Es war noch nichts über die Hintergründe der Anschläge in Paris bekannt, da sendeten Muslime gestern Nacht schon erste Tweets. Sie erklärten darin, sie hätten Angst – Angst davor, dass sie sich nun wieder distanzieren müssen, distanzieren von einer Tat, mit der sie nichts zu tun haben.

Mittlerweile hat sich der IS zu den Attentaten in der französischen Hauptstadt bekannt; zuvor hatte schon Präsident Hollande die Terrororganisation verantwortlich gemacht. (bento)

Inzwischen geben Muslime in der ganzen Welt Statements ab, ähnlich wie nach den Anschlägen auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo im Januar.

Sie versuchen zu erklären, was eigentlich selbstverständlich sein sollte – dass es sich um Terroristen handelt, um Fundamentalisten, und nicht um Vertreter ihrer Religion.

#MuslimsAreNotTerrorist

Unter dem Hashtag #MuslimsAreNotTerrorist posten Muslime auf Twitter und Instagram Statements und Fotos. Auch #NotInMyName – ein Hashtag, der schon nach den Anschlägen auf Charlie Hebdo verwendet wurde – taucht wieder auf, teilweise mit alten Bildern.







Noch in der Nacht verurteilte ein britischer Imam die Anschläge:

Eine britische Autorin will ihre Religion nicht Terroristen überlassen:
Videostatement eines Marokkaners

Ein junger Marokkaner postete ein Video auf YouTube, in dem er betont, dass die Attentäter nicht den Islam repräsentieren: "They don't represent what we believe in."

In seinem Aufsager wirft er auch die Frage auf, inwiefern diejenigen, die sich in Syrien, dem Irak und Libyen "einmischen" verantwortlich seien; diese Auffassung ist streitbar – und keine Rechtfertigung, das sagt er selbst.

Nicht streitbar ist der Appell am Ende des Videos: "I hope that you don't think that all the Muslims are like this or all the Arabs are like this. They are just a very small minority. They are not even a minority, they are a couple of crazy people."

Auch muslimische Organisationen distanzieren sich
  • Der Zentralrat der Muslime (ZMD), eine der vier großen muslimischen Organisationen in Deutschland, schreibt in einer Stellungnahme auf seiner Website: "Diese Terroristen führen Krieg gegen die Menschlichkeit und damit auch direkt gegen den Islam. Ihr Ziel, Panik, Hass und Zwietracht zwischen den gesellschaftlichen Gruppen und Religionen zu säen, wird niemals aufgehen, wenn wir wachsam, entschlossen und vor allem gemeinsam handeln."
  • Benjamin Idriz, Imam der Islamischen Gemeinde Penzberg und Vorsitzender des Münchner Forums für Islam (MFI) schrieb auf Facebook unter dem Titel "Ihr seid niemals Muslime!": "Wieder sind wir als Muslime in ganz besonderer Weise erschüttert, in ganz besonderer Weise fassungslos, und in ganz besonderer Weise herausgefordert!" Er spricht von einem "Missbrauch unserer Religion" und davon, dass jetzt alle zusammenstehen müssten, "Muslime wie Nicht-Muslime, alle, die gemeinsam ein friedliches Miteinander aufbauen möchten, gegen all jene, die sich dem entgegenstellen".
  • Der Conseil français du culte musulman (CFCM), die Repräsentation der Muslime in Frankreich, hat sich laut Le Monde noch in der Nacht von den Anschlägen distanziert; er verurteilte die "niederträchtigen und schändlichen Angriffe mit größtem Nachdruck".

Vertreter Saudi-Arabiens, Ägyptens, Jordaniens und Kuwaits zeigten sich ebenfalls betroffen; der Generalsekretär der Arabischen Liga bezeichnete die Anschläge als abscheuliches Verbrechen (heute.de). Der iranische Außenamtssprecher Hussein Dschaberi erklärte in Teheran: "Diese Terroristen sind keine Muslime und haben nichts gemeinsam mit den Kriterien und Werten des Islam" (SPIEGEL ONLINE).