Bild: Symbolbild/ Unsplash/ Martino Pietropoli
Jetzt ermittelt der Staatsschutz

Der SC 1920 Myhl hat sieben Spieler seiner Fußballmannschaft aus dem Verein geworfen, weil sie auf einem Mannschaftsfoto den Hitlergruß gezeigt haben. Der Verein distanzierte sich deutlich von der Aktion.

Was war passiert?

Der Sponsor des SC 1920 Myhl, der einen Imbiss betreibt, hatte der Mannschaft einen Satz neue Trikots zum Aufwärmen spendiert. Beim Mannschaftsfoto forderte er die Spieler dann auf, "aus Spaß" den Hitlergruß zu zeigen. Das Foto postete der Sponsor auf Facebook und nahm es nach wenigen Minuten wieder aus dem Netz. Dennoch verbreiteten sich Screenshots des Posts schnell auf allen sozialen Netzwerken.

Wir haben beim Verein nachgefragt:

"Der Mann ist türkischstämmig und wollte das im Nachhinein als Satire verkaufen", sagte der Vorsitzende des Vereins Marc Winkens zu bento

Unter dem Facebook-Post hatte der Sponsor #wirsindnochmehr geschrieben – eine Anspielung auf die #wirsindmehr-Initiative. Nach den Vorfällen von Chemnitz, bei denen einige rechtsextreme Demonstranten den Hitlergruß gezeigt und randaliert hatten, positionierten sich viele Social-Media-User unter dem Motto #wirsindmehr gegen rechte Ideologien. Was genau der Imbiss-Besitzer damit aussagen wollte, bleibt unklar.

"Diese Satire des Posts hat sich mir nicht erschlossen", kritisierte Winkens

Er betonte aber auch, dass nicht die gesamte Mannschaft bei der Aktion mitgemacht hatte.

Wie ging es dann weiter?

Die insgesamt sieben Spieler, die auf dem Foto den verbotenen Gruß zeigten, wurden aus der Mannschaft suspendiert und aus dem Verein geworfen. "Für einen kleinen Verein wie uns ist so eine Aktion eine Katastrophe", sagte Winkens. Der Verein distanziere sich ganz deutlich sowohl von dem Bild, als auch von dem Gedankengut, so Winkens.

Wie "Rheinische Post" berichtet, hatte der Sponsor danach den Verein aufgefordert, die Spieler wieder aufzunehmen. Er nahm die Schuld auf sich und versuchte Druck auf den Verein auszuüben. "Wenn die Jungs zurückkehren, mache ich auch als ihr Sponsor gerne weiter", sagte er der "Rheinischen Post". Ansonsten würde sein Engagement mit einem bitteren Beigeschmack enden.

Das werde der Verein aber nicht tun, betonte Winkens: "Wir werden die Spieler nicht wieder aufnehmen und wir haben auch kein Interesse mehr, mit dem Sponsor zusammenzuarbeiten. Die Trikots mit dem Aufdruck seines Lokals sind bereits in Müllsäcke gepackt worden und werden demnächst entsorgt", sagte Winkens.

Mitleid mit den Spielern hat Winkens deshalb nicht. "Wenn ich ein Trikot eines Vereins trage und so etwas mache, dann muss man sich bewusst sein, das fällt auf den Verein zurück", erklärte er bento die Entscheidung.

Die Spieler hätten in der Situation sagen müssen: "Da mache ich nicht mit"
Marc Winkens, Vereinsvorsitzender SC 1920 Myhl

Sind das die einzigen Konsequenzen für die Spieler und den Sponsor?

Nein. Denn neben der Suspendierung und dem aufgekündigten Sponsoringvertrag bekommen die Beteiligten noch ganz andere Probleme: Der Staatsschutz ermittelt wegen des Verdachts des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, so die Presseprecherin der Polizei Aachen, Petra Wienen. "Die Strafbarkeit festzustellen, ist nun die wichtigste Aufgabe", betont sie. (Rheinische Post)

Das Zeigen des Hitlergrußes ist in Deutschland verboten. Damit auch eine Straftat vorliegt, brauche es allerdings eine "öffentliche Wirkung", so Wienen. Ob diese öffentliche Wirkung durch das Posten auf Facebook gegeben war, prüfen nun die Behörden. 

Sollte festgestellt werden, dass die Aktion strafbar ist, droht allen bis zu drei Jahren Haft oder eine Geldstrafe. 


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