Bild: imago/MITO

Durchfallkeime in Tiefkühlware oder lose Teile am Kinderspielzeug – regelmäßig stehen in der Zeitung oder im Supermarkt Aufrufe von Unternehmen, fehlerhafte Produkte zurückzugeben. Zuletzt zum Beispiel für Kräuter und Eier.

Manchmal klingen die Rückrufe harmlos – manchmal haben sie Gruselpotential.

Wir haben Rückrufaktionen der vergangenen Monate gesammelt und bei der Verbraucherzentrale gefragt, wie man solche Aktionen einschätzen sollte und ab wann man Geld rausschlagen kann.

Was sind eigentlich Produkt-Rückrufe?

Unternehmen können Produkte oder Dienstleistungen zurückrufen, wenn diese fehlerhaft sind und die Hersteller Personen- oder Sachschäden vorbeugen wollen. Sie können auch durch das Produktsicherheitsgesetz dazu verpflichtet werden.

In den öffentlichen Rückrufen wird dann meistens auf den Mangel hingewiesen – wer das betroffene Produkt zurückgibt, bekommt auch sein Geld zurück.

Auf einer Website sammelt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit aktuelle Rücknahme- oder Rückrufaktionen von Lebensmittelherstellern, auf der privaten Website "Produktwarnung" finden sich Warnungen aus anderen Bereichen. 

Das sind aktuelle Beispiele:

1

Alkoholfreies Bier mit Alkohol

(Bild: lebensmittelwarnung.de)

Es gibt Gründe, alkoholfreies Bier zu kaufen. Keiner davon ist: besoffen werden. 

Wenn auf dem alkoholhaltigen Bier aber versehentlich alkoholfrei steht, kann es spätestens bei der Verkehrskontrolle unangenehm werden. 

Genau das passierte einer kleinen südhessischen Brauerei Anfang Juni – auf dem vorderen Etikett des normalen Pils klebte versehentlich das Etikett des alkoholfreien (und wer liest schon die Rückseite von einem Bier?). (Hersteller)

2

Seife mit Darmbakterien

(Bild: dm)

Vergangenes Jahr rief der Drogeriemarkt dm Cremeseifen zurück – weil diese möglicherweise mit Darmbakterien namens "Enterobacter gergoviae" verseucht waren. (bento)

So ziemlich das Gegenteil von dem, was man sich von einer Seife erhofft.

3

Wurst mit Käse drin

(Bild: Kaufland)

Der größte Skandal in dieser Liste: Im März rief Kaufland diese geräucherte Bockwurst zurück – weil nicht ausgeschlossen werden könne, dass sich in einigen Würsten Käse befinde (Produktwarnung). Käse. In der Wurst. 

4

Naschzeug mit toter Maus

(Bild: Ikea)

Klingt erst mal süß, ist dann aber eklig: Ikea hat im Februar wegen "Verunreinigung durch Mäuse" Schaumkonfekt zurückgerufen. Was dahinter steckt: In Irland wurde in einer Packung eine tote Maus entdeckt. (Produktwarnung)

5

Diese Chips, die Chips enthielten

Im März fanden sich in der Geschmacksrichtung "ungarisch" in manchen Tüten der Firma Funnyfrish "Sour Cream"-Chips. Das ist im Zweifel für Allergiker interessant – denn "Sour Cream"-Chips werden mit Milch hergestellt. (Lebensmittelwarnung)

Noch mehr Produktrückrufe? Hier:

Die Immunkur, die zu Ausschlägen führen kann.
Das Müsli mit dem Extra-Crunch: Holz.
Der Salzstein, der vielleicht explodiert.
Und ein wahrer Klassiker – das glutenfreie Essen mit Gluten. Da weint der Allergikerbauch.
Leider alles mit Gluten!
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Käse in der Wurst mag vielleicht witzig klingen – aber gesundheitsgefährdende Keime sind weniger spaßig. Silke Schwartau von der Hamburger Verbaucherzentrale erklärt, wie ernst man Rückrufe nehmen sollte.

Frau Schwartau, große Rückrufaktionen haben in den vergangenen Jahren zugenommen – woran liegt das?

Auf keinen Fall liegt es daran, dass heute mehr Fehler gemacht werden. Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler. Auch früher gab es Rücknahmen. Doch die passierten oft im Stillen – wenn Unternehmen einen Mangel bemerkten, wurde das Produkt eben aus dem Regal genommen, und das wars.

