Die Weißrussin war zuvor in Thailand verhaftet worden.

Das Callgirl Anastasia Waschukewitsch hat sich in einem Hilferuf an die USA gewandt. Die junge Weißrussin mit dem Künstlernamen Nastja Rybka – zu Deutsch: Fischchen – bittet das Land um Asyl.

Waschukewitsch, die in Russland für Schlagzeilen gesorgt hat, weil sie ein Treffen des russischen Oligarchen Oleg Deripaska mit dem russischen Vizepremier Sergej Sergej Prichodko filmte, bei dem die Männer über die USA diskutierten, sitzt seit einigen Tagen in Thailand in Haft.

Alle Hintergründe zu dem Fall:

Auf einem der Fotos, die sie auf ihrem Instagram-Account postete, sitzt sie in Shorts und T-Shirts auf dem Boden. Das Escort-Girl ruft die amerikanischen Behörden auf, ihr zu helfen. Im Gegenzug bietet sie Informationen über Verbindungen von russischen Vertretern zu Trump anlässlich der US-Wahl.

Sie meldete sich auf Instagram gleich in mehreren Video-Hilfsaufrufen aus den Gefängnistransportern zu Wort. "Ich bin die einzige Zeugin und das fehlende Stück in der Verbindung zwischen Russland und der Wahl in den USA – die lange Kette von Oleg Deripaska, Prichodko, Manafort und Trump", sagt sie in einem der Filme. Was genau für Informationen sie hat, sagt sie nicht. Auch auf Nachfrage der Nachrichtenagentur AP will sie das nicht konkretisieren.

Waschukewitsch war laut thailändischen Behörden mit einem russischen Pass mit Touristenvisum ins Land eingereist. Am 26. Februar wurde sie mit neun weiteren Männern und Frauen in einem Hotel in Pattaya festgenommen, wo sie mit ihrem Partner Alexander Kirillow (Pseudonym Alex Lesley) ein "Sex-Training" gab. Er ist stets an ihrer Seite, nennt sich "Sex-Guru", betreibt zudem ein Start-up in Moskau für medizinische Prognosen.

Videoaufnahmen der "Bangkok Post" zeigen die Gruppe in einer Polizeistation, sie tragen T-Shirts mit der Aufschrift "Sex Animator". Die Behörden werfen Waschukewitsch und Kirillow vor, ohne Arbeitserlaubnis in Thailand tätig gewesen zu sein. Den Hinweis, so vermutet ein Teilnehmer des Seminars in einer russischen Zeitung, sollen sie von einem anderen Konkurrenten, einem "Sex-Seminar"-Anbieter, bekommen haben. Das viertägige Sex-Seminar soll laut "Bangkok Post" rund 1160 Euro gekostet haben. Das Blatt berichtete über die Festnahme in seiner Rubrik "Crime".

Kirillow hat dem US-Konsulat in Bangkok inzwischen einen Brief übergeben, in dem er und Waschukewitsch Asyl ersuchen. Sie glauben, dass ihre Festnahme in Thailand politische Gründe hat. Zuletzt hatten sich die beiden in Dubai aufgehalten. In dem Schreiben, das der TV-Sender Russia Today veröffentlichte, erklärt Kirillow, dass Waschukewitsch ein Jahr lang die Geliebte des russischen Oligarchen Deripaska gewesen sei, sie habe "Fotos - Video - Audios" über "Verbrechen der russischen Regierung".

Ein Sprecher von Deripaska bestritt, dass Waschukewitsch dessen Geliebte war. Sie hat Bücher über ihre Zeit mit dem Oligarchen geschrieben, der Titel eines der Bücher lautet: "Tagebuch, wie man einen Milliardär verführt". Sie beschreibt darin das Treffen auf der Jacht, nennt die Männer aber nicht bei ihren Namen, sondern Deripaska "Ruslan", den Vize-Premier "Papa". Der Oligarch hat die Prostituierte und Kirillow verklagt – auf ihrem Instagram-Account sind die Bilder von ihr und Deripaska inzwischen gelöscht.

Der Oppositionelle Alexej Nawalny hatte die Bilder Anfang Februar in einem Video veröffentlicht. Er warf Vizepremier Prichodko Korruption vor und fragte nach der Rolle von Deripaskas. Ihm werden gute Verbindungen zu Präsident Wladimir Putin nachgesagt – und nun auch in die USA.

Nawalny-Video (mit englischen Untertiteln):

Der ehemalige Wahlkampfmanager von Donald Trump, Paul Manafort, soll dem Oligarchen Deripaska Medienberichten zufolge bereits im Juli 2016 in einer E-Mail private Briefings über die Wahlkampagne angeboten haben. Deripaska bestreitet, solche Briefings erhalten zu haben.

Er bestätigt allerdings, dass er mit Manafort geschäftlich zu tun hatte. Der Lobbyist war unter anderem in der Ukraine aktiv. Manafort beriet den Kreml-freundlichen ukrainischen Politiker Wiktor Janukowytsch, der Ex-Präsident soll einer seiner besten Kunden gewesen sein soll. Manafort war auch im Investmentbereich tätig. Inzwischen ist er wegen verschiedener Vergehen, darunter Geldwäsche, angeklagt. Deripaska selbst ist gegen Manafort vor Gericht gegangen, wegen angeblichen Betrugs.

In Russland sorgten Meldungen für Schlagzeilen, dass der Chef des russischen Sicherheitsrats, Nikolaj Patruschew, kurz nach der Festnahme des Escort-Girls nach Thailand gereist war. Offiziell sei er dort wegen "Fragen der Sicherheit russischer Touristen", berichtete die Nachrichtenagentur Ria Nowosti. Patruschew war früher Geheimdienstchef und ist ein Vertrauter Putins. Der Kreml wies einen Zusammenhang zwischen der Festnahme und dem Besuch zurück.

Waschukewitsch glaubt das offenbar nicht. Der Nachrichtenagentur AP sagte sie, sie fürchte um ihr Leben: Der russische Geheimdienst FSB habe sich eingemischt, sie wolle nicht nach Russland abgeschoben werden. Dort werde sie im Gefängnis landen.

Mitarbeit: Katya Kuznetsova



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