Bild: dpa/Sebastian Willnow
Islam-Gegner wollen eine "Festung Europa"

Unter dem Motto "Festung Europa" hat die islamfeindliche Pegida-Bewegung am Samstag erstmals zu europaweiten Protesten aufgerufen. In zahlreichen Ländern versammelten sich Sympathisanten zu Kundgebungen und Demonstrationen.

In Deutschland trafen sich die Pegida-Anhänger in Dresden (bento), weitere Veranstaltungen gab es zum Beispiel in Tschechien, der Slowakei und Frankreich. Bei der Organisation arbeitete Pegida mit Partnerorganisationen zusammen; insgesamt wurden in 14 europäischen Städten Demonstrationen angemeldet, von Tartu in Estland bis zur irischen Hauptstadt Dublin (Tagesspiegel, MDR).

Ein Überblick über die Ereignisse des "Aktionstages":
1. Dresden

Um kurz nach 15 Uhr starteten die deutschen Pegida-Anhänger ihre Kundgebung am Dresdner Königsufer. Pegida-Mitgründer Lutz Bachmann konnte wegen Krankheit nicht teilnehmen, an seiner Stelle sprach Siegfried Däbritz, der zum Organisationsteam von Pegida gehört; seine Rede wurde ins Tschechische übersetzt und die gesamte Dresdner Kundgebung nach Prag übertragen (MDR). Als Gastredner traten mehrere Tschechen auf, darunter ein Mitglied der rechtspopulistischen Partei Usvit und eine ehemalige Muslima.

Pegida-Sympathisanten aus Ungarn, der Slowakei, den Niederlanden und Estland schickten ihre "Grüße" per Videobotschaft nach Dresden. Der Tenor war immer derselbe: Hetze gegen Flüchtlinge und den Islam, angebliche Angst um die europäische Kultur und Identität, Forderung nach einer "Festung Europa". Außerdem gab es Versuche, live zu Kundgebungen in Prag, Bratislava und Warschau zu schalten, die aber technischen Problemen scheiterten.

In den Redepausen skandierten die Teilnehmer in Dresden immer wieder: "Festung Europa, macht die Grenze dicht!", "Merkel muss weg" und "Widerstand".

Zuvor war erwartet worden, dass bis zu 15.000 Pegida-Anhänger an der Kundgebung in Dresden teilnehmen würden (bento), also genau so viele wie beim Jahrestag im Oktober. Wie viele am Ende tatsächlich da waren, ist unklar, die studentische Forschungsgruppe "Durchgezählt" spricht von etwa 6000 bis 8000 Teilnehmern.

Die Gegenveranstaltungen zum europaweiten Pegida-Aktionstag begannen um 12 Uhr mit einem Gottesdienst in der Dresdner Synagoge (MDR). Später zogen Pegida-Gegner unter dem Motto "Solidarität statt Ausgrenzung" vom Hauptbahnhof zum Theaterplatz, laut "Durchgezählt" nahmen zwischen 1000 und 1400 an der Demonstration teil. Auf dem Theaterplatz versammelten sich dann etwa 2000 Menschen und störten mit lauter Musik die Pegida-Kundgebung am anderen Ufer der Elbe (MDR).

2. Prag

Die Partner-Veranstaltung, der in Dresden am meisten Aufmerksamkeit gewidmet wurde, war die in Prag: Dort hatte Pegida gemeinsam mit der rechtspopulistischen tschechischen Partei Usvit eine Kundgebung organisiert. Die Islamgegner versammelten sich vor der Prager Burg. Letztendlich nahmen aber weniger Menschen teil als erwartet: MDR und Tagesschau sprechen von rund 1500 Demonstranten, der Tagesspiegel nennt unter Berufung auf die tschechische Nachrichtenagentur CTK eine Teilnehmerzahl von 500.

Im Verlauf der Kundgebung in Prag kam es zu Ausschreitungen: Maskierte Neonazis sollen linke Gegendemonstranten angegriffen haben, es flogen Flaschen und Feuerwerkskörper. Die Polizei griff mit mehreren Hundertschaften ein, um die beiden Gruppen zu trennen. (Tagesschau)

3. Calais

Auch im nordfranzösischen Calais protestierten Pegida-Sympathisanten: Trotz eines Demonstrationsverbots hatten sich etwa 150 Menschen vor dem Bahnhof versammelt und gegen Einwanderung und Journalisten demonstriert. Die Polizei löste die Demonstration unter Einsatz von Tränengas auf. (SPIEGEL ONLINE)

Calais ist wegen des als "Dschungel" bezeichneten Flüchtlingslagers bekannt. Dort herrschen katastrophale Zustände, immer wieder versuchen Flüchtlinge, von Calais aus nach Großbritannien zu gelangen. (bento)

4. Amsterdam

Auch in Amsterdam sollte es eine Pegida-Kundgebung geben, die aber aber vorzeitig abgebrochen wurde. Grund war offensichtlich eine Bombendrohung, wie Siegfried Däbritz den Teilnehmern in Dresden erklärte. (MDR)

5. Weitere Länder

Bei der Veranstaltung in Warschau sprach Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling, allerdings waren dort nur einige hundert Anhänger anwesend (Tagesspiegel). Insgesamt gingen in den anderen europäischen Städten weniger Menschen als erwartet auf die Straße, im britischen Birmingham zum Beispiel nahmen nur etwa 150 Pegdia-Anhänger an einem Schweigemarsch teil (MDR).

Solidaritätsbekundungen gegen Pegida kamen derweil aus vielen Ländern, zum Beispiel aus Finnland:


Die euphemistisch als "Aktionstag" beschriebene Veranstaltung hat gezeigt, dass Pegida durchaus vernetzt ist und Partner in anderen europäischen Ländern hat. Die Teilnehmerzahlen dokumentieren aber auch, dass Pegida weiterhin vor allem in Deutschland und insbesondere in Dresden eine Rolle spielt.

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