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Eigentlich war er schon völlig bedeutungslos – dann kam alles anders.

Pedro Sánchez hat erreicht, was er wollte: Der Sozialdemokrat ist neuer Ministerpräsident von Spanien. Sein Gegenspieler, der konservative Mariano Rajoy, wurde vom Parlament durch ein Misstrauensvotum gestürzt. (bento) Er und seine Partei sind in Korruptionen verstrickt. 

Nun also Sánchez. Nur: Wer ist dieser Mann?

5 Dinge, die du über Pedro Sánchez wissen solltest:

1.

Er war schon in der Bedeutungslosigkeit verschwunden.

  • Sánchez kandidierte 2014 für das Amt des Generalsekretärs bei der sozialistischen Partei. Der 46-Jährige bekam nur 49 Prozent der Stimmen und wurde zum Parteichef gewählt. Er war ein Hinterbänkler, kaum einer kannte ihn. 
  • 2015 trat er bei der Parlamentswahl gegen Mariano Rajoy an – gegen den Mann, der jetzt gestürzt wurde. Beide konnten keine Regierung bilden. Die Sozialisten wollten auf keinen Fall mit den Konservativen koalieren. 
  • Im Oktober 2016 trat er nach zwei Jahren als Chef seiner Partei zurück. Eine Widersacherin aus der eigenen Partei putsche gegen ihn – und gewann den Machtkampf. Sánchez hatte sich monatelang geweigert, eine neue Amtszeit Rajoys zu tolerieren. Die Kritik an ihm innerhalb des Parlaments wuchs. Die meisten dachten, Sánchez sehe man nach dem Rücktritt nicht wieder.
  • Aber: Im Mai 2017 kam Sánchez zurück an die Spitze der Sozialisten. Die Mitglieder der sozialistischen Partei mochten den eher linken Sánchez. In seinem kleinen Peugeot tingelte er über die Dörfer und gewann so genügend Stimmen für die Kampfabstimmung auf einem Parteitag. Plötzlich war er wieder da.

2.

Das Misstrauensvotum war sein großer Coup.

Sánchez hat den Misstrauensantrag gegen Rajoy auf den Weg gebracht. Zum ersten Mal in der Geschichte des spanischen Parlamentarismus ist jemand per Misstrauensvotum zum Ministerpräsidenten gewählt worden. 

Sánchez' Partei hat aber nur über 84 Sitze im Parlament, er ist der Chef einer Minderheitsregierung. Ein paar Stimmen weniger, und die Misstrauensabstimmung wäre gescheitert. Damit wäre Sánchez politische Karriere wohl endgültig am Ende gewesen.

3.

Er ist "der Hübsche".

In Landessprache "el guapo". Und das am liebsten von seinen politischen Gegnern. Die wollen ihn damit degradieren, im Sinne von: Der sieht nur ganz gut aus, aber hat nichts drauf. Seine Rhetorik ist tatsächlich nicht umwerfend. Er hat aber den Ruf eines sportlichen Schwiegermutterlieblings.

4.

Er ist Hoffnungsträger für Katalonien.

Etwas weniger als die Hälfte der Katalanen will sich von Spanien abspalten und einen eigenen Staat ausrufen. Die katalanischen Nationalisten stimmten im Parlament für Sánchez – und der braucht sie zum Regieren, muss also auf sie zugehen.

5.

Er will Spanien in der EU halten.

Der neue Ministerpräsident Spaniens ist pro-europäisch. Sein Vorgänger Rajoy hatte wegen der Wirtschaftskrise einen Sparkurs verordnet. Sánchez wird ihn weiterführen. Außerdem hat er Politische Ökonomie der Europäischen Union in Brüssel studiert. In Madrid hat er promoviert und an einer Uni Wirtschaftswissenschaften gelehrt.


Mit Material von dpa


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