Bild: Warner
Fünf Gründe, warum die Filme mich kalt lassen.

In meiner Grundschulzeit hatte ich einen Freund, dessen größtes Hobby Lesen war. Als ich ihn an einem Nachmittag besuchte, gab er mir eines seiner Lieblingsbücher mit nach Hause: "Harry Potter und der Stein der Weisen". An diesem Tag wurde ich zum Fan.

Das war in meinem ersten Schuljahr. Von da an begleitete mich "Harry Potter" meine ganze Kindheit und Jugend. So, wie ich mit den Büchern das Lesen lernte, lernte ich später mit ihnen Englisch, als ich sie zum ersten Mal im Original las. 

Schließlich kam der letzte Film ins Kino, damals war ich 15. Neben mir saß eine junge Frau im Kinosessel, und als der Abspann über die Leinwand rollte, sagte sie völlig ergriffen zu ihrem Freund: 

„Ich kann einfach nicht glauben, dass jetzt alles vorbei ist.“

So fühlte ich mich in diesem Moment auch.

Natürlich war damals gar nichts vorbei. Die Cashcow "Harry Potter" wurde weiter gemolken: Live-Konzerte, auf denen die Filmmusik gespielt wurde. Ein Theaterstück, dessen Skript prompt zum nächsten Bestseller wurde. Und es gab eine neue Filmreihe: Nun kommt der zweite Teil von "Phantastische Tierwesen" ins Kino.

Für mich ist der Hype trotzdem vorbei.

"Harry Potter" ist heute so etwas wie ein alter Schulfreund für mich: Ich sehe ihn seltener, aber freue mich immer, wenn ich ihn mal wieder treffe. 

Mit den "Phantastische Tierwesen"-Filmen kann ich dagegen gar nichts anfangen.

So viel vorweg: Ich will hier nicht die Filme in ihrer Qualität bewerten. Schließlich weiß ich wie jeder andere gar nicht, wo die Reihe hinführt. 

Ich will aber erklären, warum "Phantastische Tierwesen" bei mir nie so einen Hype entfachen wird, wie es die Originalgeschichte damals tat. Und das hat fünf Gründe.

Weil die Geschichte für mich erfunden wirkt

Die Harry-Potter-Saga war immer fiktiv – und wirkte gleichzeitig real. So, als hätte Joanne K. Rowling durch ein Fenster in eine tatsächlich existierende Parallelwelt geschaut, und alles, was sie danach tun musste, war, diese Welt auf Papier zu bannen.

So fantastisch das Harry-Potter-Universum ist, es blieb doch immer authentisch und glaubwürdig. Schon im zweiten Band wird Ginnys Tagebuch eingeführt, und erst im siebten Buch erfahren wir, dass es ein Horkrux ist. Schon mit der ersten Zeile hatte Rowling die ganze Saga im Kopf.

Die Geschichte von "Phantastische Tierwesen" ist auch fiktiv, aber verglichen mit der Originalgeschichte wirkt sie ausgedacht. 

Nagini soll also kein Animagus sein, sondern ein sogenannter Maledictus, twitterte Rowling vor Kurzem (bento).

Für mich fühlte es sich da so an, als ob Rowling sich zwanghaft Neues aus den Fingern saugt – schließlich soll die Reihe auf fünf Filme aufgeblasen werden. 

2 Weil die Fangemeinde fehlt

Als Harry-Potter-Anhänger war (und ist) man immer Teil einer großen Fangemeinde. Eine ganze Generation ist mit diesen Geschichten aufgewachsen. Trifft man heute auf andere Fans, hat jeder seine eigene Fangeschichte zu erzählen (bento).

Fans aus aller Welt schreiben im Netz ihre eigenen Geschichten fort. Sie veranstalten Quidditch-Turniere oder treffen sich verkleidet auf der Frankfurter Buchmesse. Fast Tausend Fans kamen dort vor Kurzem zusammen, um gemeinsam ihr Fan-Sein zu feiern – ein Beispiel dafür, wie sehr Harry Potter Gemeinschaft stiften kann.

(Bild: Johannes Eisele / dpa)

Natürlich kann "Phantastische Tierwesen" nicht den Anspruch haben, das noch einmal zu wiederholen. Trotzdem wird die neue Filmreihe nie so eine Anhängerschaft haben. Ich glaube: "Phantastische Tierwesen" hat keine eigenen Fans. Die Kinogänger sind Fans von Harry Potter.

3 Weil ich die Geschichte nicht kenne

Warum sind meist die Filme erfolgreich, die auf einer ebenfalls erfolgreichen Buchvorlage basieren? Weil wir unsere Buchhelden auf der Leinwand sehen wollen. Das war auch bei den Potter-Filmen nicht anders. Wer kannte die Story nicht schon längst, als er sich damals in den Kinosessel setzte?

