Bild: Unsplash

Keine Schmerzen, kein Blut – stattdessen jeden Tag eine kleine Pille: Viele Frauen nehmen die Antibabypille mehrere Monate durch, anstatt nach 21 Tagen eine Pause einzulegen. 

Vor allem mit Blick auf Urlaubsplanung oder Dates ist es eine komfortable Lösung, die Pille einfach durchzunehmen – aber ist das gut für unseren Körper? 

Wir haben nachgefragt: Bei Dr. Melanie Henes, Oberärztin an der Universitäts-Frauenklinik Tübingen.

Klären wir das – ein für alle Mal

In dieser Rubrik beantworten wir kleine Fragen des Alltags. Wenn du auch gerne eine beantwortet hättest, schreib uns an fuehlen@bento.de.

21 Tage Pille, 7 Tage Pause: Warum eigentlich?

Einen medizinischen Grund, eine Pause bei der Pille einzulegen, gibt es eigentlich nicht – es ging bei dem Konzept eher darum, dass sich die Einnahme möglichst natürlich anfühlt. "Ursprünglich war die Idee, einen Zyklus nachzuempfinden“, sagt Henes. "Wer sich an diesen Rhythmus hält, weiß immer genau, wann die nächste Periode kommt.“ 

Weil das aber nicht notwendig ist, empfiehlt der englische National Health Service mittlerweile die tägliche Einnahme ohne Pause. (Independent)

Neben der normalen Pille gibt es übrigens auch die sogenannte Minipille. Sie hat eine andere Hormonzusammensetzung, enthält kein Östrogen, und wird standardmäßig ohne Pause eingenommen. (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung)

Was passiert überhaupt in einem Zyklus?

In einem klassischen Zyklus ist es so: Am Anfang produziert der Körper Östrogen, die Gebärmutterschleimhaut baut sich auf. Nach dem Eisprung kommt das Gelbkörperhormon Progesteron dazu, die Schleimhaut wird "umgebaut" und – falls beim Eisprung kein Baby gezeugt wurde – durch die Menstruation vom Körper abgestoßen.

"Die meisten Pillen enthalten heutzutage Gestagen, wodurch sich die Schleimhaut nicht so stark aufbaut“, erklärt Henes. "Deshalb ist auch keine Blutung nötig.“ Es gibt allerdings Pillen, die für eine dauerhafte Einnahme nicht geeignet sind. "Deshalb sollte man unbedingt mit einem Arzt sprechen, bevor man einen Langzyklus beginnt."

Welche Nebenwirkungen kann es geben, wenn ich die Pille durchnehme?

Starke Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen, Übelkeit: Viele Frauen spüren fiese Nebenwirkungen der Pille – auch, wenn sie ganz klassisch mit Unterbrechung eingenommen wird. Bald soll im Beipackzettel sogar vor einem möglichen mögliches Suizidrisiko infolge von Depressionen gewarnt werden (Süddeutsche). Wie sieht es mit diesen Risiken aus, wenn man gar keine Pause macht? 

"Manchmal ist es so, dass die klassischen Nebenwirkungen weniger stark auftreten, weil man nicht das ständige Absetzen und Wiedereinnehmen hat“, sagt Henes. "Der Hormonspiegel wird in einem Langzyklus stabiler gehalten, was in dieser Hinsicht Vorteile haben kann." Allerdings kommen vielleicht andere Nebenwirkungen dazu – vor allem, wenn man gerade erst anfängt, die Pille länger zu nehmen. "Der Körper muss sich an die neue Hormondosis gewöhnen, das kann vor allem bei jungen Frauen zu Zwischenblutungen führen."

Wann ist es sogar gut, die Pille durchzunehmen?

In manchen Fällen raten Ärzte ausdrücklich, die Pilleneinnahme zu verlängern: "Bei Krankheiten wie Endometriose wird das häufig als Therapie empfohlen", sagt die Expertin. "Denn die Patientinnen haben während ihrer Periode meist extreme Schmerzen, die man auf diesem Weg vermeiden kann.“ Auch bei Frauen, die starke Migräne haben, sobald sie ihre Periode bekommen, wird der lange Zyklus oft ärztlich verordnet.

"Nach sechs bis zwölf Monaten sollten aber auch diese Patientinnen mal eine Pause einlegen", rät Henes. "Sonst kann die Gefahr steigen, dass es zu Zwischenblutungen kommt." Wichtig ist es aus Sicht der Ärztin, solche Entscheidungen immer vom Einzelfall abhängig zu machen: "Für jede Frau kann eine andere Einnahmedauer sinnvoll sein, ich würde das immer individuell entscheiden."

Ist das Risiko, schwanger zu werden, kleiner?

Einmal die Pille vergessen – schon steigt Panik auf: Was, wenn das eine Mal schon gereicht hat, um schwanger zu werden? Wer die Pille ohne Pause nimmt, muss sich vermutlich weniger Sorgen machen: "Untersuchungen zeigen, dass die Hormone durch die verlängerte Einnahme stabiler gehalten werden und so das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft noch geringer ist", sagt die Ärztin. Allerdings gibt es so auch nicht regelmäßig die Entwarnung – für viele Frauen ist es jeden Monat aufs Neue eine Erleichterung, wenn die Blutung eintritt.

Und wenn wir später Kinder wollen?

Wir versetzen den Körper monatelang in einen hormonellen Zustand, der eigentlich unnormal ist. Kann das auf Dauer nicht problematisch sein, vielleicht sogar die Fruchtbarkeit beeinflussen? "Viele Frauen haben Angst, dass sie danach Probleme haben, schwanger zu werden“, sagt Henes. "Aber das ist völlig unbegründet. Wenn sie die Pille absetzen, tritt im Normalfall die Periode wieder ein und eine Schwangerschaft ist möglich."

Eine monatliche Blutung im Vorfeld ist aus Sicht der Expertin dafür jedenfalls nicht möglich. Und wenn man sich anguckt, wie Frauen vor vielen, vielen Jahren lebten, zeigt sich vielleicht, dass ein Vier-Wochen-Zyklus nicht unbedingt nötig ist: "Früher waren Frauen viel häufiger schwanger. Dann haben sie gestillt, im Anschluss wurden sie schnell wieder schwanger“, sagt Henes. "So oft wie Frauen heute bluten, das gab es früher nie.“


Streaming

Auch wenn deine Lego-Zeit schon vorbei ist – "The Lego Movie 2" lohnt sich trotzdem
Jetzt im Kino.

Deine Lego-Zeit ist längst vorbei? Darum solltest du "The Lego Movie 2" trotzdem gucken:

1 Das passiert in der Fortsetzung 

Das bunte Gag-Feuerwerk des "Lego"-Universums geht weiter. Doch die Welt des ersten Teils hat sich stark verändert. Schuld ist die Dublo-Invasion, die am Ende von Teil 1 angekündigt wurde. Nur Emmet, dem unschuldigen Held, kann selbst die Postapokalypse nicht die Stimmung verderben. Dann wird allerdings seine Freundin Lucy von Aliens entführt. Emmet macht sich auf sofort auf zu einer Rettungsaktion. Dabei kann er allerdings jede Unterstützung gebrauchen.