Bild: Rolf Vennenbernd/dpa
Drei Fragen zu der Entwicklung

Sie hilft dann, wenn etwas schief gegangen ist; bietet Sicherheit, wenn nichts anderes dies mehr tun kann: die Pille danach. 

Seit 2015 ist sie rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Davor mussten Frauen und Mädchen zuerst zu einer Ärztin oder einem Arzt und sich dort ein Rezept abholen. Dass durch den freien Verkauf offenbar diese Hemmschwelle abgebaut wurde, ist an den aktuellen Verkaufszahlen zu sehen: 2017 wurde die Pille danach laut der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände 808.000 Mal verkauft. Zum Vergleich: 2016 waren es 757.000 Mal und 2014 – als sie noch nicht rezeptfrei zu kriegen war – 484.000 Mal.

Innerhalb von drei Jahren gab es also einen Anstieg von rund 70 Prozent. 

Doch woran liegt das? Und wie funktioniert das Präparat überhaupt? Die wichtigsten Fragen.

1

Warum gibt es einen Anstieg der Verkaufszahlen?

Oftmals wird argumentiert, Frauen würden die Pille danach leichtfertig nehmen. Jens Spahn bekam Anfang des Jahres für seine Aussage, die Notfallpillen seien "keine Smarties", viel Kritik (bento).

Aber: Ein solch leichtfertiger Gebrauch habe nicht beobachtet werden können, sagte Ursula Funke, Präsidentin der Landesapothekerkammer Hessen, in der Ärztezeitung. Die meisten Frauen würden sehr verantwortungsbewusst mit dem Thema Verhütung umgehen. 

Christian Albring, Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte, deutet an, manche Apothekerinnen und Apotheker seien ungenügend geschult und würden die Pille danach zu leichtfertig herausgeben. Normalerweise ist ein Beratungsgespräch vor dem Verkauf vorgesehen. Findet dies nicht statt. kaufen viele Frauen die Pille danach – obwohl diese eventuell auf ihre Situation gar nicht anwendbar ist, beispielsweise weil der Eisprung bereits stattgefunden hat. (Tagesspiegel)

Wie wirkt die Pille danach?

  • Sie verschiebt den Eisprung, verhindert also, dass sich eine Eizelle aus den Eierstöcken löst und Richtung Gebärmutter wandert. 
  • Die Spermien sterben ab. 
  • Um möglichst gut vor einer Schwangerschaft zu schützen, muss die Pille danach so schnell wie möglich eingenommen werden: Hat der Eisprung schon stattgefunden, kommt das Medikament zu spät. (SPIEGEL ONLINE)

2

Welche Notfall-Pillen gibt es?

Auf dem deutschen Markt sind zwei verschiedene Wirkstoffe zur Notfallverhütung zugelassen. Levonorgestrel (in der Regel vertrieben unter dem Handelsnamen Pidana) und Ulipristalacetat (Handelsname Ellaone). Beide Medikamente haben Vor- und Nachteile. Die Entscheidung sollte in Absprache mit einem Arzt oder einer Ärtzin oder Apothekerinnen und Apothekern fallen. 

Die Unterschiede der beiden Pillen:

  • Ellaone ist mit etwa 35 Euro etwa doppelt so teuer wie die Pidana, die um die 18 Euro kostet.
  • Ellaone wird seit etwa acht Jahren vertrieben, Pidana seit fast 20. Dementsprechend gibt es zur Pidana mehr Daten und Aussagen über mögliche langfristige Nebenwirkungen. 
  • Susanna Kramarz vom Berufsverband der Frauenärzte sagt: Wenn der ungeschützte Sex mehr als 24 Stunden zurückliegt, sollte eine Kupferspirale eingelegt werden, die sogenannte Spirale danach. Diese verändere sofort die Schleimhaut der Gebärmutter, sodass sich ein eventuell befruchtetes Ei nicht mehr einnisten könne.
  • Grundsätzlich gilt: Nach der Einnahme der "Pille danach" muss mit Kondom verhütet werden. Die Anti-Baby-Pille wird bei der Einnahme von Ellaone bis zur nächsten Menstruation wirkungslos.


3

Was sind die Nebenwirkungen?

Die Pille danach gilt als relativ gut verträglich. Allerdings verändert sie natürlich den Hormonhaushalt des Körpers. Nebenwirkungen können unter anderem Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Schmerzen im Unterleib und Spannungsgefühle in der Brust sein. Es kann auch zu einer stärkeren und verspäteten Periode kommen. Mehr dazu könnt ihr hier nachlesen.


Today

Woran du erkennst, dass deine Selfies dich krank machen
Sieben Dinge, die du wissen musst

Snapchat-Filter hübschen die Haut auf, sie wird matt, pickellos, ebenmäßig. Sie können die Augen blau machen oder kugelrund, wie bei einem Baby. Ist doch nett. 

Was könnte da schon schief gehen?

Einiges. Zum Beispiel kann sich das Selbstbild verändern. 

Dafür gibt es sogar schon einen Namen: Snapchat-Dysmorphophobie. Vor wenigen Tagen ist ein Meinungsstück in einer US-amerikanischen medizinischen Fachzeitschrift erschienen, das sich mit der Störung beschäftigt. Und mit dem Phänomen, dass sich immer mehr junge Menschen in den USA Schönheits-OPs unterziehen, um im echten Leben so auszusehen wie in ihren Selfies.