Bild: Reuters / Yves-Herman
Der Überblick über die Anschläge und ihre Folgen
Was ist passiert?

Am Freitagabend nach 21 Uhr gab es in Paris sechs Anschläge. Am Fußballstation Stade de France, wo Frankreich gegen Deutschland spielte, sprengten sich drei Selbstmordattentäter in die Luft, weitere Täter stürmten den Konzertsaal Bataclan und griffen Cafés an. Bislang gibt es 129 Tote und mindestens 352 Verletzte. Noch schweben Dutzende von ihnen in Lebensgefahr. (SPIEGEL ONLINE)

Die französischen Behörden machen den "Islamischen Staat" für die Anschläge verantwortlich, der sich kurz darauf auch zu den Angriffen bekannte. Ermittler gehen von drei Teams aus, die nahezu zeitgleich zugeschlagen haben. Sie waren mit Kalaschnikows ausgerüstet und trugen identische Sprengstoffwesten. (SPIEGEL ONLINE)

Was ist über die Täter bekannt?
  • Die Ermittlungen laufen noch, es gibt aber erste Details: Offenbar haben Ermittler weitere Verdächtige identifiziert.
  • Der zentrale Drahtzieher der Anschläge soll Abdelhamid Abaaoud sein, berichten mehrere Medien. Demnach habe der 27-jährige IS-Terrorist die Operation organisiert und überwacht. Abaaoud gilt als der meistgesuchte Islamist Belgiens und soll sich zuletzt in Syrien aufgehalten haben. (SPIEGEL ONLINE)
  • Gewohnt hat er offenbar im Brüsseler Stadtteil Molenbeek. Zwei weitere Attentäter sollen ebenfalls von dort stammen. In Molenbeek hat die Polizei am Montag Wohnungen gestürmt. In der Nacht hatte es in Frankreich 168 Durchsuchungen gegeben, dabei wurden zum Teil Waffenarsenale und ein Raketenwerfer gefunden. (SPIEGEL ONLINE)
  • Außerdem fahndet die Polizei nach dem 26-jährigen mutmaßlichen Attentäter Salah Abdeslam. (SPIEGEL ONLINE)
  • Einer der Attentäter aus dem Konzertsaal Bataclan soll Samy Amimour sein, teilte die Pariser Staatsanwaltschaft mit. Er sei 1987 geboren und stamme aus der Gemeinde Drancy nordöstlich von Paris. Gegen Amimour wurde wegen einer versuchten Reise in den Jemen 2012 ermittelt. Seit 2013 wurde er mit Haftbefehl gesucht, weil er sich während einer Bewährungsstrafe nicht mehr bei den Behörden meldete. (SPIEGEL ONLINE)
  • Eines der drei Kommandos wurde offenbar vom 29-jährigen Franzosen Ismail Omar Mostefaï angeführt, der achtfach vorbestraft wurde, aber nie im Gefängnis saß. Sein abgetrennter Finger war im "Bataclan"-Konzertsaal gefunden worden, er hatte sich dort nach dem Anschlag in die Luft gesprengt. Ermittler sollen ihn vor fünf Jahren auf eine Beobachtungsliste gesetzt haben. Zuletzt hielt er sich offenbar in Algerien, womöglich auch in Syrien auf. (Guardian)
  • Am Stadion sollen ein syrischer und ein ägyptischer Pass gefunden worden sein. (Guardian)
  • Der syrische Pass ist auf den Namen Ahmed Almohammad ausgestellt, geboren am 10. September 1990. Der Mann soll am 3. Oktober gemeinsam mit 198 anderen Flüchtlingen auf der griechischen Insel Leros angekommen sein. Seine Fingerabdrücke wurden damals registriert. (SPIEGEL ONLINE)
Was hat es mit der Festnahme in Bayern auf sich?

Die Polizei hat in Bayern am 5. November einen 51-jährigen Mann aus Montenegro festgenommen. In seinem Auto fanden sich acht Kalaschnikows mit Munition, zwei Pistolen, ein Revolver, zwei Handgranaten und 0,2 Kilogramm Sprengstoff. Nach Auswertung des Handys und des Navigationsgeräts gehen die Ermittler davon aus, dass der Mann nach Paris reisen wollte. (SPIEGEL ONLINE)

