Bild: Reuters/Agencja Gazeta/Adam Stepien
Warum ausgerechnet so viele junge Polen den Fremdenfeinden nachlaufen.
Was ist am Wochenende in Polen passiert?

Am Samstag sind in Polen rund 60.000 Rechtsradikale durch Warschau marschiert. Ihnen gegenüber standen gerade einmal Tausend linke Gegendemonstranten – vermutlich auch weil die Regierung den Protest gegen die Rechten verboten hatte. (Zeit Online)

Die Slogans der Rechten:

  • "Wir wollen Gott!"
  • "Ein weißes Europa brüderlicher Nationen!"
  • "Kein islamisches, kein laizistisches – nur ein katholisches Polen!" (Süddeutsche Zeitung)

Die Demonstranten zogen mit roten Bengalos und polnischen Fahnen durch die Stadt – eine gespenstische Atmosphäre. "Gott, Ehre, Vaterland", riefen sie immer wieder. Ein Hauptmotiv der Demo: Ein vermummter Rechtsradikaler wirft einen Molotowcocktail auf ein trojanisches Pferd mit der Aufschrift "Islam", im Pferd bereitet sich ein Flüchtling auf die scheinbare Unterwanderung Europas vor. So war es auf einem großen Banner zu sehen (Süddeutsche Zeitung). 

So sahen die Demonstrationen aus:
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Auf einer Bühne sprachen rechtsradikale Politiker aus Polen, auch Nationalisten aus Ungarn, Spanien, und Italien mischten sich unter die Menge. 

Der jährliche Marsch am Tag der polnischen Unabhängigkeit hat sich mit der Zeit zu einer Art Treffpunkt für Neofaschisten, Rechtsradikale, Rassisten und Nationalisten entwickelt. Der Marsch endete schließlich in der Dunkelheit vor dem Fußballstadion in Warschau. 

Unter den Demonstranten waren besonders viele junge Polen, einige von ihnen vermummt.
Bild: Zborowski/PAP/dpa
Weiße Anführungszeichen
Mich bedrückt, dass im Vergleich zu den vergangenen Jahren viele junge Leute hier sind, die auf die einfachen Lösungen der Nationalisten reinfallen.
Die Warschauerin Alexandra, 30, zu Al Jazeera
Warum begeistern sich in Polen so viele Junge für den Rechtsextremismus?

Es schient vor allem die Angst vor Fremden zu sein, die die Menschen auf die Straße treibt – jedenfalls, wenn man den rechtsradikalen Demonstranten selbst glaubt. Auch die Einmischung Europas in polnische Interessen wurde von den Teilnehmern kritisiert.

  • Pawel Lizon von der rechtsradikalen "Allpolnische Jugend" erzählt der Tagessschau, warum ihm der Tag so wichtig ist. Die Organisation hat den Aufmarsch mitorganisiert. "Wir wurden wieder Herr im eigenen Land nach Jahren von Unterdrückung. Das ist wichtig, besonders heute, wo die polnische Souveränität von anderen Staaten untergraben wird, die anti-nationalistsiche, anti-religiöse Tendezen haben." 
  • Eine andere Teilnehmerin meint, in der Flüchtlingskrise sei alles außer Kontrolle geraten, der Terror sei mit der Immigration verbunden.
  • Und wiederum ein anderer sagt: "Der Westen lässt den ausländischen Glauben rein, der uns Christen und freie Menschen zerstören will." Tatsächlich weigert sich das Land, Flüchtlinge aufzunehmen. Weniger als ein Prozent der Polen sind Muslime. Das Bild von der vermeintlichen Islamisierung ist also faktisch falsch. 
Der Rechtsruck der polnischen Jugend ist neu.
(Bild: dpa/PAP/Jacek Turczyk)

Früher waren junge Polen stets liberaler, pro-europäischer als ihre Eltern. Das änderte sich erstmals bei den Wahlen 2015, plötzlich unterstützten junge Polen vor allem rechte, fremdenfeindliche Parteien. Wie konnte das passieren?

Die Frage ist schwierig zu beantworten. Kamil Marcinkiewicz, Politikwissenschaftler an der Uni Hamburg, hat zumindest eine Theorie. 

