Bild: Phantasialand/Thor Steinar; Montage: bento
... und löst eine Riesen-Diskussion aus.

Als Julien B. am Dienstag das Phantasialand besuchte, fiel ihm in dem beliebten Freizeitpark in Brühl ein Pärchen auf. Der Mann habe Springerstiefel und Glatze getragen, schildert Julien bento das Aussehen des Besuchers. Und er habe auch Klamotten des bei Rechten beliebten Labels "Thor Steinar" getragen und einen mit Runenschrift bekritzelten Rucksack. 

Für Julien war die Sache eindeutig. Er meldete sich auf Twitter beim Phantasialand:

Das Social-Media-Team des Freizeitsparks antwortete sofort. Grundsätzlich dürfe jeder in den Park, egal, was er trage:

Nun streiten sich Nutzer und fragen: Ist es okay, Menschen zu tolerieren, die eindeutig rechtsextreme Kleidung tragen?

Eine Auswahl:

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Wir haben beim Phantasialand nachgefragt, wie es zu der Entscheidung kam. 

"Grundsätzlich ist bei uns jeder Gast willkommen, der die Hausordnung beachtet", sagt Birgit Reckersdrees, Sprecherin des Parks. Die ist sehr einfach gefasst: Einlass ist für jeden erlaubt, der den Oberkörper bedeckt und feste Schuhe trägt.

Die Marke der Bekleidung sei an dieser Stelle egal, sagt Reckersdrees. Der Sicherheitsdienst achte beim Eingang vor allem auf den Inhalt der Taschen der Parkbesucher. Reckersdrees sei überrascht gewesen, dass es mit der Bekleidung der Gäste Probleme gegeben habe: 

Ich kannte die Marke bis heute selbst nicht und bin damit noch nie vorher in Berührung gekommen.

"Thor Steinar" ist eine Modemarke, die bei Neonazis beliebt ist. Wer sie trägt, weiß das. Im Logo zeigt die Marke unter anderem die Wolfsangel, ein Symbol, das in der rechten Szene als Zeichen des Widerstands verwendet wird. In gewissen Ausprägungen ist die Wolfsangel als verfassungsfeindliches Symbol verboten.

(Bild: Screenshot: bento)

Das Label ist nicht verboten – das Tragen der Klamotten wird jedoch an vielen Orten untersagt. Unter anderem verbieten der Deutsche Bundestag und die Landtage von Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen "Thor Steinar" (Bundestag). Weder Besucher noch Angestellte oder Politiker dürfen die Kleidung tragen. 

2012 wurden NPD-Politiker aus dem sächsischen Landtag geworfen, weil sie mit "Thor Steinar"-Shirts an der Sitzung teilnehmen wollten (Die Welt). Auch in mehreren Fußballstadien wird das Tragen der Marke verboten. 

Warum erlaubt das Phantasialand die Klamotte dann trotzdem? 

Phantasialand-Sprecherin Reckersdrees sagt, Toleranz sei im Phantasialand sehr wichtig. Menschen aus 55 Nationen würden im Park arbeiten, die Parkbesucher kämen beispielsweise aus Holland oder Belgien nach Deutschland angereist. Dazu gehören alle Gäste – egal in welchem Outfit:

"Bisher hatten wir noch nie Probleme mit Gästen in Kleidung rechter Marken. Wir wurden aber in der Vergangenheit mehrfach gefragt, wieso es Frauen im Phantasialand erlaubt ist, eine Burka zu tragen."

Die Pressesprecherin weist darauf hin, dass alle Gäste, die die Hausordnung des Parks einhalten, auch Einlass erhalten. Einen konkreten Verstoß dagegen gab es ihrer Aussage nach bisher nicht. Dass das Tragen von "Thor Steinar"-Kleidung beispielsweise im Bundestag verboten ist, finde sie richtig.

Der Bundestag oder ein Landtag seien politische Institutionen. Das Phantasialand sei aber ein privates Unternehmen, wo ein anderer Anspruch gelte.

Reckersdrees ärgert es außerdem, dass der Twitter-Nutzer seinen Hinweis nicht vor Ort im Park angesprochen hat.

"Hätte der Gast unseren Service vor Ort direkt darauf hingewiesen, hätte sich ein anderes Bewusstsein für dieses Problem entwickeln können", so die Sprecherin. Stattdessen seine Kritik öffentlich zu twittern, sei der falsche Weg, das Problem zu lösen. 

Lass uns Freunde werden!

Julien sagt zu bento, er habe das Paar nur kurz gesehen, als es ihm entgegenkam. Und gibt zu, dass ihm nicht in den Sinn kam, eine Parkaufsicht zu informieren. Twitter sei hingegen genau der richtige Ort, um die "Thor Steinar"-Sache zu diskutieren und das Phantasialand in die Verantwortung zu bringen. Denn es sei nun sichtbar geworden: 

"Selbst für den unwahrscheinlichen Fall, dass der Typ nur schlechten Modegeschmack hat, bleibt das Statement, dass Phantasialand explizit auch Nazis in ihrem Park begrüßen."
In einem sind sich beide Seiten einig: Das Thema müsse diskutiert werden.


Tech

Wegen zwei schweren Sicherheitslücken müssen wir alle unsere Computer updaten
​"Meltdown" und "Spectre"

Forscher haben zwei schwere Sicherheitslücken gefunden. Eine betrifft Computer mit Intel-Prozessor, die andere praktisch alle modernen Computer, Handys und Tablets. Nutzer müssen deswegen jetzt Updates machen.

Die Sicherheitslücken haben damit zu tun, dass Prozessoren oft schon mehrere mögliche Befehle im voraus ausführen. "Speculative Execution" heißt das. Wenn dann der eigentliche Befehl kommt, kann der Prozessor schneller weitermachen. 

  • Meltdown betrifft Intel-Computer, sowohl private Geräte als auch große Server. Programme können auf den Speicher von anderen Programmen und den des Betriebssystems zugreifen und so zum Beispiel Passwörter auslesen. Gegen Meltdown gibt es Updates, die den Computer allerdings langsamer machen. Wie stark, ist unklar, im Extremfall wohl bis zu 30 Prozent.
  • Spectre betrifft Prozessoren von Intel, AMD und ARM, also auch Smartphones. Durch eine Lücke können Programme auf andere Programme zugreifen. Diese Lücke lässt sich mit Software-Updates nur schwer schließen, es lassen sich nur bekannte Angriffsmuster abwehren.