Wie reagiert Frankreich?
  • Der französische Präsident François Hollande sprach am Samstag von Krieg. Nach einem Treffen des Nationalen Verteidigungsrats trat er im Fernsehen auf: "Es ist ein Akt der absoluten Barbarei", begangen durch "eine Armee von Terroristen", so Hollande. "Es ist ein Angriff des 'Islamischen Staates', wir werden gnadenlos reagieren - auf allen Ebenen, in Abstimmung mit unseren Partnern. (...) Konfrontiert mit Krieg muss die Nation angemessene Maßnahmen ergreifen." (SPIEGEL ONLINE)
  • Frankreichs Premierminister Valls geht davon aus, dass die Anschläge in Syrien geplant worden sind. Frankreich wolle den IS zerstören, sagte er in einem Interview mit RTL. (SPIEGEL ONLINE)
  • Der Ausnahmezustand, den Hollande verhängt hat, soll auf drei Monate verlängert werden. Das ermöglicht Ausgangssperren, Wohnungsdurchsuchungen ohne richterlichen Beschluss und Hausarrest für Menschen, deren Aktivität als "gefährlich für die Sicherheit und die öffentliche Ordnung" angesehen wird. Versammlungen, Konzerte und Veranstaltungen können abgesagt werden. (SPIEGEL ONLINE)
  • In Paris gibt es eine Welle der Solidarität: Menschen haben Fremde bei sich zu Hause aufgenommen, sie spenden Blut, die Orte der Anschläge sind voller Blumen und Kerzen. (bento)
  • Fragt man Menschen in Paris auf der Straße, gibt es auch nachdenklichere Antworten. Es gibt die Sorge, dass sich die Wut nun gegen völlig unschuldige Muslime oder Menschen mit arabischem Aussehen richten könnte. Andere wollen ihr Leben weiter leben können, in Freiheit, ohne Einschränkungen. (SPIEGEL ONLINE)


Was hat das mit den Flüchtlingen in Deutschland zu tun?

#MuslimsAreNotTerrorist

Posted by bento on Saturday, November 14, 2015

Erstmal nichts. Aber konservative Politiker fürchten, dass sich unter die Flüchtenden auch Terroristen mischen könnten. Bisher konnten Sicherheitsbehörden in Deutschland zwar kaum Hinweise darauf finden – trotzdem rufen CSU- und CDU-Politiker nach den Anschlägen nun eine "neue Ära" aus. Markus Söder und Horst Seehofer fordern stärkere Grenzkontrollen.

"Cicero"-Chefredakteur Christoph Schwennicke vergleicht die Anschläge in Paris gar mit der Atomkatastrophe von Fukushima. "Das war's", soll Merkel damals gesagt haben, der Ausstieg aus der Atomenergie war die Folge. Das müsse auch jetzt in der Flüchtlingskrise gelten, schreibt Schwennicke. (Cicero)

Abgesehen davon, dass wir den Vergleich nicht verstehen: "Das war's, Flüchtlinge" ist so ziemlich das letzte, was uns einfallen würde.

Ist jetzt Krieg?
  • Nicht nur der französische Präsident, auch der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck sprach von "Krieg". (Süddeutsche.de)
  • In einem Kommentar der "FAS" heißt es sogar "Weltkrieg". Diese Begriffe sind gefährlich. Einerseits wollen Politiker klar machen, dass die Terroristen des "Islamischen Staates" dem Westen den Krieg erklärt haben. Andererseits versuchen Konservative, den Westen gegen die muslimische Welt in Stellung zu bringen. Da ist der Gegner dann plötzlich nicht mehr der Terrorist, sondern eine ganze Religion. (FAZ)
  • Frankreich fliegt seit vergangenem Jahr an der Seite der USA Luftangriffe auf den "Islamischen Staat" im Irak. Seit September greift Frankreich auch in Syrien Stellungen der Terrormiliz an. (Zeit Online)
  • Am Sonntagabend flogen zehn französische Kampfjets Angriffe auf die IS-Hochburg Raqqa in Syrien. Das teilte das französische Verteidigungsministerium mit. (CNN)
  • Mehr über den "Islamischen Staat" und seine Taktik in diesem ausführlichen Explainer auf SPIEGEL ONLINE.
Was passiert auf Facebook?
  • In einem Facebook-Posting schildert Isobel Bowdery, wie sie den Angriff auf den Konzertsaal überlebt hat. (Da das Facebook-Profil ansonsten kaum öffentlich Informationen enthält, lassen sich die Angaben aktuell nicht verifizieren.)
  • Facebook bietet seinen Nutzern an, das Profilbild in den Farben der französischen Flagge einzufärben. Daran gibt es allerdings auch Kritik: Zu Terroranschlägen in anderen Ländern, beispielsweise Libanon, bietet der Konzern diese Option noch nicht an.
  • Nach den Angriffen hatte Facebook eine Funktion aktiviert, mit der man sich selbst und seine Kontakte als sicher markieren konnte. Andere Nutzer sollten so schneller erfahren, dass ihre Freunde und Angehörigen in Sicherheit sind. Auch hier gibt es Kritik: Für den Anschlag in Beirut wurde die Funktion nicht aktiviert. (Time)

Update am Sonntagabend um 22 Uhr mit Angriff auf Raqqa, Ausnahmezustand in Frankreich und Details zu den Tätern. Zweites Update am Montag um 12.30 Uhr mit weiteren Details zu den Tätern und der Aussage von Premierminister Valls.