In der Serie "Das anonyme Job-Protokoll" erzählen Menschen ganz subjektiv, was ihren Job prägt – ob Tierärztin, Staatsanwalt oder Betreuer im Jobcenter.

Eigentlich ist mein Beruf ein Traumjob. Aber der Dienst im Karneval ist der stressigste des Jahres. Ich arbeite seit 22 Jahren als Sanitäter und versuche jedes Jahr, an den Tagen zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch freizuhaben. Leider klappt das nicht immer. Ich bin absolut kein Karnevalsfan. Hier bei uns am Niederrhein eher eine Seltenheit.

Die ersten Betrunkenen transportieren wir schon am Donnerstag, Weiberfastnacht, gegen 17 Uhr. Danach sind meine Kollegen und ich bis Aschermittwoch im Dauereinsatz. Viele Feiernde verschätzen sich mit der Alkoholmenge, die sie vertragen können. Hinzu kommt schlechte Luft in den Veranstaltungsräumen oder der Umstand, dass der Karnevalist zu wenig gegessen hat.

Es kommt immer wieder vor, dass sich die Leute in unserem Wagen übergeben. Dann fahren wir direkt nach dem Einsatz zur Hauptwache und desinfizieren das ganze Fahrzeug gründlich. Dabei unterstützen uns hauptamtliche Desinfektoren. Wenn wir nicht ordentlich arbeiten, übertragen sich Keime direkt auf den nächsten Patienten.

Stürze in alkoholisiertem Zustand, Schnittwunden durch Flaschen oder Schlägereien gehören zu den häufigsten Ursachen für Einsätze im Karneval. Die meisten Menschen sind dankbar für unsere Arbeit. Manchmal bekomme ich Briefe von ehemaligen Patienten, die sich für ihr Verhalten entschuldigen. Ein vollgespuckter Krankenwagen ist den meisten peinlich, wenn sie wieder nüchtern sind.

Im letzten Jahr bin ich bei einem Einsatz angegriffen worden. Ein 19-Jähriger bedrohte mein Team unter Drogen- und Alkoholeinfluss. Er versuchte, uns zu schlagen. Mit einem Kollegen und zwei Polizisten konnten wir den Mann im Rettungswagen fixieren. Mein Kollege bekam einen Tritt ins Gesicht und brach sich die Nase. Ich musste mit einer Rippenprellung ins Krankenhaus.

Mehr Karnevalsprobleme:

Besonders erschreckend finde ich, dass die Schnapsleichen immer jünger werden: Die jüngste, die ich transportiert habe, war zwölf Jahre alt und hatte 3,6 Promille Alkohol im Blut. Wir haben das Kind in ein Kinderkrankenhaus gebracht, wo es weiter versorgt wurde. Es bekam eine Windel. Bei einem derartigen Alkoholspiegel im Blut kann der Patient seine Ausscheidungen meist nicht mehr kontrollieren.

Auch eine intensive Überwachung während der Ausnüchterung und eine Behandlung mit Infusionen sind oft nötig. Weil so junge Menschen ihren Ausweis selten bei sich haben, wird oft die Polizei hinzugezogen. Die machen dann die Eltern ausfindig. Manche Ärzte unterschreiben den Schein nicht, den die Krankenkasse benötigt, um die Kosten für die Fahrt im Krankenwagen zu übernehmen. Dann müssen die Eltern die rund 400 Euro bezahlen.

Am Rosenmontag gab es einmal einen schweren Unfall. Ein Mann war über die Absperrung gestürzt und fiel mitten in den Festumzug. Seine Beine wurden von einem Trecker überrollt, der einen Festwagen zog. Der Mann konnte glücklicherweise gerettet werden. Auch Unfälle mit scheuenden Pferden kommen häufig vor. Für die Fluchttiere ist die Lärmbelastung groß, und sie bekommen Angst.

So geschehen zum Beispiel hier:

Bei den Karnevalsumzügen werden wir von vielen ehrenamtlichen Helfern der freiwilligen Feuerwehr und der Hilfsdienste unterstützt. Ohne sie könnten wir die Sicherheit der Tausenden Feiernden nicht gewährleisten.

Besonders gern erinnere ich mich an den Rosenmontag, an dem ich ein kleines Mädchen auf die Welt geholt habe. Die Mutter rief von ihrer Wohnung aus an und klang noch relativ entspannt. Als wir mit zwei Sanitätern ohne Notarzt eintrafen, um die Frau ins Krankenhaus zu fahren, stand die Geburt des Kindes aber schon unmittelbar bevor. Die Kleine kam im Rettungswagen zur Welt und war zum Glück gesund. Die Mutter war uns so dankbar, dass sie uns zur Taufe ihrer Tochter einlud.

Gewöhnlich arbeite ich zwei Schichten in einer Woche, die jeweils 24 Stunden dauern – von sieben Uhr bis sieben Uhr. Eigentlich sollten wir nach jeder Schicht 48 Stunden frei haben. Aber es kommt vor, dass ich drei 24-Stunden-Schichten in einer Woche übernehmen muss – nicht nur in der Karnevalszeit.

Ich liebe meinen Beruf. Aber er ist kräftezehrend und mit etwa 2300 Euro brutto im Monat nicht gut bezahlt. Sanitäter sind keine Ärzte, haben aber trotzdem ein breites Wissen über Medikamente und verschiedene Krankheitsbilder. Ich muss immer voll konzentriert sein. Wenn ich einen Fehler mache, kann das im schlimmsten Fall ein Menschenleben kosten.


Dieser Text ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.

Weitere Einsichten aus dem Leben eines Sanitäters:


Tech

Menschen könnten bald sehen, wenn du bei Instagram Stories einen Screenshot machst

Es gibt verschiedene Gründe, einen Screenshot von einer Instagram-Story zu machen.

  • Weil man darin ein Restaurant sieht, in das man auch mal gehen möchte zum Beispiel.
  • Oder genau den Sessel, der sich perfekt unter dem Fenster machen würde.
  • Oder halt, weil jemand darin etwas furchtbar Peinliches macht, über das man dringend mit der besten Freundin reden muss.

Egal, worum es geht – meistens möchte man eher nicht, dass der andere Nutzer merkt, dass man diesen Screenshot gemacht hat. Denn: Diese Person hat die Story ja gerade in dem Glauben gepostet, dass sie nach 24 Stunden verschwindet.

Mit der Heimlichtuerei könnte nun Schluss sein: Instagram testet derzeit eine Funktion, durch die alle Nutzer sehen, wer einen Screenshot von ihrer Story gemacht hat. (Techcrunch)

Bisher ist die Funktion nur für einige User vorhanden. Diese erhalten bei Nutzung der App zunächst eine Warnung: Sobald sie das nächste Mal ein Foto von der Story eines Freundes machen, sei dieser in der Lage, das zu sehen.

So sieht das dann aus: