Bild: Revell/Screenshot bento

Der Modellbau-Hersteller Revell bietet "ein Sortiment, das im Stande ist, die Wünsche aller Modellbauer zu befriedigen". Ob Kinder oder Erwachsene, Profis oder Einsteiger, schreibt das Unternehmen auf seiner Webseite, hier könne sich jeder Träume erfüllen. 

Klingt erst mal gut – doch mit den Träumen, von denen das Unternehmen da spricht, sind offenbar auch Nazi-Fantasien gemeint. Denn Revell hat unter anderem ein Rundflugzeug mit dem Namen "Flying Saucer Haunebu" im Angebot.

Es ist mit dem Balkenkreuz dekoriert, dem Zeichen der Luftwaffe des Dritten Reichs. Das Fluggerät kann im 360-Grad-Radius andere Flugzeuge abknallen. Die Beschreibung dazu:

"1934 begannen die Arbeiten an den Rundflugzeugen. Ihr Antrieb und die Neutralisierung der Fliehkräfte im Innenraum erfolgten über Vril-Energiefelder. Flugfähige Exemplare der bis zu 6000 km/h schnellen Haunebu II starteten Mitte 1943, kamen aber kriegsbedingt über die Erprobungsphase nicht heraus."  

Das Problem: "Haunebu" gab es nie, auch nicht in einer "Erprobungsphase". Es handelt sich um eine Legende, die in Verschwörungstheorien aufgenommen wird, gerne von Rechten. So soll der Eindruck entstehen, dass die Nationalsozialisten technisch weit voraus waren, überlegen. 

Eine Theorie besagt, dass sich Teile der Nazi-Elite mit einer solchen "Reichsflugscheibe" vor Ende des Zweiten Weltkriegs auf den Mond gerettet hätten (NDR). Die Science-Fiction-Komödie "Iron Sky" aus dem Jahr 2012 nimmt darauf Bezug. 

Die Wahrheit ist:

Historisch und technisch gibt es keine Belege dafür, dass die Nazis an der Entwicklung eines Ufo-ähnlichen Fluggeräts gearbeitet haben.

In der Beschreibung von Revell kommt allerdings der Eindruck auf, dass das Fluggerät ein echtes Kriegsgerät war. Es wird als "erstes weltraumfähiges Objekt der Welt" angepriesen. Abgesehen von dem Modell selbst gebe es auch ein "Abziehbild für originalgetreue Dekorationen" in der Verpackung.

So sieht das Fluggerät von Revell aus:

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Was hat sich das Unternehmen bei diesem Spielzeug gedacht?

Man wolle in keinen rechtsextremen Zusammenhang gebracht werden, sagte eine Sprecherin von Revell zu bento. Tatsächlich sei das Fluggerät legendenumwoben, die Existenz sei nicht belegt. Die Beschreibungen auf dem Karton würden das leider nicht deutlich machen. "Wir entschuldigen uns dafür", sagte die Sprecherin. 

Den besagten Text wolle man nun korrigieren, das Produkt stehe nicht mehr zum Verkauf. Auf die Frage, warum man ein solches Spielzeug überhaupt auf den Markt gebracht habe, antwortete Revell: "Entgegen der Berichterstattung ist das Produkt nicht für Kinder geeignet, sondern richtet sich an erwachsene und erfahrene Modellbauer." Die Altersangabe sei allerdings, zugegeben, irreführend. Der Schwierigkeitsgrad sei die relevante Größe, und Level 4, wie in diesem Fall, sei nur für erwachsene Modellbauer geeignet.

Der zuständige, frei arbeitende Grafik-Designer sagte zu bento, er könne die Aufregung um das Ufo nicht verstehen. Das Bild auf die Verpackung zu malen, sei ein "ganz normaler Auftrag" gewesen, so Egbert Friedl. "Ich halte die Diskussion für hanebüchen, da wird ein bisschen gesponnen." Es gebe für ein solches Modell eben einen Markt – "und fertig". 

Doch wenn das Produkt auf diesem Markt ist, wird es nun mal gekauft, wahrscheinlich spielen auch oder sogar vor allem Kinder damit – und genau das könnte problematisch werden, sagt Oliver Decker, Vorstandssprecher des Kompetenzzentrums für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung an der Uni Leipzig. 

"Als Satire-Aktion wäre das Ganze vertretbar. Aber sicher nicht als Spielzeug. Der Zeitpunkt, das jetzt auf den Markt zu bringen, halte ich für sehr unglücklich. Ein Hersteller verarbeitet hier eine von ehemaligen SS-Angehörigen aufgebrachte Mythologie – und das nicht etwa als künstlerische Provokation, sondern einfach so. Das ist ein schlimmes Zeichen."

Zudem solle Spielzeug Kindern dabei helfen, die Erwachsenenwelt nachzuahmen. Kriegsspielzeug für Kinder zu verkaufen, sei ohnehin schon skurril. "Mit Verschwörungsmentalitäten untermalt halte ich es gar für gefährlich."

Update: Revell hatte sich am Montag nicht geäußert. Am Dienstag lag eine Antwort vor. Der Text wurde dementsprechend aktualisiert.


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