Welche Straftaten erfasst werden – und welche nicht.

Deutschland ist sicherer geworden. Das verkündete Innenminister Horst Seehofer am Dienstag – und stellte die neue Polizeiliche Kriminalstatistik für das vergangene Jahr vor.

Das Ergebnis: Fast zehn Prozent weniger Straftaten gab es im Jahr 2017. Konkret wurden 5,76 Millionen Straftaten registriert – so wenige wie seit 25 Jahren nicht. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl ist die erfasste Kriminalitätsrate sogar so niedrig wie seit 30 Jahren nicht. (SPIEGEL ONLINE)

Doch lässt die jetzt veröffentlichte Statistik auch den Schluss zurück, dass es in Deutschland tatsächlich sicherer geworden ist? 

Das steckt hinter den Zahlen:

1.

Was ist die Polizeiliche Kriminalstatistik?

Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) wird vom Bundeskriminalamt herausgegeben und zeigt die im jeweiligen Jahr von der Polizei registrierten Straftaten. Darüber hinaus gibt sie Auskunft über Tatumstände, Tatverdächtige, Opfer und Schäden dieser Straftaten. 

2.

Was wird in der PKS erfasst?

In die Statistik fließen alle Straftaten, die von der Polizei registriert und anschließend an die Staatsanwaltschaft übergeben werden. Dazu zählen also auch Fälle, die sich im Nachhinein als gar keine Straftat herausstellen. (Zeit Online

Viele Dinge, die in in die PKS einfließen, haben außerdem nicht viel mit der tatsächlichen Sicherheit zu tun: Beispielsweise taucht Frankfurt am Main in der Statistik regelmäßig als die gefährlichste Großstadt Deutschlands auf – Ursache dafür ist jedoch der Frankfurter Flughafen. Alle dort von Bundespolizei und Zoll registrierten Straftaten fließen auch in die Statistik der Stadt. 

Auch manche der erfassten Delikte tragen nicht zur Unsicherheit in Deutschland bei: Wer zum Beispiel mit Cannabis erwischt wird, kann in der Kriminalstatistik landen, auch wenn er damit wohl nicht die Sicherheit des Landes gefährdet. 

3.

Und was findet man in der PKS nicht?

Da in der Statistik nur die von der Polizei registrierten Straftaten auftauchen, fallen manche Delikte ganz heraus. Konkret sind das unter anderem:

  • Ordnungswidrigkeiten
  • Verkehrsdelikte
  • Finanz- und Steuervergehen
  • politisch motivierte Straftaten

Mit dem letzten Punkt kommt auch Terrorismus nicht in der Statistik vor, er wird als "politisch motiviert" gewertet.

Worüber die PKS auch keine Auskünfte gibt, sind Dunkelfelder: Die Differenz also zwischen den amtlich registrierten Straftaten und der vermuteten Kriminalität

Während der Großteil aller Autodiebstähle und Wohnungseinbrüche auch der Polizei gemeldet wird, sind es bei Sexualdelikten nur sechs Prozent. Das geht aus dem Sicherheitsbericht des Landeskriminalamts Niedersachsen hervor. (SPIEGEL ONLINE)

Quelle: Befragung zu Sicherheit und Kriminalität in Niedersachsen

4.

Was bemängeln Kritiker?

Das Bundeskriminalamt (BKA) selbst weist auf die Aussagekraft seiner Statistik hin und veröffentlicht Erklärungen dazu, welche Aussagen die PKS zulässt und welche nicht. 

Kritik kommt deshalb regelmäßig von Kriminologen, dass die PKS politisch instrumentalisiert werde: "Selbst die, die sie präsentieren, verstehen die Statistik manchmal selbst nicht richtig", sagte Martin Rettenberger, Direktor der Kriminologischen Zentralstelle gegenüber Zeit Online. Ausgewertet werden sollten die Zahlen zudem nicht vom BKA selbst, sondern von einer unabhängigen Kommission.

Um die Aussagekraft der PKS zu erhöhen, wäre es nötig, sie um weitere Sichtweisen zu ergänzen – das sieht man so auch innerhalb der Polizei. Sebastian Fiedler vom Bund Deutscher Kriminalbeamter fordert: "Wir müssen weg von dieser Überbetonung der PKS und hin zu periodischen Sicherheitsberichten und qualitativ hochwertigen Lagebildern."

Mit Material von dpa


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