Bild: Julian Stratenschulte/dpa
Ricarda Lang über den Hass, der ihr entgegenschlug

Blauer Himmel, strahlende Sonne und Temperaturen bis zu 38 Grad Celsius. Deutschland erlebt einen ungewöhnlich heißen und trockenen Sommer. Was für uns jede Menge Tage im Freibad bedeutet, ist auch ein Zeichen, dass sich das Klima immer mehr verändert. 

In anderen Regionen der Welt hat der Klimawandel noch deutlich größere Konsequenzen als Hitzewellen, wie wir sie aktuell erleben (bento). 

Deshalb forderte die Sprecherin der Grünen Jugend, Ricarda Lang, eine europäische Staatsbürgerschaft für Menschen, die vom Klimawandel bedroht sind (bento). Was folgte, war ein Shitstorm mit wüsten Beleidigungen, der auf die 24-Jährige einbrach.

Was genau hat Ricarda Lang gefordert?

Sie sagte, dass Bewohner von Inselstaaten, wie den Seychellen oder Fidschi, die Möglichkeit haben sollten, eine Staatsbürgerschaft eines europäischen Landes zu erhalten. Besonders Bürger der Inselstaaten im Pazifik seien vom Klimawandel betroffen und müssten fürchten, dass ihre Heimat künftig im Meer versinkt, so Lang zu bento.

Nach der Forderungen diesen Menschen einen "Klimapass" auszustellen, der ihnen eine europäische Staatsbürgerschaft ermöglicht, wurde Lang in den sozialen Medien heftig beleidigt.

bento hat mir ihr über den Shitstorm gesprochen.

Ricarda, du hast gefordert, dass Menschen, deren Heimat durch den Klimawandel unbewohnbar wird, in Europa eine Staatsbürgerschaft angeboten bekommen. Was geschah dann?

Ich bin Freitagmorgen aufgewacht und habe gesehen, dass auf meinem Handy sehr viele Nachrichten waren. Die dpa hatte meine Aussage verbreitet und viele Medien haben sie aufgegriffen. Das hat mich zunächst gefreut, da ich es extrem wichtig finde, dass wir eine Debatte über die Folgen der menschengemachten Klimakatastrophe führen. 

Doch dann habe ich schnell gemerkt, dass die Artikel offenbar auch in rechten Gruppen auf sozialen Netzwerken geteilt wurden. Daraufhin wurde ich systematisch angegriffen, beleidigt und bedroht.

Was waren die schlimmsten Dinge, die dir geschrieben wurden?

Von "harmlosen" Sachen wie "Such dir mal einen Job", bis zu heftigsten Beleidigungen gegen meinen Körper oder mich als Frau. Es gipfelte in Aussagen, dass man mich "Hure mit Säure entstellen und in einem Kerker anketten" sollte, bis ich "lebendig verfaule".

In ihrem Facebook-Post beschrieb sie diesen Tag:

Was davon hat dich am meisten getroffen?

Ich habe mit Shitstorms schon erste Erfahrungen, seit ich mich zum Thema Bodyshaming geäußert habe (bento). Ich habe also eigentlich ein dickes Fell. 

Was mich dieses Mal wirklich getroffen hat, war die Masse der Kommentare. Es war eine ganz andere Quantität – aber auch Qualität – der Beleidigungen. Und es wurde sehr persönlich. Zum Beispiel drohten Menschen, dass sie mir vor der Haustür auflauern werden. Am schlimmsten war, dass auch andere Mitarbeiter der Grünen Jugend wegen meiner Äußerungen bedroht wurden. 

Wie erklärst du dir diesen Hass? 

Viele Menschen wollen sich nicht mit den Folgen des Klimawandels auseinandersetzen. Sie denken, wir könnten das Thema ignorieren, solange es vor allem Menschen im globalen Süden betrifft. Doch durch die diesjährige Hitzewelle hat sich die Stimmung verändert. Immer mehr Menschen sehen, dass der Umgang mit dem Klimawandel die zentrale Frage unserer Zeit ist und dass wir Verantwortung für seine Auswirkungen übernehmen müssen. Doch das wollen viele nicht zulassen.

Außerdem bin ich als emanzipierte Frau, die eine selbstbewusste Meinung vertritt, eine beliebte Zielscheibe für rechte Gruppen. Ich habe schnell gemerkt: Es geht nicht um meine konkrete Forderung. Hier geht es vor allem darum, Menschen mundtot zu machen und sie aus dem öffentlichen Diskurs zu vertreiben. Besonders mich als linke Frau. 

Ich habe kein Problem damit, wenn Leute sagen: Das sehe ich ganz anders oder ich halte deine Forderung für falsch. Aber darum ging es nicht. Es ging darum, Angst zu verbreiten. Das Ziel ist, dass Menschen, die für eine progressive und humanitäre Politik streiten, sich nicht mehr trauen, kontroverse Forderungen aufzustellen. Doch sobald wir dem nachgeben, werden die Rechten gewinnen. 

Man fühlt sich wie vor einer Wand des Hasses, die über einem hereinbricht
Ricarda Lang, Sprecherin der Grünen Jugend

Was hat dir dabei geholfen?

Die Solidarität, die ich erlebt habe. Man fühlt sich anfangs als stünde man alleine vor einer Wand voller Hass. Wenn man dann merkt, dass es viele Menschen gibt, die hinter einem stehen, ist das ein superschönes und ermutigendes Gefühl. 

Jetzt geht es darum zu zeigen: Wir sind viele. Und wir werden Hass und Hetze nicht gewinnen lassen.


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