Bild: Getty Images / Muhammad Hamed

Für Mohammed bin Salman ist 2015 ein hektisches Jahr. Vorher war der Prinz inmitten der unzähligen anderen saudischen Prinzen kaum weiter aufgefallen. Dann wurde der 30-Jährige im Januar überraschend zum Verteidigungsminister ernannt, dem jüngsten der Welt. Und nebenbei auch noch zum Vize-Kronprinz, also dem übernächsten Mann an der Spitze Saudi-Arabiens. Seitdem geht es in Höchstgeschwindigkeit weiter.

Im März hat der Prinz eine saudi-geführte Militärintervention im Jemen gestartet, die noch andauert und in Saudi-Arabien zwar auf Zustimmung stößt, international jedoch als Desaster gilt. Im Mai bekam Prinz Mohammed von seinem Vater, König Salman, die Aufsicht über Saudi Aramco übertragen, die staatliche Ölfirma. Verbunden mit der drängenden Aufgabe, die saudi-arabische Wirtschaft zu reformieren.

Nun hat Mohammed bin Salman auch noch eine von ihm angeführte internationale Allianz gegen den Terror ausgerufen. Weltweit, gegen jegliche Form des Terrorismus. Was hat es damit auf sich? In einer im saudi-arabischen Fernsehen übertragenen Pressekonferenz, ein seltenes Ereignis, hat Mohammed bin Salman ein paar Details über das neue Bündnis verraten. Vieles mehr ist allerdings noch offen.

Wer gehört dem neuen Bündnis an?

Nach saudi-arabischen Angaben sind es 34 Länder, die alle auch Mitglieder der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) sind. Die OIC hat ihren Sitz in Saudi-Arabien und erhebt den Anspruch, die muslimische Welt zu repräsentieren.

Wer fehlt?

Nicht alle 57 OIC-Mitglieder sind dabei. Am auffälligsten ist die Abwesenheit Irans und seiner Verbündeten Irak und Syrien. Sudan wiederum ist dabei: Das Land war in den vergangenen 12 Monaten vom Iran-geführten Lager in das rivalisierende saudi-arabische Lager übergewechselt. Vor allem dank saudischer Scheckbuch-Diplomatie. Afghanistan, das außenpolitisch zwischen Iran und Saudi-Arabien balancieren muss, fehlt ebenso wie sämtliche ex-sowjetischen zentralasiatischen Staaten, in denen Russlands Einfluss groß ist. Oman, das sich außenpolitisch als neutraler Vermittler präsentiert, ist ebenfalls nicht dabei.

Welche Ziele verfolgt die neue Allianz?

In diesem Punkt war Prinz Mohammed besonders vage. Man werde die bisherigen Bemühungen im Kampf gegen den Terror in Irak, Syrien, Libyen, Ägypten und Afghanistan besser "koordinieren". Was dies konkret bedeuten soll, verriet er nicht. Nur so viel: Man werde nicht allein handeln, sondern in Abstimmung mit "den wichtigsten Mächten" und der "internationalen Gemeinschaft". Ohnehin gehören die wichtigsten Mitglieder der neuen Allianz bereits dem US-geführten Bündnis gegen den "Islamischen Staat" an.

Welche Konflikte gibt es?

Wie bei allen großen Allianzen ist man sich auch hier eher einig darüber, was man nicht will, als darüber, was man will. Das gemeinsame Feindbild - nicht nur der IS, sondern auch Iran - hält sie vorübergehend zusammen. Die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedern wird unterschiedlich eng und teils von altem Misstrauen überschattet sein.

Regionalmacht-Anspruch

Saudi-Arabien will eine wichtigere Rolle spielen auf der internationalen Bühne - als wichtigster Player in der Region. Der Druck auf das Land ist zuletzt gestiegen: Saudi-arabische Verbündete wie Deutschland und die USA haben sehr deutlich gemacht, dass sie mehr von Riad erwarten. Außer Saudi-Arabien sind nicht mehr viel andere arabische Länder übrig sind, die als Regionalmacht in Frage kommen: Irak, Syrien und Ägypten sind mit sich selbst beschäftigt.

(Bild: Google Maps)
Soft Power

Als Bündnis muslimischer Länder gegen islamistischen Terror kommt der Allianz große Symbolkraft zu. Die braucht das Königshaus Saud unbedingt. Auch wenn Saudi-Arabien sich selbst als Opfer des IS sieht, halten viele internationale Beobachter das Land für einen Teil des Problems. Der ideologische Unterschied zwischen dem IS und Saudi-Arabien ist gering. Zudem hat Riad vermutlich weggeschaut bei Geld- und Waffenlieferungen an radikale Gruppen. Dazu kommt die erneute Blamage als Hüter der Heiligen Stätten des Islam - die dem Ansehen des Landes geschadet hat: Bei der Hadsch, der islamischen Pilgerfahrt nach Mekka, sind 2015 nach saudi-arabischen Angaben 769 Pilger in einer Massenpanik ums Leben gekommen. Die Nachrichtenagentur AP geht auf Basis der Todeszahlen der Herkunftsländer jedoch davon aus, dass die tatsächliche Zahl sogar bei über 2177 Getöteten liegt.

Die Position von Prinz Mohammed bin Salman

Beobachter des saudischen Königshauses gehen davon aus, dass der derzeit mächtigste Prinz innerhalb der Königsfamilie nicht unumstritten ist. Um seine Position abzusichern, braucht er vorzeigbare Erfolge.

Dieser Text ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.