Bild: dpa / privat (bento-Montage)
"Die Kirche hat viel zu lange geschlafen."

Alle paar Jahre treffen sich Tausende junge Katholikinnen und Katholiken in Rom. Diese Woche findet die sogenannte Ministrantenwallfahrt wieder statt. Papst Franziskus empfing am Dienstag rund 60.000 Menschen zu einer zweistündigen Audienz auf dem Petersplatz – allein 50.000 von ihnen sind Deutsche. (katholisch.de)

Maxi ist einer von ihnen. Der 22-jährige Jurastudent aus der Nähe von München war 2010 das erste Mal mit anderen Katholiken in Rom. 

Wir haben ihn gefragt, warum er lieber mit anderen Gläubigen durch Rom läuft als in den Sommerurlaub zu fahren.

Du bist jetzt bereits zum dritten Mal bei der Ministrantenwallfahrt in Rom dabei. Was macht es für dich zu einem besonderen Ereignis?

Das erste Mal vor acht Jahren war für mich noch die Möglichkeit, sich Rom mit meinen Freunden anzuschauen. Jetzt habe ich schon alles gesehen, daher ist es nun die Gemeinschaft, die die Fahrt für mich zu etwas Besonderem macht. Die Kinder aus der Ministrantengruppe, die ich in meiner Gemeinde betreue, sind auch alle dabei – das bringt uns noch enger zusammen.

Was ist eine Ministrantin oder ein Ministrant?

Sie sind Messdiener in der römisch-katholischen Kirche. Das heißt: Sie unterstützen den Ablauf des Gottesdienstes. 

In den meisten Gemeinden ist es üblich, dass Kinder mindestens die Erstkommunion haben müssen, um in den Ministrantendienst einzutreten. Diese findet meist im Alter von sechs bis zwölf Jahren statt. Nach oben ist die Altersgrenze des Ministrantendienstes offen.

Die Ministrantengruppe einer Gemeinde ist häufig genau wie andere Jugendgruppen, veranstaltet Treffen und gemeinsame Ausflüge.

Allerdings gibt es immer weniger von ihnen: In Deutschland standen laut einer Erhebung für die Jahre 2016/2017 rund 360.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Ministrantendienst. Neun Jahre zuvor waren es noch rund 76.000 mehr. 

Was ist für dich der Höhepunkt der Reise?

Wir haben im Deutschen Friedhof im Vatikan eine kleine Andacht gehalten, in der wir den Verstorbenen gedacht haben, die wir kannten – darunter auch ein Ministrant, der in diesem Jahr gestorben ist. Manche von uns kannten ihn sehr gut. Dieses Gedenken war ein stiller Höhepunkt für mich, etwas sehr Besinnliches.

Was gibt dir die Religion in Zeiten, in denen viele Menschen aus der Kirche austreten?

Ich kenne viele Jugendliche, die mit vielen kirchenpolitischen Entscheidungen eigentlich gar nicht einverstanden sind und auch nicht danach leben. Für mich ist das Wichtige die Ortskirche und die Gemeinschaft, die man dort erlebt. 

Und dort kann man auch etwas ändern: Zum Beispiel im Jugendgottesdienst moderner werden oder ein bisschen variieren. Das macht besonders viel Spaß.

Was würdest du zu Leuten sagen, die es überhaupt nicht verstehen können, dass du eine Wallfahrt so abfeierst?

Das muss jeder für sich selbst entscheiden – für manche ist Religion etwas, für andere nicht. Wenn jemand mit Religion nichts anfangen kann, dann respektiere ich das. Manchmal gibt es Momente, in denen ich es schade finde, dass andere Menschen nicht glauben. Aber es ist ja für jeden eine freie Entscheidung.

Allerdings treffe ich oft Menschen, bei denen sich während der Unterhaltung herausstellt, dass sie auch mal Ministranten waren oder sich anderweitig in der Kirche engagieren. Das erstaunt mich immer wieder.

Wie bist du dazu gekommen, Ministrant zu werden?

Ich bin schon seit 2005 Ministrant. Mein Vater war ebenfalls Ministrant und hat mir geraten, doch mal hinzugehen. Es hat Spaß gemacht, also bin ich dabeigeblieben. 

Seit 2012 leite ich jetzt meine eigene Gruppe. Wir treffen uns jede Woche, machen eine Gruppenstunde, spielen etwas, überlegen uns gemeinsame Aktionen. Mittlerweile sind "meine" Kinder zwischen 15 und 16 Jahre alt. Wir sehen uns so häufig – da ist es ein schönes Gefühl, sie aufwachsen zu sehen. 

Die Kirche hat viel zu lange geschlafen.
Maxi

Ihr habt am Dienstag Papst Fraziskus auf dem Petersplatz zugehört. Wie stehst du zum aktuellen Papst?

Ich finde, er ist ein erster Schritt in die richtige Richtung: zu einer moderneren, anpassungsfähigeren Kirche, die nicht in die Vergangenheit schaut, sondern den Blick in die Zukunft richtet. In der Kirche gibt es immer den Verweis auf alte Traditionen. Neue Interpretationen des Glaubens werden häufig abgeblockt, wobei sich gerade viele Jüngere eher damit identifizieren können. 

Papst Franziskus stößt von oben langsam neue Dinge an. Manchmal bin ich trotzdem enttäuscht, dass es nicht schneller geht, aber alte Strukturen ändern sich nicht von heute auf morgen.

Die Kirche hat viel zu lange geschlafen. Daher bin ich echt froh, dass endlich ein Lichtblick kommt und Versuche unternommen werden, die Kirche zu modernisieren. Denn so, wie sie aktuell ist, spiegelt sie einfach nicht mehr die Lebenswelt wider, in der die meisten Leute leben.


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