Bild: Alik Keplicz/AP/dpa
Es geht um den "guten" Ruf.

Die polnische Regierung hat genug von der Kritik an ihrer Nation. In einem offiziellen Schreiben, das zurzeit in Botschaften und Konsulaten weltweit die Runde macht, werden im Ausland lebende Polen dazu aufgerufen, Kritiker ihres Landes zu melden.

Insgesamt soll es sich um einen drei Seiten langen Text handeln. Laut NDR steht darin unter anderem:

Bitte, dokumentieren Sie alle anti-polnischen Äußerungen, Darstellungen und Meinungen, die uns schaden und reagieren Sie darauf. Informieren Sie unsere Botschaften, Konsulate und Honorarkonsulate über jede Verleumdung, die den guten Ruf Polens beeinflusst.

Auch in Deutschland lebende Polen sollen den Aufruf bereits erhalten haben. So ging das Schreiben über das polnische Generalkonsulat in München an in Süddeutschland lebende Polen und auch das Konsulat in Hamburg kündigte an, es am Donnerstag auf der Webseite und per Mail zu teilen.

Warum in Polen zehntausende Rechtsradikale auf die Straßen gingen:

Hintergrund ist ein umstrittenes Gesetz, das es seit kurzem verbietet, Polen als Nation für Holocaust-Verbrechen der deutschen Besatzer im Zweiten Weltkrieg verantwortlich zu machen. Polens Präsident Andrzej Duda hatte es Anfang Februar unterschrieben. Verstöße können mit bis zu drei Jahren Haft geahndet werden. (Süddeutsche Zeitung)

Kritiker mahnten, das Gesetz erlaube es der polnischen Regierung, die Rolle jener Polen schön zu färben, die sich mit Verbrechen gegen Juden mitschuldig gemacht hatten.

Der Verfasser des Briefes, Senatsmarschall Stanislaw Karczewski, schreibt, Polen im In- und Ausland seien seit vielen Jahren "konfrontiert mit der schmerzhaften, ungerechten – und vor allem – faktisch nicht richtigen Formulierung 'polnische Todeslager' ebenso wie mit der Beschuldigung, Polen sei in den Holocaust involviert gewesen".

Das sei eine Kränkung der nationalen Würde und des nationalen Stolzes.

Was mit den gesammelten Informationen geschehen soll, steht laut dem polnischen Botschafter in Berlin, Andrzej Przylebski, noch nicht fest. Dem NDR teilte er aber mit, dass es sich bei dem Schritt um "die üblichen Aufgaben einer diplomatischen bzw. konsularischen Vertretung" handle. 


Gerechtigkeit

Eine Bloggerin schickt Deniz Yücel jeden Tag eine Postkarte ins türkische Gefängnis

Der Journalist Deniz Yücel sitzt seit 365 Tagen in Gefängnis. Der "Welt"-Korrespondent wurde vor einem Jahr, am Valentinstag 2017, inhaftiert. Die türkische Justiz beschuldigt ihn, ein Terrorist zu sein. Eine Anklage wurde aber bis heute nicht erhoben.

Die meiste Zeit des vergangenen Jahres saß Deniz Yücel in Einzelhaft – und immer schrieb ihm eine deutsche Bloggerin Postkarten. Tag für Tag.

Marie Sophie Hingst bloggt als "Fräulein Read On" und arbeitet als Historikerin an der Universität in Dublin. Seit 334 Tagen – also seit fast einem Jahr – schickt sie Postkarten nach Istanbul.