der letzten Wahl hatten diese ganze 8 Prozent der Stimmen bekommen – vor allem auch von ehemaligen Linken-Wählern. Bei der aktuellen Wahl werden sie in den Prognosen gar nicht mehr mit aufgezählt – sondern landen unter dem Punkt "Andere". 
  • Die leeren Büros der Piraten könnten stattdessen die Mitglieder der AfD beziehen. Bei etwa 6 Prozent in den Umfragen rangiert die rechtspopulistische Partei momentan, das wären etwa fünf der rund 70 Sitze im Parlament. 
  • Ebenfalls eine Chance auf den Wiedereinzug haben die Linken. 2012 mussten sie mit herben Verlusten den Landtag verlassen. Mit knapp unter 5 Prozent in den Umfragen wird hier vor allem die Wahlbeteiligung über Einzug oder Niederlage entscheiden. 
  • Erstmals dürfen in diesem Jahr auch 16-Jährige mitwählen. Ob die 59.000 Erstwähler allerdings von ihrem Recht Gebrauch machen, ist unklar. Zusammen machen sie etwa 2,5 Prozent aller Wahlberechtigten im Bundesland aus ("Die Zeit").
"Schleswig-Holstein" bedeutet immer auch "Skandale" – was ist diesmal passiert? 

Für norddeutsche Verhältnisse war der Wahlkampf ungewohnt mild und leise. Ein paar Skandälchen ließen sich dennoch nicht vermeiden:

  • Am prominentesten ist wohl die Behauptung einer Gewerkschafterin, die in einem Live-TV-Duell der beiden Spitzenkandidaten behauptete, CDU-Mann Daniel Günther habe sie einmal "Verdi-Schlampe" genannt. Belege für die Behauptung konnte sie allerdings nicht vorweisen, später ruderte sie zurück. Günther selbst weist den Vorwurf von sich und verweist auf Landtagsprotokolle als Beweis (shz).
  • Dann stellten sich vor allem weibliche Wählerinnen die Frage, ob der Ministerpräsident vielleicht ein Sexist sein könnte: In einem Interview sagte er über die Trennung von seiner Frau, sie sei "in der Rolle der Mutter und Managerin unseres Haushaltes gefangen" gewesen (Tagesschau).
  • Ebenfalls unangenehm aufgefallen ist ein (mittlerweile ausgetretener) Kandidat der AfD – bei einer Podiumsdiskussion in einer Schule (Kieler Nachrichten). Auf die Frage einer Schülerin zu seiner Einstellung gegenüber Homosexualität antwortete der ehemalige Pirat und Linke, Wolfgang Rotsolk: 
Die Männer sollen sich ruhig weiter selbst gegenseitig in den Arsch ficken. Lesbenpornos sehe ich mir ganz gern an.
Wolfgang Rotsolk, damals AfD
Wer steht eigentlich zur Wahl? Und was wollen die? 
Der amtierende Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) war bis 2009 Sprecher von Finanzminister Peer Steinbrück und dann Kieler Oberbürgermeister.
Albigs Sympathiewerte sind durchwachsen. Auch weil er, wie er selbst sagt, "ein arroganter Sack" war.
Der 43-jährige Daniel Günther von der CDU wurde vor allem für seinen Vorschlag bekannt, Schweinefleisch in Mensen und öffentlichen Kantinen verpflichtend anzubieten.
Sein größtes Problem: Kaum einer kennt ihn, der Parteivorsitz wechselte in den letzten Jahren zu oft.
Der stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende und Anwalt Wolfgang Kubicki ist vor allem aus Talkshows bekannt, in denen er gerne als Gast geladen wird.
Überraschend: Kubicki hält sich auch eine mögliche Koalition mit der SPD offen.
Die Grünen treten – quasi – mit einer Doppelspitze an: Finanzministerin Monika Heinold und Umweltminister Robert Habeck.
Habeck steht zwar nicht zur Wahl, sorgt durch hohe Sympathiewerte aber für gute Umfragewerte. Heinold sieht im Finanzministerium "weniger Sparen und mehr Gestalten".
Jörg Nobis ist Landesvorsitzender der AfD und war zuvor nautischer Offizier – und relativ unbekannt. AfD-Mitglieder aus Ostdeutschland sagen dem nördlichsten Ableger der Partei nach, nicht radikal genug zu sein.
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Um welche Fragen geht es inhaltlich?
  1. Bildung: Die CDU hatte die Verkürzung der Zeit bis zum Abitur vor einigen Jahren selbst eingeführt, nun ist sie wieder dagegen. Anstelle von acht soll das Abi nun doch wieder neun Jahre dauern.
    Die Konkurrenz von der SPD, aber auch die FDP distanzierten sich von der Forderung.
    Außerdem will die CDU zuvor abgeschaffte Schulart-Empfehlungen wieder einführen und das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Behinderungen beschränken – da es sich "nicht bewährt" habe. (shz)
  2. Sicherheit: Alle Parteien bis auf die Linke sind sich einig, mehr Geld in die Polizei pumpen zu wollen. SSW und Grüne fordern mehr Privatsphäre, die CDU möchte hingegen mehr Videoüberwachung. Die AfD wünscht sich Elektroschock-Pistolen für Polizisten.
  3. Flüchtlinge: Hier gehen die Ideen am weitesten auseinander. Die SPD und Grünen wollen mehr Integrationsarbeit leisten und das Ehrenamt stärken. Der SSW will ein Integrationsministerium aufbauen, die Linken einen "konsequenten Abschiebestopp" umsetzen.
    Die CDU fordert, dass Geflüchtete die "deutsche Leitkultur" akzeptieren, bei Verweigerung drohe Abschiebung. Und die AfD will das Kirchenasyl aufheben, damit leichter Menschen abgeschoben werden können. 
Du weißt noch nicht, wen du wählen solltest? Dann mach hier den Wahl-O-Mat!

Haha

Findest du die Dildos auf ihren Bildern?

Dildos anstelle von Rucksäcken, Sonnenbrillen oder Lippenstiften: Auf dem Instagram-Account "Subtle Dildo" wird Sexspielzeug als Alltagsgegenstand irgendwie in ziemlich chaotischen Fotos zu versteckt.

Hinter der Idee stecken vier Freunde, die mit dem Spaß mittlerweile rund 56.000 Follower haben – bei erst knapp 100 Fotos. Sie selbst nennen das ganze ein "Kunstprojekt über den Gummi unserem Leben":