Was steckt dahinter?

Es sind herzzerreißende Bilder: Traurig schauen Kinder in die Kamera und halten Schilder in die Höhe, auf denen Pokémon zu sehen sind. Darunter stehen Sätze wie "Ich bin aus Kafranbuda. Rette mich." Oder: "Ich bin hier in Kafranbel, im Umland von Idlib. Kommt, rettet mich." Während die Menschen an vielen anderen Orten der Welt auf die Straßen gehen, um Pokémon zu fangen, scheinen sich diese syrischen Kinder vor allem nach Sicherheit und einem normalen Leben zu sehnen.

Woher stammen die Bilder?

Die Dörfer Kafranbuda und Kafranbel liegen nahe Idlib, einem zwischen Rebellen und Assad-Anhängern umkämpften Ort – ähnlich wie Aleppo. Die Stadt und ihre Umgebung gelten als Hochburg islamistischer Rebellengruppen, unter ihnen ist auch die mit al-Qaida verbündete Terrororganisation al-Nusra (SPIEGEL ONLINE).

Woher die Bilder genau stammen, ist unklar. Seitdem der Twitter-Nutzer Teymour Ashkan die Bilder bei Twitter veröffentlicht hat, verbreiten sie sich im Internet. Zuvor wurden sie bereits auf der Facebook-Page der RFS gepostet. Dort beschreibt sich die Organisation sich so:

The Revolutionary Forces of Syria Media Office (RFS) aims at becoming a platform for the revolutionary forces operating on the ground inside Syria, the forces that are committed to the Syrian people’s aspirations to freedom and dignity.

Das RFS dient den Rebellen, vor allem der Freien Syrischen Armee, als Netzwerkplattform. Mit ihren Aktionen wollen sie auch international um Unterstützung für ihren Kampf gegen das Assad-Regime werben.

Bei den Bildern handelt es sich also offenbar um eine Propaganda-Aktion der Opposition.

Sie wurde nicht von Kinder gestartet, die auf ihr Schicksal aufmerksam machen, sondern höchstwahrscheinlich von Erwachsenen, die Kinder mit diesen Bildern fotografieren.

Die syrische Opposition macht immer wieder mit Memes, Videos und Bildern im Netz auf sich aufmerksam. Regelmäßig werden dafür die Hashtags großer Events gekapert und mit typisch syrischem Humor versehen. Erst im März wurde dieses Video veröffentlicht, in dem syrische Kinder ein SOS-Zeichen formen und nach Hilfe rufen. Aufgrund des großen Hypes um "Pokémon Go" sind nun die Pokémon an der Reihe.

Vergangene Woche postete der syrische Künstler und Grafikdesigner Saif Aldeen Tahhan bereits eine ähnliche Aktion auf Facebook. Bilder, die der Spielumgebung von Pokémon Go ähnlich sehen, aber anstelle von kleinen Monstern Erste-Hilfe-Kästen, Rettungsringe oder Schulbücher zeigen. "Die Welt dreht wegen dieses Spiels durch und ich habe mir gesagt, warum sollte man nicht unseren Schmerz zeigen? Sie suchen nach Pokémon, aber die Menschen in Syrien suchen danach, wie sie jetzt leben können", sagte er gegenüber dem artabischen Nachrichtensender Al Arabiya.

Pokémon GO - Syrian version النسخة السورية من Pokémon GO #syriago

Posted by Saif Aldeen Tahhan on Dienstag, 12. Juli 2016

Worum geht in Syrien?


Musik

R.I.P. Taylor – Was hinter diesem seltsamen Wandgemälde steckt

Die Hosier Lane im australischen Melbourne hat es überraschend zu internationaler Bekanntheit gebracht. An einer Wand in der Straße hat ein Straßenkünstler, der auf Instagram unter dem Namen Lushsux firmiert, ein neues Werk gemalt, einen Nachruf auf eine junge Frau. Auf Instagram rief Lushsux dazu auf, an dem Wandgemälde für "Taylor Smith" Blumen niederzulegen und "unserer süßen Prinzessin" zu gedenken, die "uns zu früh genommen wurde".