Die Jugend hat gegen den liberalen Mainstream rebelliert. Und die einzigen Rebellen waren die Nationalisten von Rechtsaußen.
Kamil Marcinkiewicz, Politikwissenschaftler

In Polen habe sich in den vergangenen 25 Jahren kein "positiver Patriotismus" entwickelt. Wer keine Lust mehr auf die Leistungsgesellschaft hatte, konnte sich den Rechtsradikalen mit ihren populistischen Parolen anschließen. Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit hätten oft teils rechtsradikale Fußballfans gestillt – oder Gruppen, die sich in ihrer Freizeit alte polnische Militäruniformen anziehen und Schlachten nachstellen.

Noch heute wettern die Rechten gegen die vermeintlich Schuldigen: die Eliten, Einwanderer und die Europäische Union. Eine linke Alternative habe es nicht gegeben.

Die Linken waren einfach nicht sexy. Rebellisch waren nur die Rechten.
Kamil Marcinkiewicz, Politikwissenschaftler

Auch weil sie nach Jahrzehnten des Kommunismus als Linke nicht glaubwürdig seien. In den polnischen Schulen würde der bewaffnete Widerstand gegen die Sowjetunion in den 1940er-Jahren immer noch als Heldengeschichte erzählt. "Die Rechten nutzen das heute", sagt Marcinkiewicz.

Unabhängigkeit Polens

Am 11. November feiern die Polen ihre Unabhängigkeit. Zwar gedenken sie dabei dem Jahr 1918, als nach dem Ersten Weltkrieg die Teilung durch Preußen, Österreich-Ungarn und Russland ein Ende hatte. Doch die polnische Nation hielt nicht lang. Es folgte der Einfall der Nazis, der Holocaust, dann Stalin und der Sozialismus. Erst mit dem Ende der Sowjetunion wurde auch Polen wieder endgültig unabhängig.

Warum die Regierung Teil des Problems ist:

Die derzeitige Führung des Landes zeigt, wie sehr das Land gerade nach rechts driftet. Es ist auf dem Weg ein autoritärer Staat zu werden. Seit Ende 2015 regiert die nationalkonservative Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS). Die rechtspopulistische Partei hat in beiden Parlamentskammern, im sogenannten Sejm und im Senat, die absolute Mehrheit – auch weil so viele junge Polen für sie stimmten.

Sowohl die Ministerpäsidentin, Beata Szydlo, als auch der Präsident, Andrzej Duda gehören der Partei an.

Präsident Andrzej Duda(Bild: Getty Images/Sean Gallup)
Es wurden bereits zahlreiche Gesetze erlassen, die die unabhängigen Medien bedrohen. 

Mitte Juli kam dann die bislang umstrittenste Entscheidung: Das Parlament billigte eine Justizreform, mit der die Regierung die Kontrolle über das Oberste Gericht bekommen würde. Dagegen demonstrierten immer wieder viele Menschen. Präsident Duda hat inzwischen angekündigt, ein Veto einzulegen. Bislang ist die Reform noch nicht in Kraft getreten. (bento / Zeit Online)

Den Aufmarsch der Rechtsradikalen hat die Regierung sogar verteidigt. Man verurteile "rassistische, antisemitische und ausländerfeindliche Ideen", teilte das Ministerium der Nachrichtenagentur AP mit. Doch die Demonstration von Rechtsradikalen und Anhängern der PiS am Samstag sei "im Wesentlichen ein Ausdruck patriotischer Werte" gewesen. (SPIEGEL ONLINE)

Seit ihrem Wahlsieg unterstützt die Partei bereits die Rechtsradikalen und Rassisten. Auch das von der Regierung kontrollierte Fernsehen feierte die Rechten als Patrioten. Und statt gegen die Neofaschisten und Rassisten ging die Polizei gegen die Gegendemonstranten vor. 

"Das ist schockierend", sagt Politikwissenschaftler Marcinkiewicz. Durch die kaum verdeckte Unterstützung der Regierung würden die fremdenfeindlichen Parolen der Rechten zunehmend akzeptabel.


Streaming

Das sind die schönsten Küsse in Filmen

Egal ob zart und unschuldig, wild und leidenschaftlich oder ein bisschen zu feucht – den ersten Kuss vergisst man nie (es sein denn, man hat sich vorher etwas Mut angetrunken). 

Aber nicht nur im echten Leben ist knutschen aufregend: Spätestens wenn die Küsse auf der Leinwand zu Bauchkribbeln führen, schaut man gerade einer richtig guten Kussszene zu.

Wir haben euch in dieser Filmliste unsere liebsten Szenen zusammengestellt bei denen sich Schnappatmung, feuchte Hände und Herzklopfen abwechseln.