Bild: Bodo Marks/dpa

Bei den Grünen tut sich was. Im Januar soll auf der Bundesdelegiertenkonferenz ein neuer Parteivorstand gewählt werden. Eines steht fest: Cem Özdemir wird nicht mehr Chef sein. Und deshalb machen die potentiellen Nachfolger schon mal Werbung für sich. Die größten Hoffnungen kann sich Robert Habeck, 48, machen. Er sagte jetzt der "taz": "Ich werde mich auf der Bundesdelegiertenkonferenz im Januar um dieses Amt bewerben." 

Der Name sagt dir noch nichts? Das solltest du über Habeck wissen: 

1. Er ist Umwelt- und Agrarminister in Schleswig-Holstein.

Derzeit arbeitet er also noch in der Landesregierung von Schleswig-Holstein – ein Bundesland in dem eine Jamaika-Koalition regiert. Wenn es aber mit dem Parteivorsitz klappen sollte, dann will Habeck den Ministerposten allerdings aufgeben. 

"Die Entscheidung ist mir extrem schwer gefallen, weil ich viele Dinge gegeneinander abwägen musste", sagte er der "taz". Sollte er gewählt werden, gibt er sich allerdings eine Übergangszeit von etwa einem Jahr. 

2. Bevor er in die Politik ging, arbeitete er als Kinderbuchautor.

Habeck zog es auch mal in den Süden des Landes: In Freiburg im Breisgau studierte er Germanistik, Philosophie und Philologie. Der promovierte Geisteswissenschaftler schrieb mehrere Romane und Kinderbücher.

Mittlerweile lebt er mit seiner Frau und vier Söhnen in einem Dorf an der dänischen Grenze. Details über sein Privatleben gibt es kaum. Er sagt: "Ich möchte auf keinen Fall, dass meine Kinder mal irgendwann für das büßen müssen, was ich politisch richtig oder falsch entscheide oder was unbequem ist."

Hier ist Habeck gerade beim NeoMagazin zu Besuch:
3. Er war Unterhändler bei den Jamaika-Verhandlungen auf Bundesebene.

Weil die Jamaika-Verhandlungen scheiterten, könnte es nun eine Wiederauflage der Großen Koalition, eine Minderheitsregierung oder Neuwahlen geben. Habeck selbst hat mit CDU/CSU und FDP verhandelt und auch er war nicht besonders glücklich über die Gespräche. 

"Es lag von Anfang an kein Segen drauf. Auch wir Grünen haben sicher mehr als ein Dutzend Mal an Abbruch gedacht, aber uns immer wieder mühsam zusammengerauft. Man sollte jetzt nicht so tun, als hätte die Sonne über Jamaika geschienen, wenn die FDP geblieben wäre." (SPIEGEL ONLINE)

4. Er wollte schon einmal in den Bundesvorstand gewählt werden – und scheiterte.

Habeck hat in der Partei schnell Karriere gemacht: Von 2004 bis 2009 war er Landesvorsitzender, 2012 übernahm er den Posten des Umweltministers und den des stellvertretenden Ministerpräsidenten. Damit nicht genug, er wollte noch mehr: "Ich kann mich erinnern, dass ich als Beisitzer für den Bundesvorstand der Grünen kandidiert habe und - völlig überraschend für mich - nicht gewählt wurde. Da musste ich richtig lange dran knabbern." (NDR)

Auch bei der vergangenen Bundestagswahl wollte Habeck eigentlich als Spitzenkandidat für die Grünen antreten. Er verlor bei einer Urwahl knapp gegen Özdemir.

Nun aber sieht es so aus, als könne Habeck endlich sein Ziel erreichen und im kommenden Jahr an der Parteispitze stehen.

Normalerweise besteht der Vorsitz der Partei immer aus einem Mann und einer Frau. Simone Peter, jetzige Co-Chefin, will weiter im Amt bleiben. Sie repräsentiert den linken Flügel der Partei. Habeck eher den Realo-Flügel.

Doch er bekommt Konkurrenz von Annalena Baerbock, 36. Auch sie war bereits im Jamaika-Sondierungsteam der Grünen. Habecks Wahl gilt trotzdem als wahrscheinlicher.


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