Diejenigen, die es noch im Schrank liegen hatten, wurden aber nicht informiert – insofern ist es ein Erfolg für den Verbraucherschutz, dass heute mehr öffentlich gewarnt wird.

Warnen Unternehmen im Zweifel lieber einmal zu viel – oder ist eher davon auszugehen, dass, wenn gewarnt wird, auch wirklich ein echtes Risiko besteht?

Das ist pauschal schwer zu beantworten. Wie vorsichtig Firmen sind, hängt auch von ihrer Unternehmensphilosophie ab. 

Manche Warnungen sind eher Vorsichtsmaßnahmen: Wenn beispielsweise bei der Produktion eine Glühbirne zerspringt, ist kaum davon auszugehen, dass in jedem Produkt Glasscherben sind. Aber man weiß es eben nicht – und deshalb wird die gesamte Produktion zurückgerufen.

Grundsätzlich gilt jedoch: So ein Rückruf ist ein Riesenschaden für ein Unternehmen. Zum einen finanziell – denn die betroffenen Produkte müssen zurückgenommen und entsorgt, Vertriebswege nachvollzogen und Händler informiert werden. Zum anderen entsteht ein Image-Schaden, weil sich Verbraucher fragen, ob beim Unternehmen vielleicht unsauber gearbeitet wird.

Deshalb macht kein Hersteller so etwas just for fun, sondern nur, wenn es auch wirklich einen guten Grund gibt.

Es steckt also keine Panikmache dahinter, wenn auf einmal vor Salmonellen auf Eiern gewarnt wird?

Nein, Verbraucher sollten diese Warnungen unbedingt ernst nehmen. Gerade, wenn es um etwas wie Salmonellen geht – die klingen mir in den Rückrufen häufig zu harmlos, wenn von möglichem Brechdurchfall die Rede ist. Tatsächlich sind Salmonellen schwer gesundheitsgefährdend und können bei Immunschwachen im schlimmsten Fall zum Tod führen.

Solche Produkte sollte man auf gar keinen Fall mehr verwenden. Selbst wenn man denkt, dass man einen starken Magen hat.

Doch was, wenn alle Vorsicht nichts hilft – und man ein zurückgerufenes Produkt verwendet und Probleme hat? Kann man juristisch gegen den Hersteller vorgehen? Julia Rehberg, Juristin der Verbraucherzentrale Hamburg, antwortet. 

Kann ich vom Hersteller Schmerzensgeld verlangen?

Grundsätzlich besteht in solchen Fällen ein Anspruch darauf. Allerdings gibt es zwei Hindernisse: So muss der körperliche Schaden erheblich sein – ein bisschen Magenschmerzen reichen nicht aus, da müsste es schon ein mehrwöchiger Krankenhausaufenthalt sein.

Und man muss nachweisen können, dass der Schaden genau auf dieses Produkt zurückzuführen ist. Das ist in der Realität oft schwierig. Denn der Durchfall könnte ja auch von irgendetwas anderem kommen, das man gegessen hat.

Gibt es andere Formen der Entschädigung?

Theoretisch ist auch ein Schadensersatz denkbar. Das ist aber nur möglich, wenn es einen tatsächlichen finanziellen Schaden gibt, der direkt auf den Mangel zurückzuführen ist – zum Beispiel, wenn man sich am Stein im Müsli den Zahn ausbeißt, und die Krankenkasse die Zahnarztbehandlung nicht übernimmt.

Macht es juristisch einen Unterschied, ob es einen offiziellen Rückruf gab oder nicht?

Ja, wenn die Unternehmen öffentlich gewarnt haben, stehen sie im Schadensfall besser da. Im Zweifel muss der Verbraucher sich dann der Frage stellen, warum er das Produkt trotz der Warnung verwendet hat – sofern die denn öffentlich ausgesprochen war.

Eine hohe Entschädigung habe ich also eher nicht zu erwarten?

Nein. Szenarien à la "Der Kaffeebecher ist defekt, ich bekomme heißen Kaffee auf meine Hose und der Hersteller zahlt mir eine Million" kennt man nur aus den USA. In Deutschland kommt so etwas nicht vor.


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