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Die Rechtsextremen in Frankreich sind besonders bei den jungen Leuten beliebt: Mehrere Studien zeigen, dass ein Drittel der 18- bis 30-Jährigen den Front National gewählt hat oder vorhatte, ihm seine Stimme zu geben. Die Sozialisten kommen nur auf etwas mehr als 20 Prozent, die Konservativen liegen knapp dahinter.

Je jünger, desto linker - dieser Spruch gilt in Frankreich nicht mehr. Im Gegenteil: Bei den jüngsten Befragten waren die Rechtsextremen am beliebtesten. Allerdings bleiben die meisten jungen Franzosen den Urnen fern. Laut einer Studie des Umfrageinstituts Ipsos/Sopra Steria sind 65 Prozent der 18 bis 24 Jahre alten Stimmberechtigten nicht zur Wahl gegangen. Bei den 25- bis 34-Jährigen waren es sogar noch etwas mehr: 66 Prozent.

Warum wählen junge Franzosen die Rechtsextremen?

Sie erhoffen sich von Marine Le Pen und ihrer Partei zum einen eine Verbesserung der Situation auf dem Arbeitsmarkt. Denn die Jugendarbeitslosigkeit in Frankreich gehört zu einer der höchsten in Europa. Jeder vierte junge Mensch dort hat keine Arbeit. Zum anderen beeinflussen die Terroranschläge vom 13. November in Paris die Regionalwahlen. Die Rechtsextremen haben davon so stark profitiert wie keine andere Partei. Angst ist ihr Nährboden.

"Lasst uns Arbeit für unsere eigenen Arbeitslosen finden, statt Einwanderer zu empfangen und ihre Kompetenzen zu begutachten!"
"Die unerhörte Überschwemmung mit Einwanderern, die wir kennen, muss aufhören."

Bei dieser Ausgangslage scheint die neue Strategie der Partei besonders gut zu funktionieren: Seit Marine Le Pen die Parteiführung vor vier Jahren übernommen hat, wirbt sie verstärkt um die Gunst der jungen Franzosen. Sie will den Front National "entdiabolisieren", hat den früheren Jargon der Partei abgeworfen und vermeidet offensichtlich rechtsextremes Gedankengut.

Zudem hat sie sämtliche Spitzenpositionen in ihrem Parteiapparat mit jungen Leuten besetzt, die eifrig in den Sozialen Netzwerken unterwegs sind. Marine Le Pens Nichte Marion Maréchal-Le Pen ist das neue, junge Gesicht des Front National. In der Region Provence-Alpes-Côte-d'Azur steht die 26-Jährige kurz davor, die Regierung zu übernehmen. Im ersten Durchgang haben 42 Prozent der Wähler für sie gestimmt.

Warum ist das Ergebnis der Regionalwahlen so wichtig?

Praktisch gesehen, hat das Ergebnis der Regionalwahlen keinen großen nationalen Einfluss. Doch die symbolische Bedeutung ist hoch. Denn die Wahlen in den Regionen werden als richtungsweisend für die kommenden Präsidentschaftswahlen 2017 gesehen, bei denen der Front National womöglich ebenso gut abschneiden könnte.

Die Rechtsextremen feiern die Regionalwahlen aber jetzt schon als historisch: Landesweit haben sie rund 30 Prozent der Stimmen geholt, so viel wie nie zuvor. Zwar steht die zweite Runde an diesem Sonntag, 13. Dezember, noch aus: Dann dürfen all jene Parteien auf jeden Fall noch mal antreten, die an diesem Sonntag wenigstens zehn Prozent der Stimmen bekommen haben.

Marine Le Pen und ihre Nichte Marion Maréchal-Le Pen feiern das Ergebnis der ersten Runde.(Bild: dpa/Sebastien Nogier)

Doch es ist jetzt schon absehbar, dass die Partei von Marine Le Pen mindestens eine der 13 Regionen in Frankreich regieren wird - zum ersten Mal in der Geschichte.