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Rund um den Krampustag am 5. Dezember finden in Österreich Krampus- und Perchtenläufe statt. Mein ganzer Körper schreit: Lauf!

Anfang Dezember geht es in Österreich wieder los mit dem Kinderverprügeln. Während der Heilige Nikolaus Geschenke bringt, darf der Krampus die “Erziehungsarbeit“ leisten, die Eltern vor gar nicht allzu langer Zeit aus guten Gründen verboten wurde.

Der modebewusste Krampus von heute trägt: Holzmaske mit Hornpaar, Ziegen- oder Schaffell in dunkel bis schwarz und einen trendy Kuhschwanz. Schiss habe ich zwar keinen mehr, in einem Raum mit Krampus zu sitzen, zählt allerdings weiterhin nicht zu den Aktivitäten, die ich mir freiwillig in den Kalender eintrage.

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Der Name Krampus leitet sich vom mittelhochdeutschen Krampen ("Kralle") oder bairischen Krampn ("etwas Lebloses, Vertrocknetes") ab. Schon Tage vor der Ankunft im Montessori-Kindergarten diskutieren Familien aus den suburbanen Kleingärtensiedlungen über die pädagogisch nicht zu unterschätzenden Langzeitfolgen.

Durch den gemeinsamen Auftritt von Nikolaus und Krampus soll eigentlich signalisiert werden: Das Gute siegt über das Böse! Die Good-Cop-Bad-Cop-Masche ist nur leider etwas aus der, wie soll man sagen, Rute gelaufen. Good Man Nikolaus hat die Kontrolle über Krampus verloren.

Tatsächlich ist der Krampus etwas sehr österreichisches. Außerhalb der Alpenrepublik™ ist die Kulturfunktion kaum bekannt. Sie sorgt dafür, dass “schlimme“ Kinder Monate später für etwas bestraft werden, an das sie sich kaum mehr erinnern können. Die Bestrafung durch den Krampus beschädige das Vertrauen zwischen Eltern und Kind, sagt Ursula Wisiak von der Medizinischen Universität Graz im Standard.

Eine Vice-Kollegin berichtet von ihrem bis heute anhaltenden Trauma Volksbrauch: "Als ich mich zum letzten Mal in die Nähe eines Perchtenlaufs gewagt habe, um meine teeniehafte Coolness unter Beweis zu stellen, bin ich am Ende mit drei anderen Mädchen in einer Klokabine gelandet, wo wir uns bis nach der Veranstaltung eingesperrt haben." So much for that.

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Die in Österreich beliebten Festlichkeiten haben mit dem ursprünglichen Brauchtum nur mehr wenig zu tun: Besoffene Männer machen mit Gebrüll und Glockenläuten auf sich aufmerksam, um im selben Atemzug alles niederzulaufen, was nicht bei drei im Wirtshaus ist.

Als Kind habe ich selbst unzählige dieser fragwürdigen Läufe im Mariazeller Land miterlebt, und mir dabei jedes Mal fast in die Hose gemacht. Mein Vater musste mich dann auf seine Schultern nehmen, sodass mich die widerwärtigen Kreaturen nicht erwischten. Geweint habe ich und geschrien.

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Ob es zeitgemäß ist, sich vor einem kettenrasselnden Hornochsen mit Teufelsgesicht zu gruseln? Kann ich leider nicht beantworten. Sicher ist: Dieser wertvolle Brauch hat bestimmt nicht zu meiner psychischen Widerstandsfähigkeit beigetragen.

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Alkohol, Gewalt und aufwändig verfilztes Pferdehaar. Ich liebe mein Österreich dann besonders hart, wenn ich es außerhalb des Ostalpenraumes für seine Traditionen "rechtfertigen" muss: Naturverbundene Muskelmänner stülpen sich stinkende Masken über den Kopf, um kleinen und größeren Kindern das Leben für einen weiteren Abend zur Hölle zu machen. Ketten werden aneinander geschlagen, Grenzen überschritten. Ängste aktiviert.

Macht alles total Sinn!

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Krampus oder Percht?

Was kaum jemand weiß: Krampusse und Perchten sind nicht dasselbe. Während der Percht den Menschen hilft, den einbrechenden Winter zu vertreiben, ist der Krampus damit beschäftigt, möglichst viele "verdammte Seelen" gleichzeitig aufzuspießen und zu bestrafen.