Bild: YouTube/Sokolovsky!
Erstaunliche Ähnlichkeiten zum Prozess mit "Pussy Riot".

In Russland sitzt seit mehreren Wochen der bekannte YouTuber Ruslan Sokolovsky in Haft – weil er "Pokémon Go" in einer Kirche gespielt hat. Nun drohen ihm nach Berichten russischer Medien bis zu fünf Jahren Haft (RIA auf russisch, "The Moscow Times" auf englisch).

Polizisten hatten ihn in Jekaterinenburg festgenommen, nachdem er auf seinem YouTube-Channel "Sokolovsky!" ein Video gepostet hat, das ihn beim Spielen in einer Kirche zeigt. Ihm wird vorgeworfen, religiöse Gefühle zu verletzten und Hass zu schüren, heißt es in einer bereits am Samstag veröffentlichten Erklärung der Polizei.

Im Video nimmt Sokolovsky Bezug auf Medienberichte, nach denen das Spielen von "Pokémon Go" in Kirchen unter Strafe gestellt wird. Mit dem Smartphone in einem Gotteshaus zu hantieren, gelte als Blasphemie.

Sokolovsky hält das für Quatsch: "Wer soll sich denn beleidigt fühlen, wenn du einfach nur mit deinem Smartphone durch eine Kirche läufst?" Während ein orthodoxer Priester einen Ritus abhält, steht Sokolovsky daneben und versucht ein Quapsel zu fangen:

Das Video wurde am 11. August veröffentlicht – seither haben es mehr als eine Millionen Menschen gesehen.

Sokolovsky gilt als routinierter Kritiker der orthodoxen Kirche in Russland und ist Herausgeber eines atheistischen Satireblogs. Die Seite ist mittlerweile gesperrt. Er könnte nach dem Paragrafen gegen "Erniedrigung der Menschenwürde" (Art. 282) verurteilt werden. Der brachte auch die Band "Pussy Riot" hinter Gitter. Die Gruppe war 2012 verhaftet worden, nachdem sie in einer Kirche Punkmusik gespielt hatte (bento).

Im Netz formiert sich Unterstützung unter dem Hashtag #FreeSokolovsky. Auch die mittlerweile amnestierten Mitglieder von Pussy Riot setzen sich für den Blogger ein:

Kennst du dich aus mit den News rund um "Pokémon Go"?

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"Selbst wir, die hier in diesem Land leben, halten mit den politischen Ereignissen kaum Schritt", sagt Sedef Cakmak. Dabei ist Politik ihr Beruf: als Abgeordnete für den Istanbuler Stadtbezirk Beşiktaş ist die 34-Jährige die erste offen homosexuelle Politikerin der Türkei. Seit zwölf Jahren engagiert sie sich in der Gemeinschaft der Lesben, Schwulen, Bi- und Transsexuellen (LGBT) in Istanbul. Seit dem Putschversuch am 15. Juli 2016 spürt sie, wie der Druck auf ihre Community wächst.