Bild: dpa / picture-alliance

Die Polizei hat in der erstürmten Wohnung in Paris-St. Denis eine dritte Leiche gefunden. Das bestätigte die Pariser Staatsanwaltschaft. Laut der Nachrichtenagentur AFP soll es sich dabei um eine weitere Frauenleiche handeln.

  • Bislang waren zwei Tote bestätigt worden: Abdelhamid Abaaoud, der mutmaßliche Drahtzieher der Pariser Anschläge, und mutmaßlich um seine Cousine, Hasna Aït Boulahcen. Das teilte der französische Staatsanwalt am Donnerstag mit. Abdelhamid Abaaoud sei bei der Razzia im Pariser Stadtteil Saint-Denis am Mittwochmorgen ums Leben gekommen.
  • Abaaouds Leiche sei im Gebäude gefunden worden und von Kugeln durchsiebt gewesen. (SPIEGEL ONLINE)
  • Abdelhamid Abaaoud gilt als mutmaßlicher Drahtzieher der Anschläge von Paris und zählte zu den gefährlichsten Extremisten Belgiens. Zunächst hatten ihn die Behörden in Syrien vermutet.
  • Der französische Premierminister Manuel Valls bezeichnete Abaaoud als "eines der Gehirne" der Anschläge und lobte die Sicherheitskräfte. (Guardian)
Die Razzia in Saint-Denis

Am Mittwochmorgen hatte die Polizei eine Wohnung im Pariser Stadtteil Saint-Denis gestürmt. Offenbar wurde bei der Aktion gezielt nach Abaaoud gesucht. Die Tagesschau berichtet, überwachte Telefongespräche hätten Ermittler auf die Spur des mutmaßlichen Drahtziehers gebracht.

Anwohner des Stadtteils sprachen nach der Razzia von "Szenen wie im Krieg". Die Polizei feuerte mehr als 5.000 Schüsse ab (SPIEGEL ONLINE). Neben Abaaoud starb auch mindestens eine weitere Terrorverdächtige, die sich selbst in die Luft sprengte. Dabei handelt es sich um Hasna Aït Boulahcen – sie soll die Cousine von Abdelhamid Abaaoud sein (SPIEGEL ONLINE).

Was wir über das Leben von Abaaoud wissen
(Bild: dpa / Islamistische Propagandaseite)
  • Abaaoud wuchs im Brüsseler Stadtteil Molenbeek auf, wo es eine islamistische Szene gibt. Vor mindestens zwei Jahren schloss er sich dem "Islamischen Staat" in Syrien an. Unter seinem Kampfnamen Abaaoud Abou Omar al-Baljiki tauchte er in Propagandavideos auf.
  • Im Januar dieses Jahres war Abaaoud von Syrien nach Verviers in Belgien gereist, um mit zwei weiteren Terroristen Anschläge auszuführen. Ziel sollten Kioske sein, in denen die Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" verkauft wurde. Das Trio flog auf, beim Zugriff tötete die Polizei zwei der Terroristen. Abaaoud konnte sich vorher absetzen, ging wieder nach Syrien.
  • Ermittler glauben, dass er außerdem hinter weiteren Anschlägen steckt: Er sei an vier der sechs Attentate beteiligt gewesen, die in Frankreich seit dem Frühling vereitelt worden seien, sagte der französische Innenminister Bernard Cazeneuve.
  • Cazeneuve beklagte, dass Frankreich keine Informationen von anderen europäischen Ländern über die Durchreise von Abaaoud erhalten habe. Erst drei Tage nach den Anschlägen von Paris habe ein Geheimdienst von "außerhalb Europas" gemeldet, dass Abaaoud möglicherweise in Griechenland gewesen sein könnte (Guardian).
  • Mehr über die anderen mutmaßlichen Attentäter hier in unserer Übersicht.
Abaaoud war mehrmals in Deutschland

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE war Abaaoud mehrfach in Deutschland.

  • Die Bundespolizei kontrollierte ihn am 20. Januar 2014 am Flughafen Köln/Bonn, als er von dort nach Istanbul fliegen wollte. Den Beamten erzählte er, er wolle Freunde und Verwandte in der Türkei besuchen und anschließend wieder zurück nach Köln reisen. Doch die Tour zurück erfolgte offenbar dann auf anderen Wegen.
  • Wie aus Sicherheitskreisen verlautete, hatte sich Abaaoud bereits 2007 einmal in Köln aufgehalten. Er soll seinerzeit bei der Stadt ein Ausfuhrkennzeichen für ein großes Fahrzeug beantragt haben. Die Hintergründe seines damaligen Besuchs sind aber vollkommen unklar.

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