Gerade das machte den Reiz der Kinofilme aus. Die Decke der Großen Halle, auf der sich der Sternenhimmel über Hogwarts wiederspiegelte, die Halle der Prophezeiungen im Zaubereiministerium, die im Film noch viel furchteinflößender aussah als man es sich ausgemalt hatte: All dem wurde mit den Filmen Leben eingehaucht. 

Bei "Phantastische Tierwesen" fällt dieser Reiz weg. Weil wir die Handlung der neuen Filme noch nicht kennen, müssten sie eigentlich umso spannender sein. Auf der anderen Seite wissen wir aber auch nicht, auf was wir denn eigentlich hinfiebern sollen. Kein Wunder, dass da bei mir keine Vorfreude aufkommt.

4 Weil mir die liebgewonnenen Charaktere fehlen

Dass meist Verfilmungen von Buchvorlagen so erfolgreich sind, hat auch mit Folgendem zu tun: Wenn man die Charaktere auf der Leinwand sieht, hat man zu ihnen bereits eine Verbindung aufgebaut. Man kennt sie schließlich schon.

Harry, Ron und Hermine haben wir durch tausende Buchseiten begleitet, über Jahre ihres Lebens hinweg. Wir haben mit ihnen den langweiligen Schulalltag, die ersten Liebeswirren und lebensgefährliche Abenteuer erlebt. Natürlich hat man zu den Harry-Potter-Figuren dadurch eine ganz andere Bindung als zu diesem – wie heißt er noch? – Newt Scamander. Mal ehrlich: Wer kann sich an die Figuren aus dem ersten Teil überhaupt noch erinnern?

Harry, Ron und Hermine im dritten Teil: "Harry Potter und der Gefangene von Askaban". 

(Bild: dpa / Warner Bros.)

Um dieses Manko zu beheben, werden die liebgewonnen Charaktere der Originalgeschichte in "Phantastische Tierwesen" einfach zurückgeholt. Im neuen Teil soll Dumbledore eine wichtige Rolle spielen, und sogar Professor McGonagall soll zurückkommen, obwohl sie zum Zeitpunkt der Filmhandlung noch gar nicht geboren ist (Filmstarts.de). Statt wie ein schlüssiger Plot wirkt das eher wie kalkulierter Fanservice (siehe Punkt 1).

5 Weil ich mich mit der Geschichte nicht identifizieren kann

Vielleicht hat meine fehlende Begeisterung auch nicht nur mit dem Film zu tun – sondern auch mit mir? 

Vielleicht ist mir mittlerweile schlicht die kindliche Fantasie abhandengekommen, um mich mit der Geschichte zu identifizieren. Weil man die Zauberwelt erst nach und nach erkundete, durch die Augen einer Figur, die sie selbst erst kennenlernen musste, war sie für jeden so persönlich zugänglich.

Denn das hat gerade immer die Magie von "Harry Potter" ausgemacht: Hogwarts war ein Sehnsuchtsort, allzu gern wäre man dort selbst zur Schule gegangen. 

Darum lässt mich "Phantastische Tierwesen" als Potter-Fan kalt: Weil ich keinen Bezug zur neuen Geschichte habe, weil sie konstruiert ist und nur wie ein müder Aufguss des alten Fantasy-Universums wirkt. 

Zum Glück bleiben immer noch die alten Filme. Zum immer wieder Anschauen.

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Haha

Aufatmen bei "Friends"-Star David Schwimmer: Sein Doppelgänger wurde gefasst
Er war es wirklich nicht.

Ein Mann stiehlt aus einem Restaurant – das passiert nahezu jeden Tag irgendwo auf der Welt. An sich nicht der Rede wert. Aber nicht jeder Dieb sieht aus wie David Schwimmer aka Ross Geller aus der Kultserie "Friends". Die Ähnlichkeit ist verblüffend. So verblüffend, dass ein Beitrag der Polizei innerhalb kurzer Zeit viral ging. Der Dieb wurde jetzt gefasst.

Was ist passiert?

Weil sie seine Identität nicht feststellen konnte, veröffentlichte die Polizei ein Kamerabild bei Facebook und bat um Hilfe. Mit den Reaktionen, die auf den Aufruf folgten, konnte die Polizei aber nicht rechnen. 

Tausende Menschen erkannten in dem gesuchten Mann den Schauspieler David Schwimmer, beziehungsweise seine Rolle "Ross Geller". Nach nicht mal einem Tag wurde der Beitrag über 60.000 Mal geteilt, über 100.000 meist witzige Kommentare haben sich unter dem Post gesammelt. 

"It wasn't me."

Kurz darauf bewies Schwimmer auf Twitter seine Unschuld, postete ein Video von sich und schrieb dazu:

"Officers, ich war es nicht. Wie ihr sehen könnt, war ich in New York. Der Polizei Blackpool wünsche viel Glück für die Ermittlung."