Er hat eine noch auffälligere Frisur als Donald Trump, er erstrahlt in einem weißen Anzug wie ein Messias und statt einer Mauer plädiert er für mehr Strände – diesen Mann muss man einfach wählen. Das zumindest denken sich gerade ziemlich viele junge Menschen in Serbien.

Am Sonntag treten dort elf Kandidaten zur Präsidentschaftswahl an und Jungpolitiker Luka Maksimovic, 25, beziehungsweise seine Satire-Rolle Ljubisa Preletacevic, kurz "Beli", liegt in manchen Umfragen auf Platz zwei.

Weil Wähler genug haben von der Korruption im Land, unterstützen sie lieber jemanden wie Beli (übersetzt: "Der Weiße"), der genau diese Korruption anprangert. Allerdings auch keine wirklichen Lösungsvorschläge hat.

Das ist der Mann, mit dem gerade wohl so gut wie jeder Serbe gerne ein Selfie machen würde:
Luka Maksimovic
Wer ist dieser Beli?

Wohl so etwas wie Europapolitiker Martin Sonneborn von der Satirepartie "Die Partei". Beli geht es nicht darum, ernsthafte Politik zu betreiben – sondern aufzuzeigen, dass leere Versprechungen, Korruption und das Missachten der Wünsche junger Menschen ein Ende haben muss.

Der Student der Kommunikationswissenschaft fiel zum ersten Mal im vergangenen Jahr bei der Lokalwahl in Mladenovac, einer Vorstadt von Belgrad, auf. Es sollte nur ein Witz sein, doch dann stimmten 20 Prozent der Wähler für seine Partei "Sarmu probo nisi" – nun haben sie zwölf Mandate im Stadtrat.

Der Parteiname bedeutet "Du hast noch nicht die Sarma probiert", ein simpler Großmuttersatz. Sarmu sind eine Art gerollte Weinblätter, eine Spezialität auf dem Balkan.

Wieso bekommt Beli so viel Zuspruch?

Politiker machen ja schon häufig leere Versprechungen, Belis sind umso leerer. Einige Auszüge:

  • "Ich werde allen Jobs geben, ich werde hohe Renten an alle geben. Ich werde das Meer hierher bewegen, weil wir einen Strand brauchen."
  • "Es wird keine Korruption geben – außer meiner eigenen. Bitte schickt mir all euer Geld direkt in meine Taschen."
  • "Ich verfolge meine persönlichen Interessen, werde aber auch dem Volk etwas abgeben. Kurz und gut, ich werde stehlen, um mich zu bereichern, werde aber auch dem Volk etwas geben."

Beli bedient sich an Methoden populistischer Politiker und zieht sie ins Lächerliche – das ist absurd und witzig zugleich. Einige tun das vielleicht als sinnlose Show ab, doch Beli hat ein ernstes Anliegen.

Im Video zeigt sich Beli mit Zepter, macht Kampfsport und im Hintergrund tanzen junge Frauen im Achtzigerjahre-Sportdress:

Beli nannte Donald Trump in den sozialen Netzwerken kürzlich seinen "Kollegen". Der US-Präsident trat mit dem Versprechen an, das Establishment zu verdrängen und installierte dann doch Konzernbosse und Banker in seiner Regierung. Der, der wirklich gegen das Establishment kämpft, ist eine Kunstfigur namens Beli.

Auch Beli hat keine politische Erfahrung, kein richtiges Wahlprogramm – dafür aber gutes Promo-Material. In seinen Videos macht der kantige Typ mit dem Dutt auf dem Kopf Liegestütze und schlürft ein ungekochtes Ei. Oft reitet er auf weißen Pferden, umgeben von seinen Bodyguards.

Worum geht es bei der Wahl in Serbien?

Der jetzige Ministerpräsident Aleksandar Vucic gilt als aussichtsreichster Kandidat in Serbien, einer parlamentarischen Republik. Derzeit versucht sich das Land weiter an die EU anzunähern und die Beitrittsverhandlungen voranzutreiben, gleichzeitig bleibt Russlands Präsident Wladimir Putin in wichtiger Verbündeter. Kürzlich hat Serbien noch russische MiG-Kampfflugzeuge geordert.

Kritiker werfen Vucic vor, dass Gegenkandidaten nicht annähernd den gleichen Apparat oder das gleiche Geld zur Verfügung haben. Er setzt die gesamte Macht des Staatsapparats im Wahlkampf ein und kontrolliert die wichtigsten serbischen Medien. Er nutze auch jeden Provinzbeamten zur Einflussnahme auf die Wähler. Im Wahlkampf habe er Lügen verbreitet und Gegner verleumdet.

In einem Interview mit der BBC wirkt Beli wie ein ungeübter YouTuber: "Ich werde Firmen bauen – für Lamborghini." Die jungen Menschen suchten nach jemandem, der gut aussehe und stark sei – so wie er.

Das zeigt sich auch auf Serbiens Straßen, wo Wähler ihn permanent ansprechen, Autogramme und Selfies wollen und ihn schon mal "Herr Präsident" nennen. Am vergangenen Samstag erklomm Beli eine Statue in einem serbischen Dorf und rief: "Ich bin hier, um Menschen zu retten."

(Bild: Oliver Bunic/ dpa)
Wie geht es jetzt weiter?

Der Favorit bei der Wahl am Sonntag bleibt der derzeitige Ministerpräsident Aleksandar Vucic. Laut der serbischen Tageszeitung "Blic" kann Vucic mit einer absoluten Mehrheit von knapp über 50 Prozent und einem Sieg im ersten Wahlgang rechnen. Beli soll demnach bei elf Prozent liegen. Der jetzige Präsident Tomislav Nikolic tritt nicht zur Wiederwahl an.

Beli wird also vermutlich nicht der neue Präsident Serbiens werden, aber viele junge politikverdrossene Menschen wieder in die Wahlkabine locken. Meinungsforscher Srdjan Bogosavljevic sagte in einem Interview: "Viele Leute, vor allem die Jungen, wollen ihre Empörung über die Politik zum Ausdruck bringen."

Beli zeigt sich auf jeden Fall gerne mit der motivierten Jugend:

Er gehöre zu einer vergessenen Generation, die kurz vor, während oder nach den Kriegen im Balkan geboren wurde und ohne Perspektive aufgewachsen ist.

Nach dem Zusammenbruch des Milosevic-Regimes und dem Kosovo-Krieg versuchte sich die serbische Wirtschaft an europäischen Werten zu orientieren. Trotzdem wächst die Wirtschaft nur langsam – und junge Menschen bekommen davon wenig zu spüren. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei mehr als 30 Prozent.

Die Erfolgsgeschichte von Beli zeigt, dass viele Jugendliche diese Sicht teilen.

Aber auch, dass die Unzufriedenheit mit politischen Eliten nicht immer dazu führt, bessere Ideen zu entwickeln. Belis Aktionen sind reiner Protest. Einen klugen Satz hat er dann doch auf Lager:

"Da läuft auf jeden Fall etwas schief in diesem Land, wenn eine unwirkliche Person die Massen derart anspricht."
Quellen:

Gerechtigkeit

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